Halali oder der Schuss ins Knie

Diese Jäger haben es auf Trophäen abgesehen. Eine der beliebtesten dieser Tage ist aber kein kapitaler Kronenhirsch, sondern der NRW-Umweltminister Johannes Remmel.


Mit Blick auf das ökologische Landesjagdgesetz und seine frei nach dem Grundsatz ‘Wald vor Wild’ geplanten, tiefgreifenden Veränderungen hat Remmel sich den Zorn vieler der gut 20 000 Waidmänner des Landes zugezogen. Er ist sprichwörtlich zur Zielscheibe geworden. Viele möchten den ungeliebten Minister zur Strecke bringen und blasen zur politischen Treibjagd.


Inzwischen scheint es, als sei den Gegnern des noch nicht verabschiedeten Landesjagdgesetzes jedes Mittel recht, den Grünen zu diskreditieren. Zum Beispiel mit der Behauptung, dass der Minister Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg großzügig Sonderkonditionen bei der Fütterung von Rotwild eingeräumt habe und sich dafür im Gegenzug mit dem Wisent-Artenschutzprojekt profilieren dürfe. In ihrem Jagdfieber vergessen diese Verschwörungstheoretiker, die in einschlägigen Jagdzeitungen auch gern vom „Teufelspakt“ sprechen, dass der ursprüngliche Schirmherr des Projektes Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU war, dass der zuständige Umweltminister 2010 Eckhard Uhlenberg (CDU) hieß und dass sich der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auch mit Wisent in Berlin fotografieren ließ.


Und sie vergessen auch, obwohl sie es als Jäger genau wissen müssten, dass nicht der Minister, sondern die Unteren Jagdbehörden der Kreise Fütterungsgenehmigungen ausstellen können. Im Fall der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer fußen diese Ausnahmen unter anderem auch auf Veterinär-Gutachten zum Zustand des Wildes.


Gut, die fürstliche Rentkammer hat in diesem Winter gegen Fütterungsregelungen des Landesjagdgesetzes verstoßen. Sie hat diese Ordnungswidrigkeit inzwischen auch eingestanden und kassiert ein Bußgeld. Das ist aber nicht das Pikante an dem Verfahren. Viel interessanter ist, dass es auf Fotos eines anonymen Fotografen gründet. Diese Beweisfotos hat der Justiziar des Landesjagdverbandes, Hans-Jürgen Thies, für die Anzeige verwendet. Das ist ungefähr so, als wenn der ADAC einen Autofahrer wegen zu schnellen Fahrens anzeigt. Persönlich problematisch ist der Fall aber deshalb, weil Thies als Anwalt auch die Klage gegen das Wisentprojekt vor Gericht vertritt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.


Diese Stellvertreterdiskussion über willkürliche Ungleichbehandlung der Jäger taugt nicht, um das geplante Jagdgesetz zu kippen. Sie redet ihr sogar das Wort: Denn wenn die Fütterung ganz verboten wird, haben alle ihre Gleichbehandlung. Nur anders als gewünscht.


Mit diesem Vorstoß wurde die Jägerschaft gespalten und muss nun aufpassen, dass sie sich beim Versuch, den Minister zu treffen, nicht selbst ins Knie schießt.