Hallo Taxi

Nachts auf sich gestellt. Das ist die Situation für Wittgen­steiner Nachtschwärmer. Nicht immer. Aber immer öfter. Wer in Bad Berleburg, Bad Laasphe oder Erndtebrück zu später Stunde in der Woche von A nach B kommen möchte, der sollte sich vorher anmelden, über einen Freundeskreis mit nächtlichen Schlafproblemen oder über gesunde Füße verfügen. Denn sicher ist: Nach Mitternacht wird es eng. Über den Öffentlichen Personennahverkehr müssen wir wohl nicht reden. Bus und Bahn sind auf dem Land schon bei Tage nicht immer und überall eine Alternative.


Aber auch, wer tiefer in die Tasche greifen und sich ein Taxi leisten kann und möchte, dessen Anruf wird möglicherweise ungehört verhallen. Erst recht nach der Einführung des Mindestlohns. Das haben die Recherchen unserer Zeitung in dieser Thematik ergeben. In der Woche, das erzählen manche Taxiunternehmer hinter vorgehaltener Hand, andere auch öffentlich, ist ein Bereitschaftsdienst einfach zu teuer und ein dickes Zuschussgeschäft. Da nützt auch der Verweis des Kreises auf eine Beförderungspflicht relativ wenig. Klar können Kunden, die nachts ohne mobile Unterstützung allein auf weiter Flur sind, anschließend in Siegen anrufen und sich beschweren. Die dann fälligen Ordnungswidrigkeitsverfahren könnten bis zum Konzessionsentzug gehen. Aber mal ehrlich: Wem nützt das am Ende?


Denn schon jetzt ist die Taxilandschaft in Wittgenstein deutlich ausgedünnt. Von einst vier Unternehmen in Berleburg sind noch zwei an der Odeborn unterwegs. Und auch deren Interesse an der Taxi-Konzession dürfte dauerhaft nicht unbedingt größer werden. Neben dem Mindestlohn schafft auch der Bevölkerungsschwund auf dem Lande nicht unbedingt rosige Perspektive. Und das Gewerbe wirft im Kerngeschäft schon jetzt nicht viel ab – die Unternehmen leben eher von Krankentransporten, Kurierdiensten und sonstigen Beförderungen. Insofern darf man froh sein, den Taxiservice noch während der Kernzeiten und am Wochenende in Anspruch nehmen zu können.


Dauerhaft allerdings wird die Politik sich eine Lösung überlegen müssen. Denn Mobilität – gerade in Räumen mit schwachem ÖPNV-Angebot – gehört zur Lebensqualität. Und wenn die privatwirtschaftlich nicht mehr sichergestellt werden kann, dann müssen sich Land, Kreis und Kommunen etwas mehr einfallen lassen als den Verweis auf Beförderungspflicht.