Hoffen auf zentrale Sammelstelle

Leere Farbeimer – wohin damit? Mobile Schadstoff-Sammlungen gibt’s überall im Kreisgebiet – auch in den drei Wittgensteiner Kommunen.
Leere Farbeimer – wohin damit? Mobile Schadstoff-Sammlungen gibt’s überall im Kreisgebiet – auch in den drei Wittgensteiner Kommunen.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Was wir bereits wissen
Schadstoffabfälle werden in Wittgenstein bislang mobil eingesammelt. Handwerker und Unternehmen hoffen auf eine zentrale Anlaufstelle.

Wittgenstein..  Braucht Wittgenstein eine zen­trale Sammelstelle für schadstoffhaltige Abfälle? Viele Betriebe aus der Baubranche und dem Handwerk, aber auch Händler würden das begrüßen – denn: Die Entsorgung größerer Mengen in Eigeninitiative gestaltet sich offenbar problematisch. In Erndtebrück zum Beispiel sind gewerbliche schadstoffhaltige Abfälle von der Entsorgung über die Gemeinde ausdrücklich ausgeschlossen. Und Privathaushalte wären bei zentraler Sammlung nicht mehr allein auf Schadstoff-Mobile angewiesen, die in Bad Berleburg und Erndtebrück zweimal im Jahr, in Bad Laasphe einmal pro Quartal an bestimmten Standorten Station machen.

Lagerplatz zuhause

Für zentrale Sammelstellen plädiert auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH). „Es kann nicht sein, dass Bürger ihre Schadstoffe teilweise bis zu einem halben Jahr zu Hause lagern müssen, weil keine Sammelstellen zur Verfügung stehen“, sagt die DUH-Projektmanagerin für Kreislaufwirtschaft, Hanna Grießbaum. Sie fordert den Zugang zu mindestens einer stationären Sammelstelle für alle Einwohner einer Stadt oder Gemeinde. Zugleich kündigt die DUH weitere Testbesuche und regelmäßige Kontrollen bei kommunalen Sammelstellen in ganz NRW an. Der Kreis Olpe hat dabei übrigens schlechte Noten bekommen. Erste Ergebnisse des Kommunen-Checks im Internet: www.duh.de/sammelstellen.html

Rückgabe beim Handel

Wenn es eine zentrale Sammelstelle gäbe oder zumindest „die Regeln beim Schadstoff-Mobil auf den Handel ausgedehnt würde, wäre das gut für uns“, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung Sebastian Finger, bei Rompel Baustoffe in Bad Berleburg Leiter des Fachmarktes. Bei Farben und Lacken zum Beispiel arbeite man mit dem Lieferanten zusammen, um über dessen Entsorger weiterzukommen. Generell sei es für die Markt-Kunden möglich, Sonderabfälle im Zusammenhang mit hier gekaufter Ware auch vor Ort zurückzugeben – wie zum Beispiel Altbatterien oder Halogenleuchten.

Angebot ausweiten

Der Entsorgungsbetrieb Dirks im Industriegebiet Jägersgrund, Schameder, kümmert sich zumindest um einen Teil der Schadstoff-Rücknahme – nämlich im Bereich Elektro- und Elektronik-Schrott. Darunter fallen etwa Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren. Kann sich Geschäftsführer Sascha Dirks vorstellen, noch weitere Schadstoffe zentral zu sammeln? Altöle, Lacke, Farben? „Das ist natürlich mit Auflagen verbunden“, sagt Dirks. Und so eine Sammelstelle „muss sich für uns auch rechnen“. Sicher: Derzeit bemühe sich das Unternehmen um eine neue Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) – doch dabei gehe es erst einmal um den Bestand, betont Dirks. Eine Sammelstelle für Schadstoffe bedürfe einer zusätzlichen Genehmigung.

Denkbare Lösung

Aus Sicht von Thomas Müsse, Beigeordneter und Kämmerer im Erndtebrücker Rathaus, wäre so eine interkommunale Sammelstelle „durchaus denkbar“ – etwa in Kooperation mit einem privaten Entsorger. In Bad Laasphe gab es eine solche Sammelstelle schon einmal. Allerdings „müssen Sie dafür viele Voraussetzungen erfüllen“, weiß Werner Dieckhoff vom Fachbereich Bauen und Wohnen im Rathaus aus Erfahrung – für die sichere Lagerung des Sondermülls, durch speziell geschultes Personal sowie bei der fachgerechten Entsorgung. Und das sei mit einem enormen Aufwand und hohen Kosten verbunden.

Diesen Aufwand sieht auch Regina Linde, Sprecherin der Stadt Bad Berleburg. Das Schadstoff-Mobil mit Stationen auch auf den Dörfern dagegen habe sich als „kundenorientierte Serviceleistung“ bewährt.

In allen drei Wittgensteiner Kommunen ist die Schadstoff-Entsorgung für Privathaushalte übrigens mit keiner Extra-Gebühr verbunden. „Wir rechnen das in die Restmüll-Gebühr mit ein“, erläutert für Bad Laasphe Werner Dieckhoff. Auch in Erndtebrück sind die Kosten „durch die Abfallgebühr gedeckt“, sagt Kevin Asbeck vom Fachbereich Bauen und Gemeinde-Entwicklung im Rathaus.

Allein in Erndtebrück kommen am Schadstoff-Mobil rund vier bis fünf Tonnen pro Sammlung zusammen, berichtet Asbeck – „meist Farben, Klebstoffe und Kunstharze“. Dabei schwanken die Gesamtmengen pro Jahr: Rund 4500 Kilo waren es beispielsweise 2012, etwa 10 200 Kilo 2014.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Schadstoff-Abfällen gemacht? Klappt die Entsorgung? Oder sind die Regeln viel zu kompliziert? Wäre eine zentrale Sammelstelle sinnvoll? Schildern Sie uns Ihre Erlebnisse, Ihre Sicht der Dinge – entweder per E-Mail direkt an berleburg@westfalenpost.de oder unter 0 27 51/92 44-22.