Gesalzene Vorgaben

Irgendwie ist der Sand, der eigentlich auf dem glatten Bürgersteig gestreut werden könnte, wohl in den Augen der Bürger gelandet. Klare Sicht hat man jedenfalls in Wittgenstein nicht, wenn es darum geht, was man beim privaten Winterdienst darf und was nicht. Die Unterschiede in den Satzungen von Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück sind so groß, dass man ruhig an der Sinnhaftigkeit der einen oder anderen Vorgabe zweifeln darf.


Dass es nicht besonders umweltverträglich ist, winterlicher Glätte mit Salz zu begegnen, ist nicht neu. Ebenso wenig allerdings auch die Tatsache, dass es kaum andere probate Mittel gibt, um im Straßenverkehr in den kalten Monaten für optimale Sicherheit zu sorgen. Wobei die Problematik sicherlich in Wittgenstein eine andere ist als im Ruhrgebiet, wo nur ein Bruchteil der winterlichen Niederschläge als Schnee niedergeht.


Deshalb dürfen die Autofahrer mehr als dankbar sein, dass Land und Kommunen ihnen die freie Fahrt in unserer Region mit Salzeinsatz sichern. Und auch auf Gehwegen sind kommunale Bedienstete nicht mit abstumpfenden Mitteln, sondern mit Streusalz unterwegs. Das ist nämlich nach wie vor die wirkungsvollste Methode, um Fußgänger vor Stürzen auf glattem Untergrund zu schützen. Hinzu kommt, dass es Städte und Gemeinden teuer zu stehen kommen kann, wenn Splitt, Sand oder sonstige Mittel in großen Mengen zum Einsatz kommen. Die Stadt Bad Laasphe hat deshalb klare Vorgaben geschaffen. Dort dürfen auch die Bürger mit Salz streuen – weil ansonsten Probleme mit der Kanalisation zu erwarten sind.


Weniger klar aufgestellt ist die Stadt Bad Berleburg, die Salzeinsatz nur in Sonderfällen genehmigt. Die Frage, wer entscheidet, was ein solcher sein soll, ist allerdings kaum von Bedeutung. Denn kon­trolliert wird nicht und eine Strafe ist ebenso wenig zu erwarten.


Erndtebrück droht Bürgern unterdessen mit massiven Strafen bis zu 250 Euro wenn sie auf Gehwegen mit Salz für Verkehrssicherheit sorgen. Dass die Gemeindebediensteten unterdessen gleich nebenan mit dem Streufahrzeug auf dem Bürgersteig unterwegs sind, scheint da nicht zu stören. Frei nach dem Motto: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es lange nicht dasselbe.

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