Grandioses Finale der Musikfestwoche

Nach 2011 stellte sich diesmal das Amaryllis-Quartett nach einer Reihe internationaler Wettbewerbserfolge und hunderten von Konzerten als gereiftes und international erfolgreiches Streichquartett den Berleburgern vor.
Nach 2011 stellte sich diesmal das Amaryllis-Quartett nach einer Reihe internationaler Wettbewerbserfolge und hunderten von Konzerten als gereiftes und international erfolgreiches Streichquartett den Berleburgern vor.
Foto: Christoph Haupt
Was wir bereits wissen
Das international erfolgreiche Amaryllis-Quartett widmet den letzten Abend der Reihe erneut Franz Schubert. Und das mit überzeugender Spielfreude.

Bad Berleburg.. So schließen sich die Kreise: Das Abschlusskonzert der 43. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg griff mit zwei charakteristischen kammermusikalischen Werken noch einmal das Thema Franz Schubert auf. Nach dem Klavierwerk und der Innenschau am Montag sowie Auszügen aus dem Vokalwerk am Mittwoch ein logischer Abschluss eines Kammermusikfestes.

Den zweiten Kreis schloss das musizierende Ensemble. Bereits 2011 spielte das Amaryllis-Quartett im Rahmen der „Konzerte junger Künstler“ auf Schloss Berleburg und stellte sich jetzt nach einer Reihe internationaler Wettbewerbserfolge und hunderten von Konzerten als gereiftes und international erfolgreiches Streichquartett erneut dem Bad Berleburger Publikum.

Kraftvolle Interpretation

Der große Schubertabend begann mit dem g-moll-Quartett (D 173), das Schubert als 18jähriger komponierte. Mit kraftvollem Interpretationswillen und exzellent aufeinander eingespielt machten sich Gustav Frielinghaus und Lena Sandoz, Violine; Lena Eckels, Viola sowie Yves Sandoz, Violoncello an das jugendlich ungestüme Quartett. Klare, an Mozart und Beethoven erinnernde Formsprache, manchmal gar an Mozarts g-moll-Sinfonie anklingende Melodieführung kennzeichnen dieses frühe Werk. Amaryllis‘ Spielfreude überzeugt, das Zusammenspiel ist ausgefeilt bis hin zu synchronen Trillern. Lediglich leichte Intonationsschwankungen in einzelnen Oktavgängen zeugen davon, dass der Beginn eines Konzerts immer besondere Regeln hat.

Mit der Bläser-Serenade „Von der Ratte, vom Biber und vom Bären“ des ebenfalls österreichischen Komponisten Gottfried von Einem für Klarinette, Fagott und Horn stellten sich die „Bläserfreunde“ Markus Kruschke, Daniel Mohrmann und Christoph Eß dem Publikum vor. Anders als es der Titel vermuten lässt, schrieb von Einem 1988 keine musikalische Tierfabel. Vielmehr sind die Tiere in Wirklichkeit Kosenamen für seine Frau (Ratte), seinen Verleger (Biber) und ihn selbst (Bär). Gefährlich, vermutet man sofort. Und meint, in den Stücken vielschichtige Charakterdarstellungen zu hören. „Nicht ohne verbrecherische Einsichten“ verspricht von Einem bei der Charakterisierung der Ratte. Eher tänzerisch kommt der Biber im Walzertakt daher. Aber auch er hat einige durchaus dramatischere Charaktereigenschaften. Entfernt an „Bilder einer Ausstellung“ erinnert die Charakterisierung des Bären. Eine Art „Promenade“ führt von Gemütszustand zu Eigenschaft und weiter.

Die Kontrabassistin Alexandra Hengstebeck stellte sich mit drei Sätzen aus der „Suite im alten Stil für Kontrabass solo“ des 1986 gestorbenen aus Österreich stammenden Komponisten Hans Fryba vor. Selber Kontrabassist und langjähriges Mitglied des Genfer Orchesters, vermisste Fryba Literatur für Kon­trabass, wie sie den Cellisten in den Solosuiten von Bach zur Verfügung stehen und schrieb ein entsprechendes Werk, das die Möglichkeiten des Instruments in vieler Hinsicht auslotet. Hengstebeck meisterte diese Aufgabe mit ihrem fast schwarzen, ausgesprochen klar klingenden und mit einer sonoren, samtenen Tiefe versehenen Bass souverän.

Grenzen der Kammermusik

Die zweite Hälfte des Konzerts füllte das Oktett F-Dur (D 803) komplett aus. Dieses gut einstündige Werk schrieb Schubert 1824 wie im Rausch. Es übertrifft in seiner Größe und orchestraler Anmutung das Septett von Beethoven, dem großen Vorbild Schuberts. Schubert sprengt hier fast die Grenzen der Kammermusik und komponierte Strukturen, die eher an sinfonische Werke erinnern. Er verwebt Streicher und Bläser zu immer neuen Klängen, meist unter Führung von 1. Violine und/oder Klarinette. Sechs große Sätze bilden eine Art Divertimento-Form. Schubert beginnt mit einem gewichtigen Kopfsatz, den die acht Musiker mit großer Souveränität meistern. Der von der Klarinette lyrisch begonnene zweite Satz mit der durch die Instrumente wandernden Melodie ist auch im Pianissimo wunderbar klar. Eher schwer kommt das Scherzo daher. Perfekt intoniert das Zusammenspiel im Variationssatz mit dem leichtfüßigen, Thema, das durch die Instrumente wandert und seinen Charakter im Fortgang des Satzes ändert. Ein bedächtiges Menuett leitet über zu dem mit düsteren Tremoli in Cello und Bass beginnenden Schlusssatz, der mit einem triumphalen Allegro molto das Werk beendet.