HKK in Bad Berleburg wird geschlossen
10.03.2011 | 10:08 Uhr 2011-03-10T10:08:00+0100
Bad Berleburg.Zum Jahresende soll die Herz Kreislauf Klinik (HKK) in Bad Berleburg geschlossen werden. Mit dieser Hiobsbotschaft hat die Helios-Geschäftsführung Mittwochmittag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schockiert.
Durch die Schließung sind 138 Arbeitsplätze unmittelbar betroffen, sieben weitere Mitarbeiter aus dem Küchenbereich der Rothaarklinik kommen hinzu.
Nach der Kliniken-Schließung in Bad Laasphe hat Helios am Mittwoch für einen weiteren Paukenschlag gesorgt. Völlig überraschend ist mit einem „Kompakt-Newsletter“ den 138 Mitarbeitern der Herz Kreislauf Klinik angekündigt worden, dass sie ab 31. Dezember 2011 wohl keinen Arbeitsplatz mehr haben werden.
Dieser Schock sitzt tief - weit über die gesamte Helios-Belegschaft und Bad Berleburg hinaus.
Versprochen wurde von den Managern am Mittwoch, dass das Unternehmen bei den weiteren Verhandlungen „transparent und offen kommunizieren“ wolle. Gleichzeitig wurde mehrmals betont: Das war’s.
War’s das wirklich? Doch wohl nicht! Denn hier muss daran erinnert werden, dass der Helios-Konzern regionale Verantwortung trägt - für mehr als 140 Menschen und deren Familien. Dieser Fall ist anders gestrickt als die nicht vermeidbare Insolvenz der Kliniken in Bad Laasphe, denn der amerikanische Mutterkonzern Fresenius verdient Milliarden.
Helios läuft mit den Planungen offensichtlich Gefahr, qualitativ hochwertige und überregional beachtete Medizin und damit das Image am Standort Bad Berleburg zu verlieren. Darüber besteht dringender Gesprächsbedarf mit den Entscheidungsträgern, denn der durch die Schließung drohende Imageverlust ist nicht in Euros zu bezahlen.
Christoph Vetter
Während Helios-Konzerngeschäftsführer Jörg Reschke am Mittwochnachmittag vor der Presse eine wirtschaftliche Perspektivlosigkeit für den weiteren Betrieb der Klinik nannte, übte Betriebsratsvorsitzender Dr. Ernst-Rudolf Meister im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe harte Kritik an den Planungen: „Das kam völlig ohne Vorwarnung; wir waren in keinster Weise in die Überlegungen einbezogen, obwohl wir seit über einem Jahr permanent Verbesserungsvorschläge für den Betrieb des Hauses eingebracht haben.“ Dr. Meister hält diesen Schritt für „nicht notwendig“, sondern sieht „in der Zusammenziehung von Rothaar- und Herz Kreislauf Klinik“ die bessere Lösung. Spontan trafen sich Mittwochabend fast 200 Helios-Mitarbeiter und Berleburger zu einer Demonstration mit „Leichentüchern“.
Ob es etwas nützt? Wohl nicht, denn die Aussagen des Regional-Geschäftsführers Sascha John sind deutlich: „Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative für die Schließung. Die Verluste können und wollen wir nicht mehr tragen.“ Johns Angaben zufolge hat Helios in den vergangenen fünf Jahren mit der Herz Kreislauf Klinik ein Defizit von acht Millionen Euro eingefahren. „Das können wir als Wirtschaftsunternehmen nicht fortsetzen“, ergänzte Jörg Reschke.
„Schlecht erreichbar“
Hauptgrund für die Schließung sei der Trend im Reha-Bereich, immer mehr kardiologische Patienten nur für eine ambulante Reha zuzulassen. Doch dafür liege die Herz Kreislauf Klinik nicht nah genug an den Ballungszentren und sei schlecht erreichbar. Selbst Angehörige würden die weite Anreise nicht in Kauf nehmen, sagten die beiden Geschäftsführer. Das habe insgesamt zu einem „drastischen Belegungsverlust“ geführt, räumte der Ärztliche Direktor, Dr. Frank Melz, ein. Die hohe medizinische Leistung, so Dr. Melz, sei nicht gewürdigt und honoriert worden.
Nun setze die Helios Kliniken GmbH, übrigens Tochtergesellschaft des Börsen notierten Fresenius-Konzerns, verstärkt auf eine andere Indikation, nämlich die Psychosomatik. Aus diesem Grund soll der bisherige Standort der Rothaarklinik aufgegeben werden und der psychosomatische Rehabetrieb aufgestockt und in die Herz Kreislauf Klinik verlagert werden. Das Gebäude der Rothaarklinik stünde dann im Jahr 2012 zum Verkauf, deutete Jörg Reschke auf Nachfrage an.
Während die beiden Manager beteuern, alle Möglichkeiten des weiteren Betriebs der HKK geprüft, analysiert und sogar andere Standorte in Betracht gezogen zu haben, könne die Klinik die Aufwendungen für die Instandhaltung „allein schon heute nicht mehr aufbringen“, so Sascha John.
Nach den Pressevertretern hat Konzern-Geschäftsführer Jörg Reschke auch Landrat Breuer und Bürgermeister Fuhrmann telefonisch informiert. Beide erfuhren auf der Tourismusbörse in Berlin von den Helios-Plänen und waren sich „tief betroffen“.
Ein herber Schlag
Paul Breuer: „Das ist ein herber Schlag für die Mitarbeiter und für unsere Region. Aber wir nehmen das nicht so einfach hin. Ich fordere den Helios-Konzern dazu auf, dass er sich einer öffentlichen Diskussion, sachlich und nüchtern, stellt. Die Schließung der Klinik kann nicht die letzte Antwort sein und ich erwarte, dass Helios auch andere Geschäftsfelder in die Überlegungen einbezieht.“
Auch Bernd Fuhrmann will vollendete Tatsachen nicht so einfach stehen lassen. „Ich bedauere zutiefst, dass das ehemalige Flaggschiff Herz Kreislauf Klinik, die unsere Stadt über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hat, so enden soll.“ Gerade die Gesundheitswirtschaft spiele im aktuellen Leitbild-Prozess eine entscheidende Rolle für die künftige Strategie-Ausrichtung.
Wie Breuer bezweifelt auch Fuhrmann, dass „tatsächlich alle vorhandenen Kräfte gebündelt wurden“ und er hinterfragt, ob „tatsächlichalle Möglichkeiten genutzt worden sind, mit den Kostenträgern über mögliche neue Konzeptionen zu reden.“ Er appelliert an die Verantwortlichen des Helios-Konzerns, soziale Verträglichkeit zu ermöglichen und Zukunftsperspektiven für die Mitarbeiter aufzuzeigen.“
08:35
Ein schlimmer Schlag für die Mitarbeiter der Klinik und alle Arbeitnehmer, die von der Klinik abhängig sind (in Hotels, Taxiunternehmen, Geschäften etc.). Ich kann mir vorstellen, dass sie jetzt unter Zukunftsangst leiden und fühle mit Ihnen!
Einen wichtigen Grund der Schwierigkeiten der Rehakliniken nennen die Verantwortlichen allerdings nicht: Die völlig unzureichende Vergütung der stationären Reha durch die Kranken- und Rentenkassen. Die Patienten benötigen immer aufwendigere Therapien, werden immer früher aus dem Akutkrankenhaus in die Reha verlegt - ohne dass dem eine ausreichende Vergütung durch die Kassen folgt. Da werden Tagessätze gezahlt, mit denen schon ein Hotel nicht auskäme, geschweige denn eine hochspezialisierte Klinik! So wird mit stillschweigender Billigung unserer Gesundheitspolitiker ein erfolgreicher Zweig unseres Gesundheitswesens kaputt gespart - auf dem Rücken von Mitarbeitern und Patienten.