Hans-Werner Schwarz ist Vizepräsident des Landtags in Hannover
20.09.2011 | 17:30 Uhr 2011-09-20T17:30:00+0200
Bad Berleburg / Diepholz.Hat es Signalwirkung für seinen späteren Beruf gehabt, dass Hans-Werner Schwarz im Jahr 1946 dort geboren wurde, wo heute das Johannes-Althusius-Gymnasium steht? „Was kam, war gar nicht so einfach“, erinnert sich der 64-Jährige.
„Meine Eltern stammten aus Ostpreußen. Flüchtlinge hatten einen besonderen Status. Meine Mutter fand aber bald Beschäftigung im Krankenhaus als Röntgenassistentin durch die Vermittlung des damaligen Chefarztes Dr. Lohe, mit dem sie bereits in Lötzen/Ostpreußen zusammengearbeitet hatte“, erzählt Hans-Werner Schwarz, der heute Vizepräsident im Landtag von Niedersachsen ist.
Sein Vater Kurt kämpfte sich im Versicherungswesen durch und engagierte sich beim SSV bzw. VfL Berleburg und im Schachverein. Viele werden sich an ihn noch als „Stadionsprecher“ auf dem Stöppel erinnern.
Nach dem Kindergarten besuchte Schwarz die Volksschule - heute steht da die Sparkasse - und er erinnert sich „noch gerne an eine tolle Klassenlehrerin – Fräulein Leidig – bei der besonders das Wettrechnen Spaß machte.“
Familie Schwarz wohnte damals zunächst in der Bahnhofstraße 2 bei Hansmanns, dann in der Sählingstraße 12 bei Familie Wecker. Daran hat Hans-Werner Schwarz noch gute Erinnerungen: „Vater Wecker war bei der Stadt beschäftigt und musste im Winter oft in der Nacht raus, um mit dem Schneepflug Räumdienst zu leisten. Im ganzen Haus gab es aber damals nur ein Telefon und das stand bei uns, weil meine Mutter ja für das Krankenhaus immer erreichbar sein musste. Die Folge: Nächtliche Einsätze im Winter brachten oft Unruhe mit sich.“
Auch aus seiner Schulzeit verrät Schwarz unseren Lesern allerhand: „Mein Schulweg führte immer am Bahnhof vorbei. Das war vorteilhaft. Wir hatten nämlich einen Lehrer, der in Girkhausen wohnte. Damit dieser rechtzeitig nach Hause kam, schickte er mich in der letzten Stunde meistens vorzeitig heim, damit ich dem Busfahrer sagen konnte, dass er doch bitteschön noch auf meinen Lehrer warten möge. Übrigens trödelte ich auf dem Heimweg ganz gerne, weil ich oft an der Schmiede stehen blieb, um zuzuschauen wie die Hufe der Pferde beschlagen wurden.“
Die Schulzeit im Gymnasium hat den in Diepholz lebenden „Witti in der Welt“ stark geprägt. Am Anfang noch ein „ordentlicher Schüler“, änderte sich das in der 10. Klasse „aus unterschiedlichsten Gründen. Ohne meine eigene Schuld zu verharmlosen: Es gab durchaus eine Reihe von seelischen Verletzungen durch Lehrkräfte, die mir sehr zu schaffen gemacht haben. Rühmliche Ausnahmen waren für mich damals meine Mathelehrerin Fräulein Nagel und mein Physiklehrer Herr Frederking.“
Die (schlechte) Erfahrung mit Pädagogen war dann offenbar Ansporn; denn: „Ich habe später den Beruf des Lehrers ergriffen, weil ich spürte, welch’ schlimme Auswirkungen es haben kann, wenn man als Lehrer nicht in der Lage ist, das Vertrauen der Schüler zu gewinnen und Gerechtigkeit zu üben – und das wollte ich besser machen!“
Über die Bundeswehr kam Schwarz nach Diepholz, machte dort während der vierjährigen Dienstzeit auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und studierte an der Uni Osnabrück/Vechta Mathematik und Sport. Er wurde Lehrer und gründete eine Familie mit Tochter Stephanie und Sohn Tim.
Dann rief die Politik; denn die Ostpolitik unter Kanzler Willi Brandt und Walter Scheel beeindruckte Schwarz, der sich in Diepholz der dort traditionell starken FDP anschloss. „Das führte letztlich so weit, dass ich der erste, nicht in Diepholz geborene, Bürgermeister dieser liebens- und lebenswerten Kreisstadt geworden bin“, lacht Schwarz, der nun die Karriereleiter weiter nach oben erklimmen sollte. Im Jahr 2003 wurde er in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Aus der engen Zusammenarbeit mit Philipp Rösler, dem heutigen Bundeswirtschaftsminister, wurde eine echte Freundschaft. Schwarz: „Philipp war damals unser Fraktionsvorsitzender und ich sein Stellvertreter. Zugleich war ich bildungspolitischer Sprecher unserer Fraktion.“
Nach der Landtagswahl im Jahr 2008 wurde Hans-Werner Schwarz dann zum Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtags gewählt. Laut Protokoll ist der Landtagspräsident der „Erste Mann im Staate“, also höchster Repräsentant. In Niedersachsen ist das Hermann Dinkla (CDU).
Was macht ein Vizepräsident im Landtag? Dass diese Aufgabe mehr als nur ein „Repäsentier-Job“ ist, macht die Antwort von Hans-Werner Schwarz deutlich: „Ich habe eine hochinteressante Aufgabe, die immer wieder neue Einblicke gewährt und den eigenen Horizont doch mächtig erweitert. Neben dem politischen Alltagsgeschäft wie Behandlung von Gesetzentwürfen oder Sitzungsleitungen im Parlament ragen natürlich einige Begegnungen besonders heraus: So erinnere ich mich gerne an ein Gebetsfrühstück in Washington mit Präsident Obama oder an emotionale Situationen in Israel und Palästina. Aber auch der Startschuss zum Aufbau eines Berufsbildungsnetzwerks in Eastern Cape in Südafrika oder die enge Verbindung zu unserer russischen Partnerregion Perm gehören zu Höhepunkten meines politischen Lebens.“
Und dann gibt es noch eine besondere Leidenschaft, die den gebürtigen Berleburger mit zahlreichen Landtagsabgeordneten, Mitarbeitern aus den Ministerien, Journalisten sowie Minister über alle Fraktionen hinweg: Werder Bremen. Auf Schwarz’ Initiative wurde der Fanclub „Grün-Weiß-Leineschloß“ gegründet. „Wir sind alle Anhänger von Werder und pflegen die Beziehung intensiv.“
Den Kontakt in die alte Heimat Bad Berleburg hat Hans-Werner Schwarz „innerlich nie abreißen lassen, auch wenn meine Präsenz dort im Laufe der Zeit doch schwächer geworden ist. Gleichwohl freue ich mich schon auf die Goldene Konfirmation im September, die ich fest bei mir eingeplant habe.“
Dann dürfte Hans-Werner Schwarz beim Kaffee bestimmt viel zu erzählen haben; vielleicht auch von den „Berleburger Schlossrosen“, die in seinem Garten blühen..
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