Hunderte "eroberten" das Schloss
29.08.2008 | 21:06 Uhr 2008-08-29T21:06:09+0200Bad Berleburg. Die Jubiläumsfestwoche hat begonnen. An dem Ort, wo vor 750 Jahren die Geschichte der Civitas Berneborg begann, wurden am Freitagabend die Festlichkeiten zum Stadtjubiläum von Bad Berleburg feierlich eröffnet.
Rund 800 Zuschauer hatten sich im Schlosshof versammelt, um diesen besonderen Moment mitzuerleben, auf den sich die Stadt seit drei Jahren intensiv vorbereitet hat. In dieser Zeit wuchs auch die Vorfreude auf ein großes Fest für die Stadt, ihre Bürgerschaft und - hoffentlich - zahlreiche auswärtige Gäste.
"Die Stadt in einen fröhlichen Ausnahmezustand zu versetzen", hat sich der Gemeinschaftsverein zum Ziel gesetzt. Und dessen Vorsitzender, Ulf Pöppel, betrat als erster die Bühne auf dem Schlosshof, um die Gäste beim Eröffnungsfestakt zu begrüßen. Pöppel erinnerte an die Planungen der Jubiläumsfeierlichkeiten, die seit 2005 immer konkreter wurden: 200 Vorschläge für das Fest seien eingegangen. "Wir konnten nicht jeden Wunsch verwirklichen. Dem standen organisatorische, zeitliche und nicht zuletzt auch finanzielle Probleme im Weg", gestand Pöppel. Aber "wir hoffen, dass wir mit dem Programm möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger ansprechen können", so der Vorsitzende, der alle aufforderte, den Verein durch die Jubiläusmwoche zu begleiten. Anschließend nutzte er die Gelegenheit, sich bei den Sponsoren zu bedanken und nicht zuletzt auch bei der Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die den Schlosshof als einen zentralen Ort der Jubiläumsfeierlichkeiten zur Verfügung stelle.
Diese Worte griff der Hausherr, Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, auf. Er erinnerte daran, dass seine Familie seit 750 Jahren auf dem Schlossberg lebe. Auch wenn zahlreiche Versuche unternommen worden seien, sie zu vertreiben. Zuletzt seien es in den Revolutionswirren nach dem Ersten Weltkrieg die Arbeiter- und Soldatenräte aus Siegen und danach der Landwirtschaftsminister der jungen Bundesrepublik, Heinrich Lübke, gewesen. Aber keinem sei es gelungen, die Sayn-Wittgensteins zu vertreiben. In all den Jahren habe seine Familie immer ein gutes Verhältnis zur Stadt gehabt, egal welche Farbe ihr Parlament gehabt habe. Und er freue sich, so Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein, dass zum Jubiläum so viele Gäste auf den Schlosshof gekommen seien. Ganz besonders hieß er auch im Namen seiner dänischen Frau, Prinzessin Benedikte, die Freunde aus der dänischen Partnerstadt Fredensborg willkommen. Der Stadt gab Prinz Richard launig mit auf den Weg, besser alle zehn Jahre Jubiläum zu feiern: "Wir feiern doch alle so gern."
Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte: "Wir schreiben das Jahr 1258 und stehen auf dem Berg hoch über der Odeborn. Ein Gutshaus, Ställe und ein paar einfache Hütten finden wir vor. Im Gutshaus herrscht Emsigkeit, es duftet nach Spanferkel und Sauerkraut. Erzbischof Conrad von Köln wird erwartet. In seiner Anwesenheit soll die Urkunde unterschrieben werden, die Berleburg in den Besitz von Graf Siegfried von Wittgenstein und Abt Adolf von Kloster Grafschaft bringt."
Von diesem Bild der Geburtsstunde der Stadt, richtete Fuhrmann den Blick auf auf die Krisen, die Brände, Pest und Kriege, die die Stadt überdauert hat, und auf die zukunftweisenden Entscheidungen, die Bad Berleburg zu dem machen, was es heute ist: Eine Stadt mit international bekannten mittelständischen Industriebetrieben, "deren Markenprodukte weltweit Furore machen", einem Gesundheits- und Dienstleistungsstandort mit starkem Tourismus und Handel.
"Das ist unsere Stadt.
Wir dürfen darauf getrost ein wenig stolz sein" (Bürgermeister Fuhrmann)
"Das ist unsere Stadt, das ist unsere Region, meine Damen und Herren, und ich finde, manchmal sind wir vielleicht wirklich zu bescheiden, denn im kommunalen Vergleich kann sich die Entwicklung Bad Berleburgs durchaus sehen lassen, und wir dürfen darauf getrost ein wenig stolz sein", so Fuhrmann.
Den Reigen der Festreden beschloss der Jubiläumsschirmherr, Regierungspräsident Helmut Diegel. Er nutzt seine Festrede zum 750-jährigen Bestehen der Stadt zu einem Blick in die Zukunft. Gerade in Zeiten in denen Bad Berleburg wie viele andere Kommunen unter den Problemen des demographischen Wandels, aber auch den finanziellen Sorgen des Nothaushaltes zu leiden habe, müsse sich die Stadt auch auf ihre Qualiäten besinnen von denen sie zahlreiche habe.
Diegel lobte auch die engagierte Bürgerschaft der Jubiläumsstadt. Hob aber auch hervor, dass sie in politisch schwierigen Zeiten auch in der Verantwirtung stehe, die Potenziale ihrer Stadt zu nutzen. "Es lohnt sich, den Blick nach vorne zu richten", rief Diegel den Bürgern und Gästen des Eröffnungsfestaktes zu.
Begonnen hatte der 1. Akt dieser Jubiläumsfestwoche bereits eine Stunde vor dem Festakt mit einer Andacht an historischer Stelle. Auf dem heutigen Goetheplatz stand einst die Berleburger Stadtkirche und so wurde hier auch der ökumenischen Gottesdienst zum Beginn der Festlichkeiten gefeiert. Anschließend ging es auf den Schlosshof, wo neben den obligatorischen Festreden auch die Musik den Abend bestimmte. Die Philharmonie Südwestfalen begleitet das Publikum mit der Ouvertüre zur Oper "Der Freischütz", dem "Concertino" von Ferdinand David, der Symphonie Nr. 39 von Wolfgang Amadeus Mozart und - zum großen Finale - mit Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik", zu der ein eindrucksvolles Lichterspektakel am Abendhimmel zu sehen war.
0mitdiskutieren