Hinter Verschwinden zweier Kinder steckt ein Familiendrama

Das Feuerwehrgerätehaus in Arfeld war Treffpunkt der Rettungskräfte und der zur Suche gekommenen, zahlreichen freiwilligen Helfer aus dem Dorf.
Das Feuerwehrgerätehaus in Arfeld war Treffpunkt der Rettungskräfte und der zur Suche gekommenen, zahlreichen freiwilligen Helfer aus dem Dorf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Überraschende Wende im Fall zweier vermisster Kinder aus Arfeld: Die Mutter war über den Aufenthaltsort ihrer beiden Töchter zu jeder Zeit informiert.

Arfeld/Olpe.. „Die Kinder sind bei Olpe aufgefunden und wohlauf!“ Diese, für fast 200 zur Vermissten-Suche bereit stehenden Helfer erlösende Nachricht löst am Arfelder Feuerwehrhaus spontanen Beifall und sichtbare Erleichterung aus. Niemand kann zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass sich hinter dem mysteriösen Verschwinden der beiden Mädchen ein Familiendrama verbirgt. Mit dem Hinweis „So können wir doch alle gut schlafen“, geht man auseinander.

Überraschende Wende

Aufgrund der überraschenden Wende hält sich die Pressestelle der Polizeibehörde Siegen-Wittgenstein weitgehend bedeckt und stuft die Fahndung nach den Kindern nicht mehr als Vermisstensache ein; denn die Mutter „war über den Aufenthaltsort ihrer beiden Kinder zu jeder Zeit informiert“. Doch das hatte sie der Polizei, Angehörigen und besorgten Freunden gegenüber verschwiegen. Mehr noch: In der Schule und später auf der Polizeiwache soll sie nach Informationen unserer Zeitung überzeugend als besorgte Mutter aufgetreten sein, die ihre Kinder um 6.55 Uhr am Schulbus verabschiedet haben will.

Über Stunden Unsicherheit

Dass diese Aussage falsch und das gesamte Verhalten der 36-Jährigen vorgetäuscht ist, soll sich erst Stunden später herausstellen. Das ist eine sehr lange Zeit. Während die Frau mit den Mädchen im Auto ziel- und planlos, vermutlich verzweifelt, im Raum Siegen-Wittgenstein unterwegs ist, läuft über verschiedene Internet-Plattformen eine unglaubliche Anteilnahme an. Spontan melden sich zahlreiche Wittgensteiner, um sich an eventuellen Suchaktionen zu beteiligen. Jeder zweite Eintrag im Westfalenpost-Profil bei Facebook signalisiert Hilfsbereitschaft, Solidarität mit der Familie und einige hundert ehrliche Wünsche für einen glücklichen Ausgang der Geschichte.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Zu diesem Zeitpunkt haben Tanten und Onkel der vermissten Mädchen einige Kilometer im Auto zurückgelegt. Sternförmig sind sie ausgeschwärmt, haben Menschen in Winterberg, Erndtebrück, Hatzfeld und sogar Altenhundem nach den Kindern befragt. Ohne Erfolg. „Diese Ungewissheit über den Verbleib der Kleinen macht dich platt.“ So formulierte eine Nachbarin das, was alle Beteiligten in diesen Stunden empfanden. „Hoffentlich ist da nichts Schlimmes passiert!“, wünschte sich ganz Wittgenstein. Viele Männer und Frauen kamen persönlich in den Arfelder Stedenhof, erkundigten sich, boten Hilfe an.

Dann handelte die Polizei. Sie hatte zwischenzeitlich die Mutter und den von der Familie getrennt lebenden Vater (37) vernommen. Hinweise auf den Verbleib der Kinder gab es aber nicht – auch die Mutter schwieg.

Treffpunkt Feuerwehrgerätehaus Arfeld

Nach der erfolglosen Fahndung sollte nun eine groß angelegte Suche durchgeführt werden. Eine Bereitschaftskräfte der Polizei, Rettungshunde-Staffeln, DRK, Malteser und Feuerwehr sind alarmiert.

Vermisstenfall Treffpunkt Feuerwehrgerätehaus Arfeld; die Nacht kommt immer näher, Kälte setzt ein. Dennoch füllt sich der Platz; etliche Helfer mit Taschenlampen treffen ein, warten auf den Start zur Suche.

„Wir wollen nach Hause“

Etwa eine Stunde Autofahrt oder 59 Kilometer entfernt stehen zwei kleine Mädchen hinter einer Werbetafel im Industriegebiet „Biebicker Hagen“ zwischen Gerlingen und Olpe. Ein Wachmann entdeckt sie.

Die Mädchen nennen ihre Vornamen und sagen: „Wir wollen nach Hause.“ Schnell bestätigt sich, dass es die acht und zehn Jahre alten, in Wittgenstein gesuchten Schülerinnen sind.

Die gute Nachricht verbreitet sich in atemberaubendem Tempo - auch in den sozialen Netzwerken.