Im Hatzfelder Pfarrhaus brennt wieder Licht

Hatzfeld..  „Solch eine Aussicht habe ich noch nie von einer Wohnung gehabt“: Dieter Olaf Muntanjohl genießt den Blick vom Pfarrhaus ins Edertal, auf die Dächer Hatzfelds. Vor einer Woche sind er und Ehefrau Despina eingezogen – und haben in dieser Zeit schon einige angenehme Seiten der Stadt kennengelernt.

Das Haus ist eingeräumt, der erste Umzugsstress vorbei: Dieter Olaf Muntanjohl, neuer Pfarrer in Hatzfeld und Holzhausen, und seine Frau haben Zeit zum Durchatmen. In den vergangenen Tagen hat das Ehepaar schon die Vorzüge des Städtchens kennengelernt: „Es ist alles vor Ort, ich war schon beim Heizungsbauer, beim Elektriker, auf der Bank und in der Apotheke“, berichtet der 58-Jährige.

Einige Male ist er schon angesprochen worden. Die Menschen kennen ihn, einige haben den Pfarrer beim Bewerbungsgottesdienst gesehen. Die Mitglieder des Kirchenvorstands haben das Ehepaar beim Umzug unterstützt. Es lebt allein im Pfarrhaus, die Kinder leben „verstreut in ganz Deutschland“: Dieter Olaf Muntanjohl hat drei Kinder aus erster Ehe, seine Frau vier.

Ankommen und Auspacken

„Wir sind sehr freundlich empfangen und ganz offen aufgenommen worden und haben schon viele Gespräche gehabt“, sagt der neue Pfarrer. „Ich habe den Eindruck gehabt, dass die Menschen sich freuen“, ergänzt er und erinnert sich besonders an eine Aussage: „Schön, dass wieder Licht brennt im Pfarrhaus.“ Es sei offensichtlich, dass den Hatzfeldern in den vergangenen Monaten etwas gefehlt habe.

Am Sonntag wird der Nachfolger von Gudrun Ungerer in sein Amt eingeführt. In der folgenden Zeit will er sich noch weiter in seinen beiden Gemeinden umschauen. Die Kirchen in Holzhausen und Lindenhof kennt er noch nicht, auch die Emmaus-Kapelle am Friedhof hat er bisher nur von außen gesehen. „Es war bislang nur ein Ankommen und Auspacken.“

Eine andere Aufgabe neben der Gemeindearbeit ist der Religionsunterricht in der Battenberger Gesamtschule. Zwei Stunden pro Woche hält er – kein Problem für den Theologen, denn seit 1999 war er Religionslehrer. Im Unterricht möchte er nicht nur Glaubensfragen behandeln. „Ich führe gerne Gespräche über Sinn- und Lebensfragen, das kann man mit Jugendlichen gut einbringen.“

Doch gerade weil nun die Schule nicht mehr die Hauptrolle im Berufsleben einnimmt, reizt Muntanjohl die Arbeit in der Gemeinde zum Abschluss seines Berufslebens. „Damit schließt sich ein Kreis.“ Als junger Gemeindepfarrer hat er sein Berufsleben vor 34 Jahren begonnen, ganz in der Nähe, in Bottenhorn im Hinterland. Nach unterschiedlichen Stationen, zuletzt in Limburg, will er die letzten sieben Arbeitsjahre in Hatzfeld verbringen.

Die ganze Bandbreite der Gemeindearbeit will er nun noch mal genießen. Welche Ideen er einbringt, weiß er noch nicht – das sei von der Gemeinde und den Menschen abhängig. In früheren Gemeinden hat er musikalische Gottesdienste gefeiert oder regelmäßige Gottesdienste am Samstagabend eingeführt. Im Dekanat Runkel war er an theologischen Kamingesprächen beteiligt. „Ich bin da ganz offen, auch für andere Formen von Gottesdiensten.“ Er hat schon festgestellt, dass in Hatzfeld viele Menschen bereit sind, sich in der Kirche zu engagieren. „Ich bin gespannt, was daraus wächst.“ Positiv sieht er das Zusammenwirken von Kirchengemeinde und Glaubensgemeinschaften bei der Kinder- und Jugendarbeit.

Literatur und Natur

Der Pfarrer spielt Gitarre und ist interessiert an Literatur über Philosophie, Theologie, liest aber auch Romane. „Und ich gehe gerne raus“, erzählt er – auch wenn er das bislang in Hatzfeld noch nicht ausgiebig genießen konnte.