In Abwesenheit vorverurteilt

Bericht „Wolf ist nicht wirklich willkommen“ vom 18. Februar. Der „Wolf ist nicht wirklich willkommen“, wieso überrascht mich dies eigentlich nicht? Die Argumente der Ablehnung einer Rückkehr der Wölfe in unsere Wälder sind eigentlich immer ähnlich, es sind meist lustige semantische Konstruktionen, die da bemüht werden.

Da machen die drei Herren, die im angegebenen Artikel ihre Abneigung gegen Wölfe ausleben keine Ausnahme, zumal sie offensichtlich nicht im diplomatischen Dienst groß geworden sind und ihr Herz eher auf der Zunge tragen.


Der noch nicht einmal anwesende Wolf wird vorsorglich aber schon einmal vorverurteilt, ganz ähnlich übrigens der Argumentation zu den sonstigen hier lebenden menschlichen Asylsuchenden vor einiger Zeit.


Ich will den alten Märchenklischees gar nicht die Ehre erweisen, aber anscheinend wird der Wolf in der Jäger- und Bauernschaft immer noch als Konkurrent empfunden, was für deren Vorfahren während der Nahrungsknappheit zum Beispiel im 30-jährigen Krieg vielleicht sogar bei gleichem Beuteschema von Wolf und Mensch einmal real zu begründen war, in der Moderne aber eher als Ungleichzeitigkeit zu thematisieren wäre. In letzter Zeit ist mir aber in Wittgensteiner Supermärkten, Gemüse- und Bioläden kein Wolf begegnet und ich konnte fast immer kaufen, worauf ich gerade Appetit hatte.


Auch die festgestellte „völlige Euphorie“ der mir bekannten Wolf-Fans ist nicht annähernd so groß

wie die der Jäger beim Betrachten der Strecke nach einer Treibjagd.

Zum „Vorwurf des Kofferraumwolfs“ bleibt eigentlich nur zu fragen, ob die aber mal so richtig euphorisch gefeierten erst im Gehege lebenden und nach Kostenprüfung „herrenlos gewordenen“ Wisente alle fußläufig nach Wittgenstein gefunden haben.


Und sollte die zu erhoffende Anwesenheit von Wölfen in den Wäldern unserer Gegend in Zukunft dazu führen, dass der eine oder andere Sonntagsjäger mit SUV aus lauter Angst nicht mehr am Wochenende aus dem Rheinland oder dem erweitert gedachten Ruhrgebiet über die A 4 oder A 45 in unsere Wälder bis direkt unter einen der vielen Hochsitze fährt und mit seiner teuren Flinte Wildtiere bestenfalls verfehlt, würde ich dies nicht ungern als Folge in Kauf nehmen. Aber noch ist ja keiner hier! Kein Wolf!


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