„In den Autos ist Hightech pur eingebaut“

TÜV-Nord-Stationsleiter Bernhard Werner Stötzel stellt in Bad Berleburg den neuen HU-Adapter vor. Mit der neuen Prüftechnik wird der wachsenden Bedeutung der Elektronik in Autos Rechnung getragen.
TÜV-Nord-Stationsleiter Bernhard Werner Stötzel stellt in Bad Berleburg den neuen HU-Adapter vor. Mit der neuen Prüftechnik wird der wachsenden Bedeutung der Elektronik in Autos Rechnung getragen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein neuer HU-Adapter erleichtert die Untersuchung der elektronischen Systeme im Auto. Wie, das erläutert im Interview Bernhard Werner Stötzel vom TÜV.

Erndtebrück..  Airbag, Kurvenlichter und Spurwarnassistenten: Immer mehr elektronische Hilfen sollen die Sicherheit der Autofahrer erhöhen. Der technische Fortschritt stellt auch den TÜV Nord vor neue Herausforderungen. Das Unternehmen hat reagiert und eine „neue technologische Ära“ eingeläutet.

Seit dem 1. Juli wird mit dem HU-Adapter ein neues Prüfgerät bei Hauptuntersuchungen eingesetzt. Werner Stötzel, seit 30 Jahren beim TÜV Nord beschäftigt und seit 25 Jahren Leiter der Stationen in Bad Berleburg und Erndtebrück, erläutert im Interview Vorteile und Funktion der Neuerung und erklärt, warum der Autofahrer davon kaum etwas spüren wird.

Herr Stötzel, die Entwicklung der Fahrzeugelektronik schreitet rasant voran. Wie hat sich Ihr Job dadurch verändert?

Werner Stötzel: Es stimmt, dass die Elektronik überall Einzug gehalten hat. In den Autos ist mittlerweile Hightech pur eingebaut. Früher musste man etwa per Hand die Lenkung ganz nach rechts oder links drehen, um das Kurvenlicht zu prüfen. Jetzt sendet der HU-Adapter die Daten automatisch.

In Bad Berleburg und Erndtebrück wird das neue Prüfgerät seit dem 1. Juli eingesetzt. Wie funktioniert es genau?

Stötzel: Der HU-Adapter wird an die On-Board-Diagnoseschnittstelle im Auto angeschlossen und überträgt anschließend die Daten per Bluetooth auf ein Tablet. Die Informationen gelangen so automatisch in den Prüfbericht. Der Adapter kann also direkt mit den Steuergeräten des Fahrzeugs kommunizieren. Die individuellen Systemdaten der Fahrzeuge aller Hersteller sind hinterlegt und werden mit den gemessenen Werten abgeglichen.

Fast zwei Wochen arbeiten Sie nun mit dem HU-Adapter. Wie sind die ersten Erfahrungen?

Stötzel: Sie sind positiv, weil alles unproblematisch läuft. Für uns Prüfer bedeutet die Einführung eine Erleichterung. Wir können die Prüfung der gesamten Elektronik und der Bremswirkung besser und präziser abbilden. Die Dokumentation der Ergebnisse wird gut unterstützt. Der Zeitaufwand ist nur geringfügig größer als vor der Einführung.

Bei welchen Fahrzeugen nutzen Sie den HU-Adapter?

Stötzel: Das Prüfgerät wird bei der Hauptuntersuchung von Fahrzeugen eingesetzt, die nach dem 1. Juli 2012 erstmals zugelassen wurden. Für viele Fahrzeuge sind allerdings bereits seit 2006 Daten hinterlegt, so dass wir diese ebenfalls mit Hilfe des Adapters prüfen können.

Was spürt der Autofahrer von der neuen Prüftechnik, wenn er sein Fahrzeug bei Ihnen zur Hauptuntersuchung abliefert?

Stötzel: So gut wie gar nichts. Die Kosten für die Hauptuntersuchung sind nicht gestiegen, und auch die zwei, drei Minuten, die die HU nun länger dauert, bekommt der Kunde nicht wirklich mit.

Das neue Gerät ist also eher eine Revolution für die Prüfer?

Stötzel: Der HU-Adapter ist eine technologische Antwort auf die zunehmende Verbreitung hochkomplexer und automatisierter Fahrzeugsysteme. Klar ist aber auch: Er ersetzt nicht unsere umfassende Prüfleistung, sondern ist ein hilfreiches Mittel, um diese noch gründlicher zu gestalten und die Sicherheit der Fahrzeughalter und aller Insassen auch in Zukunft optimal zu gewährleisten.