Internet-Bekanntschaften beim Sex gefilmt

Bad Berleburg/Bad Laasphe..  Drei junge Frauen haben nicht geahnt, was auf sie zukommen kann, wenn sie sich auf Internetplattformen mit zunächst unbekannten Menschen einlassen. Die sind nämlich nicht selten nur darauf aus, sexualisierte Bilder auszutauschen, möglicherweise Kontakt aufzunehmen. Welche Folgen das haben kann, schilderten drei Zeuginnen am Dienstag vor Gericht in der Verhandlung gegen einen in Vorderasien geborenen Laaspher.

Gleich vier Anklagen trug Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel vor; der 24 Jahre alte Angeklagte schwieg zu allen Vorwürfen, überließ seiner Verteidigerin das Wort.

Bei der Beweisaufnahme zum letzten Anklagepunkt nahm die Verhandlung eine Wende. Strafrichter Torsten Hoffmann folgte einem Antrag der Oberamtsanwältin. Sie plädierte für die Abgabe des Verfahrens an die Strafkammer des Landgerichts: „Hier reicht die Gewalt des Strafrichters nicht mehr aus. Ich sehe hier einen besonders schweren Fall der sexuellen Nötigung. Die Strafe liegt nicht unter zwei Jahren.“ Die Oberamtsanwältin stützte sich bei ihrer Einschätzung auf die Aussage einer heute 20-Jährigen, in Düsseldorf lebenden Auszubildenden. Sie hatte den Angeklagten vor drei Jahren über das soziale Netzwerk „Facebook“ kennengelernt, nahm eine Einladung nach Bad Laasphe an. Nach dem Besuch des Schützenfestes und reichlich Alkoholgenuss landete das Mädchen mit dem Angeklagten und zwei weiteren Männern in einer kleinen Wohnung. „Wir wollten entspannen, Spaß haben.“ Aber daraus wurde bitterer Ernst. Monate später kursierte in einem Chatroom im Internet ein zwei bis drei Minuten langer Film, der die junge Frau beim Geschlechtsverkehr mit einem der Männer, aber auch dem Angeklagten selbst zeigt. „Er muss das Video gedreht haben“, glaubt die Zeugin.

Im Zeugenstand fließen die Tränen

Sie weinte im Zeugenstand, beteuerte, dass sie seinerzeit völlig ahnungslos gewesen sei und von den Filmaufnahmen nichts gewusst habe. „Es war ein Ziehen und Drängen von allen. Mit zwei von ihnen hatte ich körperlichen Kontakt. Ich konnte mich nicht wehren.“ Das Video habe ihr Leben zerstört, schluchzte die 20-Jährige, der es „sehr schwer“ fiel, darüber zu sprechen. „Ich war naiv und dumm!“, schämte sie sich.

Nicht anders erging es einer gleichaltrigen Studentin aus dem Sauerland. Auch sie hatte über Facebook und den Dienst WhatsApp Verbindungen zu dem Bad Laaspher. Sie tauschten freizügige Fotos aus. Tage später war die Nacktaufnahme der Frau im Internet für jedermann sichtbar. „Erst da war mir schlagartig bewusst: Oh Gott, was habe ich nur getan. Ich hätte nie gedacht, dass mir sowas passieren kann. So peinlich!“

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