Geld aus Energie

Natürlich geht es beim Thema Energie um Entscheidungen, die für unsere Kinder und Enkel enorm wichtig sind. Und natürlich gibt es einen gesellschaftlichen Konsens zum Atomausstieg – zumindest in Deutschland. Das ist gut und wichtig. Aber es sind die kleineren Probleme, die uns vor Ort in diesem Zusammenhang beschäftigen. Die sind für die Betroffenen aktueller und sie greifen zumindest derzeit tiefer in das alltägliche Leben ein als energetische Zukunftsplanungen.


Wer, wie die Wunderthäuser, ein Windrad in unmittelbarer Nähe seines Lebensraums hat, der spürt nicht nur bildlich die Schattenseiten des Atomausstiegs – mit Schlagschatten der Riesenflügel und Infraschall. Dass gesundheitliche Risiken von Investoren gern kleingeredet werden, ist verständlich. Schließlich geht es ums große Geld. Das wird künftig nicht mehr mit Atomkraftwerken verdient, sondern mit den energetischen Spargeln, die zunehmend auch in Wittgenstein in der Landschaft stehen.


Und wie sehr Geld auch Meinungen pro oder contra Windkraft bestimmt, das lässt sich ebenfalls vor Ort ablesen. Denn die Windräder – das wird in der Diskussion oft vergessen – benötigen Grundstücke, auf denen sie stehen. Die gehören in der Regel Menschen, die auch in Wittgenstein leben und die Nachteile für Mensch und Natur wortwörtlich „in Kauf“ nehmen, wenn für landwirtschaftlich genutzte oder Waldflächen plötzlich Jahreseinnahmen in fünfstelliger Höhe winken.
Das ist ebenso menschlich wie das Interesse der Kommunen, ihre Vorrangzonen möglichst dort anzusiedeln, wo sie die eigenen Bürger am wenigsten stören (und die Politiker am wenigsten Wählerstimmen kosten können). Für die hessische Gemeinde Bromskirchen liegt dieses Gebiet an der Grenze zu Wunderthausen. Da wird der Hinweis auf gute nachbarschaftliche Beziehungen, den der Wundert­häuser Ortsvorsteher in dieser Woche zusammen mit einer mehrseitigen kritischen Stellungnahme auf den Weg brachte, wahrscheinlich wenig nutzen.


Schon in der Vergangenheit sind Proteste aus NRW bei den hessischen Nachbarn eher wirkungslos verpufft. Wie sagt der Volksmund so treffend: Bei Geld hört die Freundschaft auf.