Glanz der Stolpersteine wieder aufpolieren

Wittgenstein..  In den Bürgersteigen der drei heimischen Kommunen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in den vergangenen Jahren über 150 Stolpersteine verlegt. Sie sollen vor den ehemaligen Wohnhäusern an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger an deren Schicksal erinnern, das überwiegend in den Konzentrationslagern der Nazi-Herrschaft endete.

Die mit einer Messingkappe versehenen Steine haben mittlerweile ihren Hochglanz verloren, sind mit dunkler Verfärbung teilweise kaum noch vom grauen Pflaster zu unterscheiden.

Ist eine dunkle Patina erwünscht oder sollen die Steine poliert werden? Diese Frage hat gegenüber unserer Zeitung der Künstler Gunter Demnig (Frechen) mit deutlichen Worten beantwortet: „Auf jeden Fall sollen sie geputzt werden!“ betont Demnig. „Die Steine müssen ja ihren Sinn und Zweck erfüllen und sichtbar sein.“ Demnig berichtet, dass dort, wo die Steine in stark frequentierten Fußgängerzonen liegen, eine Reinigung schon allein durch das Drauftreten erfolgt. „In Köln“, so sagt er, „blinken die Stolpersteine in der Hohe Straße von selbst.“ Demnig weiß außerdem, dass die Stolpersteine in zahlreichen Städten über so genannte „Putz-Patenschaften“, etwa durch Schulklassen, Vereinen oder auch Privatpersonen gesäubert werden.

Zwei Stunden auf den Knien gelegen

Rainer Becker, Vorsitzender und Mitgründer des Bad Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit, kann aus eigener Erfahrung von einer Putz-Aktion an den Steinen berichten. Er habe „über zwei Stunden auf den Knien gelegen“, um etwa zehn Stolpersteine zu reinigen. „Nicht wirklich nachhaltig“, bedauert Becker. Die von Demnig angeregten Patenschaften werden laut Rainer Becker in der Laaspher Schlossstraße schon praktiziert. Er lobt: „Werner Bipp hat, solange es seine Gesundheit zuließ, die Steine ehrenamtlich vor seinem Haus auf Glanz gehalten, das war wirklich vorbildlich.“ Weitere Putz-Paten können sich bei Rainer Becker unter 02752-9314 melden, der die Aktion dann koordinieren kann.

Gisela Weissinger vom Arbeitskreis für Toleranz und Zivilcourage in Bad Berleburg glaubt nicht daran, dass die Messingoberfläche der Stolpersteine durch Fuß- oder Spaziergänger gesäubert werden und sagt sogar: „Gunter Demnig hat manche Vorstellung, die nicht realistisch ist.“ Sei selbst trete überhaupt nicht auf die im Boden verlegten Erinnerungen. Weissinger ist sich im Klaren darüber, dass die Reinigung „eine wahnsinnige Arbeit“ bereitet, gleichwohl wünscht sie sich, dass jeder Interessierte aus Berleburg, Arfeld, Beddelhausen und Schwarzenau „sich seinen Stein aussucht“, den er dann betreuen kann. Aber, so Gisela Weissinger, „man kann die Schrift auch ohne Putzen lesen.“

In Erndtebrück (noch) kein Thema

In Erndtebrück, wo seit knapp zwei Jahren zehn Stolpersteine verlegt worden sind, stellt sich nach Ansicht von Pfarrer Stefan Berk das Thema „noch nicht“, da an den dortigen Steine noch keine Patina angesetzt hat. Allerdings „kann ich mir gut vorstellen, dass Lehrer und Kinder von Grund- und Realschule eine Putz-Patenschaft übernehmen“ könnten. Sie sind ja auch bei der Gedenkstunde zur Pogromnacht am 9. November aktiv dabei.

Stefan Berk: „Eine Pflege der Stolpersteine ist aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, das dunkle Kapitel unserer Lokalgeschichte mit Erinnerungen zu verbinden. Lebendiger Geschichtsunterricht mit Putzlappen.“