Hatzfelder Kinder häkeln Tintenfische für Babys

Hatzfeld..  Einmal wöchentlich treffen sich Kinder in Hatzfeld, um gemeinsam zu sticken, zu stricken und zu nähen. Dabei sind unter anderem Tintenfische entstanden, nach deren wollenen Tentakeln nun frühgeborene Babys greifen.

Seit vergangenem Herbst treffen sich 15 Kinder ab acht Jahren in zwei Gruppen. Sie kommen aus Hatzfeld, Reddighausen und Holzhausen. Beim Weihnachtsmarkt in Hatzfeld haben sie sogar etwas Geld eingenommen. „Dann haben wir vom Tintenfisch-Projekt gehört“, erzählt Ursula Klos, unter deren Anleitung die Mädchen handarbeiten. „Das fanden wir toll.“

Von einem Teil des Erlöses des Markts wurde Wolle gekauft, um die Tintenfische zu häkeln. Die 15 Wolltiere haben alle Namen bekommen und sollen nun in den Brutkästen der Frühgeborenen-Stationen in Siegen und Dortmund den Frühchen Gesellschaft leisten. „Nach den Armen können die Babys besonders gut greifen“, erklärt Klos. „Sie denken, es wäre die Nabelschnur und ziehen nicht an den medizinischen Schläuchen.“ Vor allem in Nordrhein-Westfalen gibt es immer mehr Gruppen, die die Tintenfische häkeln.

Wolle muss waschbar sein

Bei den Farben waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Beachten mussten die Kinder allerdings einen Zehn-Punkte-Plan, nach dem die Tintenfische beispielsweise aus reiner Baumwolle bestehen müssen, die bei 60 Grad waschbar ist. Sie müssen eine bestimmte Füllung haben, die in einen Seidenstrumpf gesteckt wird, damit diese nicht durch die Löcher zwischen den Maschen nach außen dringen kann.

Sowohl Körper als auch Tentakel müssen eine bestimmte Größe haben, damit die Babys den Körper nicht in den Mund nehmen und sich die Tentakel nicht um den Hals wickeln können. Auf die Idee kamen die Mädchen, weil ein Mitglied der Gruppe selbst ein „Frühchen“ war. „Das hat die Kinder zum Nachdenken gebracht“, sagt Ursula Klos.

Sie hat auch Kontakt zur Marburger Uni-Klinik aufgenommen, um die Tintenfische aus Hatzfeld anzubieten. Die Idee stammt aus Dänemark: Eine Frau hatte einen kleinen Tintenfisch für ein viel zu früh geborenes Baby gehäkelt. Die Eltern beobachteten, dass ihr Kind durch den Tintenfisch ruhiger wurde. Die positive Wirkung sprach sich herum. Immer mehr Frühchen bekamen einen gehäkelten Freund an die Seite und wurden ruhiger.

Schals und Mützen in Arbeit

Inzwischen werden in Schweden, Norwegen, Island, Belgien, den Niederlanden, Italien, Kroatien, Israel, Palästina, Australien sowie in den US-amerikanischen Staaten Kalifornien und Florida Tintenfische nach dänischem Vorbild gehäkelt. Ganz einfach sei das Häkeln der Tintenfische nicht gewesen, sagt Ursula Klos. „Wir mussten etliche Stunden konzentriert arbeiten.“ Nun stricken die Kinder wieder Mützen und Schals, aber: „Wir wollen das noch mal machen“, verspricht Klos.

Die Gruppe nennt sich „Was kleine Hände schaffen“ in Anlehnung an den Basar „Was alte Hände schaffen“ mit Senioren-Handarbeiten. Weitere Kinder mit Spaß am Handarbeiten sind willkommen – natürlich auch Jungs.