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Geld-Strafen für Schützenfest-Randalierer

21.04.2010 | 10:44 Uhr
Geld-Strafen für Schützenfest-Randalierer

Bad Berleburg. „So etwas habe ich in meinen 27 Dienstjahren noch nicht erlebt", sagte ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Damit beschrieb er die Ereignisse und das unfassbare Chaos im Juli 2009 beim Berleburger Schützenfest.

Angeklagt waren vier junge Leute aus Berghausen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Ausschreitungen auf dem Bad Berleburger Schützenfest im Juli vergangenen Jahres waren enorm. Nur mit massivem Einsatz von Pfefferspray und Fixierungen konnten zwei Streifenwagenbesatzungen im Sommer dem Chaos auf dem Festplatz Herr werden.

Stühle geworfen

Was war passiert? Zwei junge Männer, 18 und 20 Jahre alt, sowie eine 19-jährige Frau waren aufgefallen, weil sie Stühle durch die Gegend warfen. Die Security verwies sie vom Schützenplatz, doch sie kamen immer wieder zurück. Die Polizei wurde alarmiert und als die Beamten eintrafen, war ein weiterer 21-jähriger Berghäuser aufgetaucht, der versuchte, auf den Schützenplatz zu gelangen. Er berichtete im Gericht, dass er schon zu Hause war und mit einem Bekannten noch einmal zum Schützenfest gefahren war, um einen Freund abzuholen. An mehr wollte oder konnte er sich nicht erinnern.

„Die Erinnerungslücken halte ich für gelogen", befand Amtsanwältin Judith Hippenstiel nach Vernehmung der übrigen Zeugen. Die sagten nämlich alle aus, dass der Angeklagte genau wusste, was er tat. Er war es auch, der von den Polizeibeamten als größter Randalierer festgestellt wurde. Bei der erforderlichen Festnahme leistete er massvien Widerstand, verletzte zwei Beamte. Auch als er in den Streifenwagen gebracht worden war, randalierte er weiter und zerstörte einen Teil der Innenausstattung.

Mehrere Personen am Streifenwagen hatten versucht, den Täter wieder zu befreien. Nur durch Pfefferspray konnten sie in Schach gehalten werden. „Die kamen immer wieder zurück. Sowas habe ich auch noch nicht erlebt", berichtete einer der Polizeibeamten.

In den Bauch getreten

Auch die übrigen Angeklagten zeigten sich nicht viel besser: Einer von ihnen hatte beim Umstieg in einen anderen Streifenwagen einen Beamten in den Bauch getreten. Der jüngste der vier Beschuldigten hatte zu Beginn des Polizeieinsatzes massiven Widerstand geleistet, sich dann aber beruhigt.

Auf der Polizeiwache, wo die Personalien der jungen Frau festgestellt werden sollten, beleidigte diese die Beamten schließlich noch mit den Worten „Fuck You!" Auch von allen anderen Angeklagten gingen Beleidigungen und Todesdrohungen gegen die Polizeibeamten aus. „Das sind nicht nur Polizeibeamte. Dahinter stehen auch Menschen. Ich möchte jeden dieser Angeklagten einmal sehen, wenn er anderen helfen möchte und dann in einer so asozialen Weise, wie es sich die Angeklagten hier auf den Kopf schreiben müssen, angegangen wird", gab Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel in ihrem Plädoyer zu bedenken.

Als Quittungen erhielten alle Angeklagten nach Erwachsenenstrafrecht empfindliche Geldstrafen, angepasst an ihr Einkommen, das zumeist aus Arbeitslosengeld besteht. Der Haupttäter, ein seit Februar Arbeitsloser, muss nun 160 Tagessätze zu 20 Euro zahlen, ein Mitangeklagter Ein-Euro-Jobber, der bereits ein Schmerzensgeld an den Polizeibeamten wegen dem Bauchtritt bezahlt, muss 100 Tagessätze zu 10 Euro bezahlen.

Chance genutzt

Er war der Einzige, der am Dienstag die Chance nutzte, sich zu entschuldigen - wenn auch oberflächlich. Der jüngste Angeklagte, der trotz fehlendem Schulabschluss eine Lehre zum Kfz-Lackierer absolviert, muss für seinen Widerstand 70 Tagessätze zu 10 Euro und die junge Frau, die ohne Schulbildung und von einem Ein-Euro-Job lebt, für die Beleidigung 50 Tagessätze zu 10 Euro bezahlen.

„Es ist unglaublich, mit welcher unverschämten Art und Weise Sie sich hier auf ehrenamtlich engagierten Festen aufführen", wandte sich Richter Torsten Hoffmann in der Urteilsbegründung an die Angeklagten.

mb



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