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Im Garten wächst ein Stalagmit aus Eis

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Wittgenstein. Von den Tropfsteinhöhlen des Sauerlandes kennt man ja die Zapfen und Säulen, die sich im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden gebildet haben und jetzt von den Besuchern bestaunt werden.

Doch wie kommt so eine Eis-Säule, ein Eis-Stalagmit in die Vogeltränke? Auch die Umfrage im (physikalisch durchaus bewanderten) Bekanntenkreis brachte zunächst keine Erklärung. Und die Suche im Internet verlief anfangs auch erfolglos und erbrachte zumindest so viel, dass Eis-Stalagmiten in kleineren Wasserlachen oder Behältern in dieser Größe – der größte Zapfen hatte immerhin eine Länge von 24 Zentimetern – höchst selten und durchaus ungewöhnlich sind.

Wasser dehnt sich unterm Eis aus

Entstehen können solche seltenen Gebilde nur, wenn ganz gewisse Faktoren von Flüssigkeit, Temperatur und Zeit zusammentreffen. Hier eine – unwissenschaftliche – Erklärung: Bei sinkender Temperatur bildet sich eine dünne Eisschicht, das Wasser darunter ist aber noch flüssig. Bei fortschreitender Abkühlung dehnt sich das Wasser unter der Eisfläche wieder aus und übt von unten her Druck auf das Eis an der Oberfläche aus. An einer Stelle kommt es zu einem Riss oder Loch, aus dem etwas Wasser quillt – das von außen her sofort gefriert.

Da aber wegen der Ausdehnung des Wassers unter dem Eis ständig Wasser nachdrückt, quillt ständig neues Wasser aus der Entlastungsöffnung. Es bildet sich eine Art „hohler Kanal“. Außen Eis, innen nachdrängendes Wasser, das nach dem Austreten an der Spitze sofort gefriert und den Kanal aus Eis verlängert. Das Wachstum zu einer solchen Länge erfordert, dass die Abkühlung relativ langsam verläuft. Ginge es zu schnell, würde das Wasserreservoir zu schnell fest und der Eisbildungsvorgang würde gestoppt.

Ähnliche Eisbildungen sind von wassergesättigten Böden bekannt, die nachts von oben her gefrieren — also nur im späten Herbst oder schneefreien, doch kalten Frühjahr zu beobachten sind. Auch dort bilden sich manchmal recht zahlreiche aufrechte, senkrechte, oder leicht gekrümmte Eisnadeln, die vom nach oben austretenden Wasser im Boden gespeist werden. Diese Eisnadeln sind in der Regel aber nur drei bis vier Zentimeter lang. Bei starkem Wind brechen diese Kunstwerke ab, bei zunehmender Erwärmung biegen sie sich zur Seite und tauen ab.

Wolfram Martin

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Im Garten wächst ein Stalagmit aus Eis
Im Garten wächst ein Stalagmit aus Eis
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2015-01-21 00:10
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