„Ich habe jeden gerüttelt und den Puls gefühlt. Alle waren tot“

Der Zeitzeuge Joachim Schepper schildert uns ein drittes einschneidendes Kriegserlebnis aus seiner Jugend, die der damals 14-jährige in Arfeld verbrachte. Es war der 4. April 1945, an dem fünf amerikanische Sanitäter in ihrem Rot-Kreuz-Jeep unterwegs waren und durch „friendly fire“, also den Beschuss eigener Kameraden, ums Leben kamen.

Im Sturzflug auf Jeep gefeuert

„Ich ging gegen Mittag von Arfeld nach Hause zum Hainbach. Als ich am Stötzel war, an der Stelle, wo man das Haus vom Hainbach schon sehen kann, hörte ich, dass hinter mir aus Richtung Schwarzenau ein Flugzeug zum Sturzflug ansetzte. Ich konnte das Flugzeug aber zuerst nicht sehen“, berichtet Schepper über diesen dramatischen Moment. „Es spielte sich alles in Sekunden ab. Erst als die Maschine eine gewisse Tiefe erreicht hatte und aus allen Rohren mit ihren Bordkanonen feuerte, sah ich das einmotorige Flugzeug. Es war ein Jagdflugzeug. Als der Pilot wieder hoch zog, sahen wir uns beide an. Das Flugzeug war etwa 40 bis 60 Meter von mir entfernt, fast auf gleicher Höhe. Es war ein dunkelgrünes Flugzeug mit einem weißen Stern auf dem Rumpf. Der Pilot hatte eine Lederkappe auf und es war ein junges Gesicht.“ Joachim Schepper erinnert sich noch sehr gut daran.

„Ich stand wie versteinert. Es war ja alles sehr schnell geschehen.“ Verängstigt suchte Schepper Schutz vor dem Tiefflieger und kroch rückwärts in ein Wasserrohr, dass an dieser Stelle unter der Straße durchführt und wartete. Als das Flugzeug nach einer Viertelstunde nicht zurück kam, kroch der damals 14-Jährige Junge wieder aus seinem Versteck heraus und schaut sich um. „Ich sah Qualm, konnte von meiner Position aber nicht die Ursache erkennen.“

Also lief Joachim Schepper den Hang bis zur Straße hinunter. „Dann sah ich, dass unterhalb der Straße ein großer brennender Jeep mit den Rädern nach oben lag. Vier amerikanische Soldaten lagen vier, fünf Meter vom Jeep entfernt regungslos in der Wiese. Der Fahrer war noch im brennenden Jeep. Ich habe jeden einzelnen gerüttelt und den Puls gefühlt. Alle fünf Soldaten waren tot. Ich versuchte den Fahrer aus dem Wagen zu ziehen, schaffte es aber nicht. Er verbrannte.“

Das Rote Kreuz war unübersehbar

Schockiert hat den damals jungen Burschen aber nicht nur, dass die Fünf Soldaten durch ein eigenes Flugzeug starben, sondern auch, dass ein Sanitätsfahrzeug beschossen worden war. Die Rot-Kreuz-Fahne sei abgebrochen gewesen und habe in einer Böschung gelegen, berichtet er.

Auf der Kühlerhaube sei ein großes Emblem aufgemalt gewesen und alle fünf Solda-
ten hätten weiße Rot-Kreuz-Binden an den Armen getragen. Dann bemerkte Joachim Schepper einen Lastwagen mit Funkantenne, der aus Richtung Richstein nach Arfeld fuhr. Schepper krabbelte die Böschung hoch und hielt den Lastwagen an. Es war ein amerikanisches Militärfahrzeug. „Zwei Soldaten stiegen aus und ich erklärte ihnen mehr schlecht als recht, dass ein Flugzeug der Verursacher war. Sie sagten, ich solle nach Hause gehen.“

Als Schepper nach vier Stunden noch einmal an der Unglücksstelle nachschaute, „war alles weggeräumt.“ Nur die Einschussspuren der Bordkanone waren noch deutlich in der Wiese zu erkennen, schreibt er.