Das aktuelle Wetter Bad Berleburg 12°C
Prozess

Hoffnung auf Bewährung geplatzt: 14 Monate ins Gefängnis

20.01.2015 | 22:00 Uhr
Hoffnung auf Bewährung geplatzt: 14 Monate ins Gefängnis
Foto: Ulrich von Born

Bad Berleburg/Erndtebrück.   Ein junger, in Wittgenstein ansässiger Angeklagter schlägt alle Ermahnungen in den Wind und wird immer wieder straffällig.

Im Alter von 13 Jahren ist er allein mit einem Schiff aus Marokko nach Italien geflüchtet, hat sich seitdem eher schlecht als recht durchgeschlagen und kam in 2004 erstmals mit dem Gesetz in Konflikt. Seitdem ziehen sich Straftaten durch das Leben des heute 26-Jährigen. Er teilt sich mit drei anderen Asylbewerbern ein Zimmer in einer kleinen Wittgen­steiner Unterkunft. Doch von dort wird er wohl bald wieder umziehen – ins Gefängnis.

Strafrichter Torsten Hoffmann hat den abgelehnten Asylbewerber und in Deutschland geduldeten Mann am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Vor dem Hintergrund einschlägiger Vorstrafen und aktuell für den Verstoß gegen Auflagen der Führungsaufsicht sowie für dreimaliges Schwarzfahren mit der Bahn war für den nach eigenen Angaben Drogenabhängigen keine Bewährung drin.

Für Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel war nach der Beweisaufnahme klar, dass der Angeklagte „seine Abhängigkeitsprobleme nicht anpackt und alle angebotenen Hilfen ignoriert. Der Mann ist eindeutig belehrungs- und beratungsresistent.“ Die Einschätzung bestätigt Bewährungshelfer Reinhold Vater: „Fast alle Termine mit mir hat er platzen lassen, es gab nur sporadische Kontakte.“

Verteidiger Dr. Mario Geuenich, versuchte die Persönlichkeit seines Mandanten näher zu beleuchten und erhoffte sich dadurch, eventuell Verständnis für das Verhalten des Marokkaners zu wecken. Der fühle sich nämlich in Erndtebrück keineswegs wohl, sei einsam, depressiv und „im Grunde noch ein unerfahrener Heranwachsender. Er tut sich schwer mit der Integration.“ Der Angeklagte selbst versuchte seine rasante Rückfälligkeit in Straftaten zu erklären: „Seit 14 Jahren bin ich auf mich allein gestellt und bin ohne Autorität der Eltern aufgewachsen. Ich will mich verändern, aber in der Haft habe ich keine Perspektive“, versuchte der 26-jährige die Vollstreckung der Strafe zu verhindern.

Vaterschaft als neue Chance?

Ohne Erfolg. Richter Hoffmann führte in seiner Urteilsbegründung nicht nur bereits abgesessene Haftstrafen des Mannes an. Insbesondere erinnerte er daran, dass der Angeklagte die angebotene Hilfe der Führungsaufsicht in den Wind geschlagen habe, trotz eindringlicher Mahnung durch die Bewährungshilfe. Das Verhalten sei auch aufgrund der nicht einfachen Situation des Mannes, der nicht arbeiten darf und der „Drang zum Leben“ habe, nicht entschuldbar. Hoffmann: „Ich bin überzeugt, dass diese Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Es bleibt hier nur die Vollstreckung.“

Ob der Marokkaner die Kurve kriegt? Er muss zwar täglich mit seiner Abschiebung rechnen, doch inzwischen erwartet seine Freundin aus Wuppertal ein Kind von ihm. Verteidiger Dr. Geuenich sieht darin „die Chance für ein Aufenthaltsrecht durch die Vaterschaft.“ Voraussetzung für ein „normales Leben“ sei jedoch zunächst eine Entgiftung und eine ambulante Drogentherapie.

Christoph Vetter

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
DM im Bodybuilding in Siegen
Bildgalerie
Kraftsport
Neue App WP TOP 10
Bildgalerie
Smartphone
Motorsägen und fliegende Äxte
Bildgalerie
Holzmarkt 2016
article
10257243
Hoffnung auf Bewährung geplatzt: 14 Monate ins Gefängnis
Hoffnung auf Bewährung geplatzt: 14 Monate ins Gefängnis
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-bad-berleburg-bad-laasphe-und-erndtebrueck/hoffnung-auf-bewaehrung-geplatzt-14-monate-ins-gefaengnis-id10257243.html
2015-01-20 22:00
Nachrichten aus Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück