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Heimische Fauna

Grazile Tiere sind keine exotischen Damziegen

22.01.2015 | 21:00 Uhr
Grazile Tiere sind keine exotischen Damziegen
Ein kleiner Damwild-Familienverband (Rudel) in einem Wittgensteiner Gehege.Foto: Wolfram Martin

Wittgenstein.   Das Damwild, das zu den Hirschartigen zählt, teilte sich im voreiszeitlichen Europa den Lebensraum mit Auerochs und Wisent.

Vom „nicht heimischen Damwild“ war kürzlich hier in der Heimatzeitung zu lesen. Manche Jäger sprechen verächtlich von „exotischen Damziegen“, wieder andere rühmen das leckere Wildbret. Und wieder andere betrachten verklärt eine in der Tat beeindruckende Damschaufler-Trophäe. Am Europäischen Damwild, biologisch richtig Damhirsch, lateinisch Dama dama, auch Cervus dama – deshalb auch niemals „Dammwild“, – scheiden sich nicht nur die „grünen Geister“. Doch der Reihe nach.

Bereits im voreiszeitlichen Europa war das zu den Hirschartigen zählende Damwild im Gegensatz zum Muffelwild nachweislich verbreitet und teilte sich so möglicherweise den Lebensraum mit Auerochs und Wisent.

Vor der Vereisung zogen sich die Damhirsche bis nach Kleinasien zurück, von wo sie dann schon in vorchristlicher Zeit durch die Römer zunächst wohl nach Frankreich, Spanien, England und Westdeutschland und später dann europaweit angesiedelt wurden. Heute ist das Damwild über ganz Europa allerdings zumeist, wie das Rotwild auch, inselartig verbreitet.

Info
Erst Spieße, dann Schaufeln

Das sogenannte „Schaufel-Geweih“ ist beim Damwild arttypisch, weshalb beim vollausgebildeten Geweih auch von Damschaufler gesprochen wird.

Werden im ersten Jahr nur Spieße geschoben, ist’s ein Dam-Spießer. Entwickelt sich im zweiten Jahr immer noch keine Schaufel, bezeichnet man in der blumigen Jägersprache diesen als „Knieper“ oder „Löffler“.

Bemerkenswert hohe Damwild-Bestände gibt es außer in England noch in Irland, Mittel- und Südschweden und Polen.

Es bevorzugt Parklandschaften und parkähnliche hügelige Waldlandschaften wie sie anscheinend in England, Dänemark aber auch in Schleswig-Holstein zu finden sind. Vor der Wiedervereinigung gab es in Deutschland die größten Vorkommen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Nach der Wiedervereinigung finden wir die größten zusammenhängenden Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen. Gesamtdeutschland zählt heute mit über 120 000 Tieren zum größten Damwildvorkommen Europas. Auch jagdlich schlägt sich dies nieder, denn die Gesamtstrecke von 68 900 Tieren scheint tendenziell ständig zu steigen. In NRW werden jährlich etwa 4700 Tiere erlegt.

Häufig im Gehege gehalten

Damwild gilt als sehr anpassungsfähig. Als ungeeignet erweisen sich Wälder ohne Bodenvegetation und Gebiete mit langen Winterperioden und hohen Schneelagen, weshalb es in Wittgenstein und dem höheren Rothaargebirge nicht wild vorkommt, sondern nur in mehreren Kleingehegen gehalten wird. Es ist tagaktiv, sehr gesellig und Damwild-Fleisch gilt unter Gourmets als das beste Wildbret überhaupt, dies wohl auch die Hauptgründe für die häufige Gehege-Haltung.

Damwild ist größer als Reh- und kleiner als Rotwild und wirkt insgesamt grazil und äußerst anmutig. Es erreicht Körpergewichte von 80 bis 130, maximal 160 Kilogramm. Besonders markant wirkt auf den Betrachter das schaufelartige Geweih des männlichen Hirsches, welches wie beim Rothirsch auch jedes Jahr abgeworfen und wieder erneuert wird – und im Alter von acht Jahren seinen Höhepunkt erreicht. Die Laute des brunftigen Damhirsches erinnern an ein hochstimmiges, eintöniges Grunzen, welches nicht entfernt an die Modulations- und Ausdrucksfähigkeit des Rothirsches heranreicht.

Im Winter grau-braun

Farblich kommt das Damwild sehr variabel daher: Vom rötlichbraunen Sommerhaar mit kleinen, weißen Flecken bis zum mehr grau-braunen Winterkleid reicht das Spektrum. Doch auch andere Farbschläge von dunkel bis schwarz und fast gänzlich weiß sind keine Seltenheit. Der im Vergleich zum Rotwild ziemlich lange Schwanz ist ständig in Bewegung – deshalb jagdlich auch Wedel genannt – und scheint den Tieren möglicherweise deshalb etwas Ziegenhaftes zu verleihen.

Wolfram Martin

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2015-01-22 21:00
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