Intensiv büffeln für das „Grüne Abitur“

Stolze Jungjägerinnen: Katja Herling und ihre Kollegin Anika Strack haben das „Grüne Abitur“ absolviert.
Stolze Jungjägerinnen: Katja Herling und ihre Kollegin Anika Strack haben das „Grüne Abitur“ absolviert.
Foto: Matthias Böhl
Was wir bereits wissen
„Als kleines Kind bin ich mit meinem Vater schon mit am Hochsitz gewesen. Es war damals ein mulmiges Gefühl, aber bis heute war jeder Gang ins Revier etwas Besonderes“, Anika Strack kommt schnell ins Schwärmen, wenn sie von den Erlebnissen im Wald und bei der Jagd erzählt. Ab sofort dürfen sie und ihre Kollegin Katja Herling alleine auf den Hochsitz klettern.

Bad Berleburg. „Als kleines Kind bin ich mit meinem Vater schon mit am Hochsitz gewesen. Es war damals ein mulmiges Gefühl, aber bis heute war jeder Gang ins Revier etwas Besonderes“, Anika Strack kommt schnell ins Schwärmen, wenn sie von den Erlebnissen im Wald und bei der Jagd erzählt. Ab sofort dürfen sie und ihre Kollegin Katja Herling alleine auf den Hochsitz klettern.

Zeit- und lernintensiv

Die beiden Damen haben ihren Jagdschein gemacht, das so genannte „Grüne Abitur“. Dies ist auch genau die richtige Bezeichnung dafür, was die jungen Frauen in der Zeit geleistet haben: „Es ist unheimlich viel Stoff, der den Teilnehmern vermittelt wird. Es ist nicht damit getan, einfach nur dabei zu sein. Und viel Fehlen geht auch nicht“, das machen Dirk Landsmann, stellvertretender Leiter des Hegerings Bad Berleburg und Kursleiter Wilhelm Pickhan klar. Aber die beiden Jäger können sich glücklich schätzen, den Teilnehmern ein besonderes Paket zur Jungjägerausbildung bieten zu können: „Der Kurs zum Jagdschein ist bei uns zeitintensiver als an einer Jagdschule. Aber die Teilnehmer brauchen die Zeit auch, um alles lernen zu können“, erklärt Dirk Landsmann.

Dieses Konzept schlägt sich spürbar auf die Ergebnisse nieder: „Wir haben bei unseren Kursen stets eine sehr hohe Quote erfolgreicher Prüfungen“, machen Pickhan und Landsmann deutlich. Dies liegt zum einen an der zur Verfügung stehenden Zeit, die die angehenden Jungjäger für die Ausbildung haben, zum anderen liegt das aber auch daran, dass zur Ausbildung nur sehr fachkompetente Ausbilder eingesetzt werden. „Wir haben Fachleute aus der Praxis für die Praxis. Anwalt, Revieroberjäger, Förster oder Berufsjäger – jeder der Dozenten ist fachlich hoch qualifiziert“, sind die beiden Jäger stolz.

Viel Stoff müssen diese Fachleute ihren Schützlingen vermitteln, in insgesamt 71 Unterrichtstagen, zwei Mal die Woche, haben sie das getan. Dabei ging es um Tierarten und Wildbiologie, Jagdhundewesen, Behandlung des erlegten Wildes, Grundzüge des Land- und Waldbaus, Waffentechnik oder Jagdrecht, um nur einige zu nennen.

„Man hat sehr viel gelernt. Und wenn man dachte, es können doch jetzt eigentlich keine Themen mehr kommen, dann kam doch immer noch was Neues dazu“, erzählt Katja Herling begeistert. Sie ist übrigens in einer bekannten Bad Berleburger Jägerfamilie groß geworden, so dass sich der Jagdschein fast von selbst erklärt. „Wenn man mit fünf Leuten zu den Hochsitzen geht und als einziger keine Waffe mitnehmen darf, ärgert einen das schon“, gesteht Katja Herling. Ihren ersten Rehbock hat sie mit dem Bestehen des Jagdscheines bereits erlegt – im Revier vom Vater. „Das ist etwas anderes, als auf eine Scheibe zu schießen. Da rast das Herz“, berichtet sie. „Der Rehbock ist schon in der Kühltruhe“, erzählt Katja Herling weiter.

Das Aufbrechen will gelernt sein

Denn auch das fachgerechte Zerlegen, das so genannte Zerwirken von erlegtem Wild haben die jungen Frauen in der Ausbildung gelernt. „In diesem Zusammenhang bietet das Fürstliche Haus unseren Jungjägern die Möglichkeit, bei den großen Hofjagden im Herbst das praktische Aufbrechen, das so genannte „Rote Handwerk“ zu üben“, freut sich Wilhelm Pickhan über diese Kooperation. „Das Erlegen von Wild ist nämlich der kleinste Teil der Jagd“, erklärt Reinhard Strack, der Vater der frischen Jungjägerin Anika, der selbst seit Jahren Jäger ist.

Ein eigenes Revier dürfen die beiden Jungjägerinnen übrigens noch nicht pachten, dazu fehlt ihnen noch die Praxis, die sie in den kommenden drei Jahren bei erfahrenen Jägern erlernen können. So lange nämlich gelten sie als Jungjäger. „Vom Erlangen des Jagdscheines an drei Jahre“, erklärt Wilhelm Pickhan.

Anika und Katja haben die größte Hürde zum eigenen Revier genommen. Dafür werden sie noch einen „Jägerschlag“ bekommen. „Das ist ein feierlicher Rahmen mit viel Tradition und Brauchtum. Kein Besäufnis“, klären die Jäger auf. Auch die Jagdhornbläser spielen zu ehren dieses Ereignisses auf.