Gewerkschaft gibt sich kämpferisch

Rund 500 Gewerkschaftler kamen zur zentralen Warnstreik-Kundgebung in die Kulturhalle Berghausen, zu der die IG Metall aufgerufen hat.Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, spricht zu den Streikenden.
Rund 500 Gewerkschaftler kamen zur zentralen Warnstreik-Kundgebung in die Kulturhalle Berghausen, zu der die IG Metall aufgerufen hat.Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, spricht zu den Streikenden.
Foto: WP

Berghausen..  Die Gewerkschaftler haben ihr eigenes ABC gelernt: Sie wollen „Altersteilzeit, Bildungsteilzeit und Cash“, sagt der 1. Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall, Hartwig Durt, in Berghausen. Und das Gewerkschaftler-Alphabet kennt auch die Buchstaben „W – für Warnstreik, U – für Urabstimmung und S – für Streik“.

Mit Trillerpfeifen, Ratschen und lautstarken Rufen machten Hunderte streikende Mitarbeiter aus der wittgensteiner Metall- und Elektroindustrie auf ihre Forderungen nach 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, einem neuen Altersteilzeit-Tarifvertrag und Bildungsteilzeit aufmerksam. Die IG Metall hat landesweit zum Warnstreik aufgerufen, um ihren Forderungen bei der nächsten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgeber-Vertretern am morgigen Freitag in Mühlheim Nachdruck zu verleihen. Mit dabei sind auch die organisierten Beschäftigten aus Wittgenstein. Mit Bussen wurden rund 500 Streikende zu einer zentralen Kundgebung in der Berghäuser Kulturhalle gefahren. Hier wurden sie von Helmut Rath empfangen.

Der Betriebsratschef von Busch+Jaeger in Aue ist der örtliche IGM-Vorsitzende und sitzt auch in der Großen Tarifkommission. Rath betonte die Bedeutung des geschlossenen Auftretens für den Verhandlungserfolg: „Außer Schnee wird bei dieser Tarifverhandlung nichts vom Himmel fallen.“ Besonders kämpferisch warb er für den Erhalt der Altersteilzeit. „Die ist kein Geschenk der Arbeitgeber, sondern wird von uns mit 0,4 Prozent unserer Löhne mitfinanziert“, so Rath. Die bisherige Regelung läuft am 31. März aus. Für Rath ist die Altersteilzeit ein gutes Mittel, um Fachkräftemangel und demographischer Entwicklung zu begegnen. In der Vergangenheit seien durch Altersteilzeitmodelle auch viele Kündigungen abgewendet worden. Aktuell könne SMS in Dahlbruch auf diese Weise auf wirtschaftliche Probleme reagieren. Den Vorschlag der Arbeitgeberseite, künftig Altersteilzeitverträge nur noch nach dem Ermessen der Arbeitgeber bei denjenigen anzuwenden, die nicht mehr könnten, ist für Rath inakzeptabel.

Karsten Fischer vom Betriebsrat der Firma EJOT warb für Bildungsteilzeitmodelle, bei denen jedem Beschäftigten – auch Schichtarbeitern – Möglichkeiten für Fortbildungen eingeräumt werden sollten. „Da, wo der Arbeitgeber einen Vorteil hat, spielt Geld keine Rolle, aber wir fallen mit unseren Ansprüchen hinten runter“, rief Fischer den Streikenden zu.

Beifall für Erndtebrücker Eisenwerk

Komplettiert wurde die Reihe der Forderungen mit dem Ruf nach 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die nächsten zwölf Monate , für den Hartwig Durt ans Rednerpult trat. Die Gewerkschaft orientiere sich dabei an der gestiegenen Produktivität, den Preisteigerungen und sie wolle eine Umverteilung von oben nach unten.

Lokal begründet Durt die Forderungen auch mit Berichterstattungen der Westfalenpost vom 28. Januar. Unsere Zeitung titelte „Heimische Industrie trotzt der Russland-Krise“. Um 1,7 Prozent seien die Exporte der Industrieunternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten gestiegen. Und die Exportquote des IHK-Bezirks Siegen-Wittgenstein/Olpe habe in den ersten elf Monaten 2014 sogar bei 43,7 Prozent gelegen. „Das sind Zahlen, da träumen andere von“, so Durt. Und er bekräftigte, dass gute Löhne auch den Konsum befeuerten, was wiederum der Konjunktur zugute komme. Der Gegenvorschlag der Arbeitgeber von 2,2 Prozent mehr Geld, und das auch erst ab März, sei zuwenig. Durt setzt auf die Einsicht der Unternehmer und lobt dabei den Erndtebrücker Jörg Schorge: „Ich weiß nicht, wie er das immer schafft. Das Orakel von Erndtebrück war mit seinen 3,8 Prozent ganz nah an unseren Forderungen. darauf können wir aufbauen“, sagt Durt und forderte den EEW-Betriebsratschef Rüdiger Mettbach auf, Schorge zu sagen, dass er Beifall auf der Gewerkschaftskundgebung erhalten habe.