Heimische Firmen sehen sich fit fürs Internet

Das Erndtebrücker Eisenwerk hat als Produzent von Spezialrohren etwa für die Öl- und Gas-Industrie international einen Namen. Geschäftsführer Christoph Schorge setzt beim Verkauf aber eher auf persönliche Kontakte.
Das Erndtebrücker Eisenwerk hat als Produzent von Spezialrohren etwa für die Öl- und Gas-Industrie international einen Namen. Geschäftsführer Christoph Schorge setzt beim Verkauf aber eher auf persönliche Kontakte.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine aktuelle Hagener Studie für ganz Südwestfalen hat allerdings auch bei Mittelständlern in Wittgenstein Defizite ausgemacht. E-Lotsen bieten Unternehmern zum Thema „Nachhilfe“ an.

Wittgenstein..  Sind Wittgensteins mittelständische Unternehmen, die zum Teil auch international agieren, in Sachen Online-Marketing gut aufgestellt? Eine aktuelle, branchenübergreifende Studie von „eBusiness-Lotse Südwestfalen-Hagen“ und dem Kompetenz-Netzwerk „wisnet“ sieht in der Region vor allem in der Metall-Branche „großen Nachholbedarf“. Die Unternehmen selbst jedoch halten in einer Umfrage unserer Zeitung ihre Internet-Präsenz meist für mehr als ausreichend.

Bad Berleburg

„Unsere Homepage www.ejot.de ist eigentlich relativ komplett“, findet Andreas Wolf, Sprecher des Bad Berleburger Unternehmens EJOT, Spezialist für Verbindungstechnik mit Kundschaft in der Automobil-Industrie, der Elektronik-Branche oder dem Baugewerbe. Stellenangebote für Auszubildende inklusive. Erst kürzlich sei die Website mit dem „Südwestfalen-Award“ der Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet worden – Kategorie „Kommunikation B2B“, also „Business to Business“. Und via Facebook informiere EJOT mit eher bunten Geschichten aus dem Unternehmen. Sicher: „Zu verbessern gibt es immer etwas“, räumt Wolf ein – deshalb jetzt auch der Relaunch, also die Renovierung des kompletten eigenen Internet-Auftritts.

Das Internet als Einstieg für potenzielle Kunden auf der Suche nach dem richtigen Lieferanten? Aus Sicht Wolfs ist das via ejot.de grundsätzlich denkbar. Aber: „Da sind wir als europäischer Marktführer in der Branche doch schon sehr bekannt.“ Dennoch müsse man die digitale Entwicklung natürlich im Auge behalten. Kurzum: „Von einem Online-Zölibat können wir nicht sprechen“, schmunzelt Wolf. Genau diesen Begriff verwenden der Autor der Studie, Prof. Dr. Peter Vieregge, Wirtschaftswissenschaftler an der privaten Business and Information Technology School in Iserlohn, für das Verhalten vieler heimischer Unternehmen.

Bad Laasphe

Facebook – ganz stark auf dieses weitverbreitete Soziale Netzwerk setzt auch Hans-Christian Bosch, Geschäftsführer der Bad Laaspher Bosch-Brauerei. „Das ist für uns ein Riesenthema“, schwärmt er von der Resonanz: „Wir haben auf diese Weise über 7200 Freunde“ – vor allem „aus der Szene der Bier-Freaks“. Hier habe Bosch „einen exzellenten Ruf“. Mit bis zu vier Postings pro Woche befeuere die Brauerei die Online-Gespräche der Nutzer, so Bosch, der Erfolg sei sichtbar.

Und der Internet-Auftritt? Die Website www.brauerei-bosch.de versteht der Geschäftsführer als „Visitenkarte im Netz“ – samt Hinweisen auf Getränkemärkte bis hinüber ins Hessische, in denen das Bier zu haben ist. Übrigens: Unter dem Namen „Propeller Bier“ stellt Bosch nebenbei außergewöhnliche Gourmet-Biere her – und vertreibt sie auch über einen eigenen Online-Shop (www.propeller-bier.com).

Am liebsten für die Kunden-Bindung ist Hans-Christian Bosch jedoch das persönliche Gespräch – auf Schützenfesten, mit Vereinen, Privatleuten. „Da läuft bei uns vieles über den kleinen Dienstweg“, erklärt er.

Erndtebrück

Beim Erndtebrücker Eisenwerk (www.eew.de) „liegt der Schwerpunkt unserer Verkaufs- und Marketing-Aktivitäten in den persönlichen Vertriebskontakten zu den Kunden – und nicht auf dem Online-Bereich“, betont Geschäftsführer Christoph Schorge. Diese Art der Kunden-Pflege sei auch gut möglich, weil EEW in einer Branche tätig sei, „in der sowohl die Kunden- als auch die Konkurrenzdichte im Vergleich zu anderen Industriezweigen gering ist“.

Allerdings sieht Schorge „das Potenzial des Internets verstärkt im Bereich des Recruitings. Potenzielle Bewerber informieren sich zunehmend im Internet über Jobangebote und Arbeitgeber, weshalb wir diesem Aspekt verstärkt Augenmerk schenken. So werden wir in den kommenden Monaten beispielsweise ein spezielles Karriereportal auf unserer Website integrieren.“ Darüber hinaus werde man gemeinsam mit einer Agentur bis Spätsommer einen komplett neuen Internet-Auftritt erarbeiten.

Sicher: Soziale Medien können laut Schorge eine Hilfe sein – allerdings „nur, wenn man proaktiv und beständig digital kommuniziert“. Eine Plattform wie Facebook sei für EEW aber kein Schwerpunkt. Noch nicht. Und schon gar nicht für Service-Anfragen seitens der Kundschaft – die seien angesichts großer Bauprojekte, an denen EEW als weltweit aktiver Stahlrohr-Hersteller beteiligt sei, für so einen Kommunikationskanal ohnehin viel zu komplex.