Investition für Kinder oder volkswirtschaftlicher Unsinn?
25.11.2009 | 16:59 Uhr 2009-11-25T16:59:58+0100Elsoff. Riesenandrang beim Informationstreffen zum Bau der geplanten Bundesfernstraße Olpe - Hattenbach am Montagabend in Elsoff. Die Sitzgelegenheiten auf der von Alrun Hoffmann-Krönert moderierten Veranstaltung im Saal des Gasthofs Spies-Peter reichten nicht aus.
„Ich bin wie viele andere Bürger von den Planern überrumpelt worden. Die Fernstraße wird der Region ordentlich Verkehr bescheren”, betonte die Sprecherin der Initiative gegen den Fernstraßenbau.
Da setzte auch der erste Redner des Abends an - Wulf Hahn von der Firma Regio Consult. Seine Firma berät unter anderem Betroffene, die in verschiedensten Weisen unter Verkehrsprojekten leiden. Hahn sieht beim geplanten Bau der drei- oder vierspurigen „A-4-light-Version” mit seinen bis zu 1,8 Milliarden Baukosten eine „hohe Konfliktdichte” und führt in diesem Atemzug das Vogelschutzgebiet im Rothaargebirge und bedrohte Tiere wie den Schwarzstorch, Wildkatze, Uhu und die Zangenlibelle an. Die Fernstraße müsse deshalb in einigen Abschnitten in Tunneln geführt werden.
Würde die 137 Kilometer lange Route gebaut, 22 Kilometer müssten im Bestand überplant werden, würde das gegenüber der Alternativstrecke A45/A5 und A4 nach seiner Ansicht so gut wie keine Ersparnis bringen. Die Trasse sei deshalb „volkswirtschaftlich nicht bauwürdig”. Für diese Aussage konnte der Consult-Vertreter sogar Beifall einstreichen - aber längst nicht von allen.
„Wir brauchen eine Stunde bis zur Autobahn”, monierte ein Zuhörer. „Die Leute ziehen weg, und die Dörfer sterben aus.” Auch ein Gewerbetreibender beschwerte sich über den Standortnachteil in Wittgenstein, der die Konkurenzfähigkeit seines Unternehmens beeinträchtige.
Hahn versuchte gleichzeitig deutlich zu machen, dass er grundsätzlich „nicht gegen alles ist”. Vorhandene Straßen müssten ausgebaut werden. Aber nicht nur aus Natur- und Umweltschutzgründen stehen die Gegner der Planung skeptisch gegenüber. Sollte die Bundesfernstraße einmal fertig sein, Planfestellungsbeschlüsse könnten für die Jahre 2022/2023 erwartet werden, fließe aus der Region Kaufkraft ab, weil die Wittgensteiner „einfacher auspendeln können”. Zudem erwartet er, dass sich die Wittgensteiner ihren Arbeitsplatz dann extern suchen. Diese Tendenz will er auch nach dem Bau der A 49 ausgemacht haben.
Ähnliche Argumente führte der zweite Redner des Abends ins Feld - Frank Schütz, Vertreter des BUND aus Waldeck-Frankenberg, der ausgerechnet haben will, dass die Bundesfernstraße nur eine Verkürzung um elf Kilometer bringen würde. Parallel warnte er vor einem Elsofftal, dass mit Brücken überspannt werde. Außerdem soll eine kanadische Studie ergeben haben, dass „mehr Straßen auch mehr Verkehr verursachen”. Straßenbau sei zudem nicht mit Wirtschaftswachstum gleichzusetzen, so Frank Schütz.
Und was sagen die Betroffenen dazu, wenn irgendwann einmal aufgrund umgelenkter Verkehrflüsse zwischen 25 000 und 38 000 Fahrzeuge jeden Tag am Golddorf vorbeibrettern, wie Wulf Hahn warnte. „Wenn jetzt nichts passiert, geschieht in den nächsten 20 Jahren auch nichts mehr, so ein Fels-Befürworter, der mit seiner Meinung nicht alleine dastand.
Was sagen gestandene Elsoffer, die für ihre Mitmenschen immer ein offenes Ohr haben, zum geplanten Vorhaben? Die Heimatzeitung befragte Georg Spies, Inhaber der Gaststätte Spies-Peter. „Die Bundesfernstraße ist eine Investition für unsere Kinder und Enkelkinder”.
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