In Schameder stirbt ein Stück Geschichte

In nur einer Schichtwerden rund 300 Jahre Geschichte dem Erdboden gleich gemacht: Unser Bild zeigt die Abholzungsarbeiten der Laibuche auf dem Grundstück der Familie Stöcker in Schameder.
In nur einer Schichtwerden rund 300 Jahre Geschichte dem Erdboden gleich gemacht: Unser Bild zeigt die Abholzungsarbeiten der Laibuche auf dem Grundstück der Familie Stöcker in Schameder.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Pilzbefall und Verkehrsgefährdung: Eine und 300 Jahre alte Laibuche in Erndtebrück musste abgeholzt werden.

Schameder..  „Ein Stück Geschichte unseres Dorfes ist tot.“ Helmut Stöcker ist in Schameder aufgewachsen, die alte Laibuche auf dem Grünstreifen hinter seinem Haus war ihm 58 Lebensjahre lang ein guter Freund. Doch dort, wo bis vor wenigen Wochen noch der rund 300 Jahre alte, mit sechs Metern Umfang so stattliche Baum stand, ragt nun nur noch ein radikal beschnittener Stumpf aus dem Boden.

„Ganz ausheben wollten wir den Stumpf dann doch nicht. Mit ein bisschen Fantasie können wir uns erinnern, wie groß die Buche einst war“, sagt Stöcker.

Zwei massive Äste brechen ab

Die denkmalgeschützte Laibuche, eine seltene Varietät der Rotbuche, war schlicht nicht mehr zu retten. Bereits im Jahr 2006 war erstmals ein hunderte Kilogramm schwerer Ast auf die Straße, die sich bezeichnenderweise „An der Lai“ nennt, gestürzt. Stöcker erinnert sich: „An jenem Tag hat mein Sohn geheiratet. Nicht auszudenken, jemand hätte in diesem Moment die Straße befahren.“ Unlängst ging der zweite kapitale Ast nieder - wenn auch nicht auf die anliegende Fahrbahn, sondern genau gegenüber, in den Holzzaun der Stöckers. Das endgültige Todesurteil für die Buche.

Keine Ersatzpflanzung

Zwei Fachleute im Dienste der Unteren Landschaftsbehörde Siegen-Wittgenstein rückten daraufhin aus und stellten fest: Ein Pilz hatte den Baum befallen, und das so stark, dass aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht eine sofortige Fällung unumgänglich wurde. Das bestätigte Stefanie Wagner, die stellvertretende Sprecherin des Landrates, auf Anfrage dieser Heimatzeitung.

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Helmut Stöcker blickt mit Wehmut auf das, was nach den Abholzungsarbeiten übrig blieb vom einst so stolzen Denkmal, das auch das Wappen des Heimat- und Verkehrsvereins Schameder ziert. Doch der Familienvater macht unmissverständlich klar: „Man kann schließlich einen Baum nicht vor ein Menschenleben stellen.“ Die Entscheidung der Unteren Landschaftsbehörde kann er voll und ganz nachvollziehen, denn: „Bevor der Pilz sichtbar wird, ist er bereits mindestens zehn Jahre im Baum.“ Und vor allem im Boden.

Eine Ersatzpflanzung durch den Kreis, soviel steht fest, ist daher vorerst nicht geplant. Was den Stöckers bleibt, sind die Erinnerungen daran, wie die Buche einst den Dorf-Treffpunkt markierte, als sie noch oberster Wegpunkt „An der Lai“ war. Wie Helmut Stöcker selbst und vor ihm sein Vater und sein Onkel in Kindertagen in den Ästen kletterten und spielten. Doch ganz abgeschlossen ist das Kapitel noch nicht.

Neue Laibuche in Aussicht

Denn Sohn Jörg Stöcker kann sich durchaus vorstellen, an anderer Stelle einen neuen Baum zu pflanzen. Erst kürzlich kontaktierte Dr. Frieder Kötz aus Siegen, als Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft ein ausgemachter Baumfreund, die Familie. Dr. Kötz bot an, ihr einen veredelten, einen halben Meter hohen Ableger zu überlassen - von genau jener Laibuche, die nun nicht mehr steht.