In der Not ist auf Wittis Verlass

Es war die Ungewissheit, die am Dienstag unzählige Menschen über Stunden hinweg nahezu zermürbt hat. Wo sind die beiden Mädchen, die von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden waren? Die Frage beschäftigte in Internetplattformen Tausende, die allesamt hofften, dass nichts Schlimmes passiert sei. Das Hoffen und Beten hat etwas gebracht. Die Kinder sind wohlauf und mittlerweile in der Obhut des Vaters.


Die Mutter hat mit ihrer offensichtlichen Verzweiflungstat den vorläufigen Höhepunkt eines Familiendramas geschaffen. Darüber zu urteilen, ist nicht die Aufgabe der Öffentlichkeit. Aber ich beurteile hier das Verhalten der Wittgensteiner, denen das Schicksal der beiden Kinder, den allermeisten unbekannt, nicht egal ist. Was Wittgenstein an diesem Tag der Fahndung und Suche geleistet hat, ist vorbildlich. Eine unglaubliche Hilfsbereitschaft und Solidarität hat gezeigt: Wir sind dabei, wenn es um einen von uns geht. Wenn eine Familie in Not geraten ist, wenn – wie angenommen werden musst – jemand Hilfe benötigt.


Ausgedrückt hat sich diese ehrliche Anteilnahme nicht nur in tausenden guten Wünschen auf ein „Happy End“ in verschiedenen Internetplattformen. Dort gab es auch konkrete Unterstützungsangebote bei etwaigen Suchaktionen: „Wenn ihr mich braucht, sagt Bescheid“. Es hat keine Rolle gespielt, wer aus welchem Ort große Sorgen hat, für die Wittis stand fest: Wir werden gebraucht. Nicht nur im Internet, sondern darüber hinaus am Abend, als der Ansturm freiwilliger Helfer auf dem Hof der Arfelder Feuerwehr kein Ende nehmen wollte. Wir reden nicht nur, wir handeln!


In der Vergangenheit hat sich dieses Zusammengehörigkeits-, dieses Wir-Gefühl übrigens schon häufiger gezeigt. Ich erinnere an Großbrände, nach denen Familien glaubten, vor dem Nichts zu stehen. Aber sie konnten der Hilfe von Nachbarn, Freunden und der ganzen Dorfbevölkerung gewiss sein.


In dieser Woche hat sich gezeigt, was es bedeutet, auf dem Land zu wohnen und welche immensen Vorteile das mit sich bringt. Denn anders als in der anonymen Großstadt ist in Wittgenstein jeder für jeden da. Anderen zu helfen, ist für Wittis Ehrensache. Dieses sich aufeinander verlassen können ist ein, manchmal vielleicht unterschätztes, hohes Gut, auf das wir stolz sein können.

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