Gehen lernen für eine ungewisse Zukunft

Auf die Beine helfen: Dr. Ralf-Achim Grünther (links) unterstützt Dejan Kucovec bei seinen ersten Gehversuchen.
Auf die Beine helfen: Dr. Ralf-Achim Grünther (links) unterstützt Dejan Kucovec bei seinen ersten Gehversuchen.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Dejan Kukovec hat bei einem Arbeitsunfall beide Unterschenkel verloren: Bei Bauarbeiten in einem Tunnel im hessischen Schwalmstadt zerschmetterte ihm eine defekte Verschalungsmaschine beide Füße und Unterschenkel, so dass die Chirurgen nur durch eine Notamputation sein Leben retten konnten. Drei Wochen später ist der 26-jährige Slowene zur Rehabilitation in der orthopädischen Klinik des Helios Rehazentrums Bad Berleburg - Baumrainklinik, wo er mit Unterschenkelprothesen das Laufen wieder neu erlernen muss.

Dramatischer Unfall

Dejan Kukovec ist Montageleiter in einer slowenischen Firma. Er war nach Schwalmtal gekommen, um Bauarbeiten an einem Tunnel durchzuführen. Doch dort ereignet sich Dramatisches: Eine Verschalungsmaschine bricht in sich zusammen, Teile stürzen auf Kukovec herab und verletzen den 26-Jährigen und einen Kollegen schwer. Kukovec wird mit dem Rettungshubschrauber in ein nahegelegenes Krankenhaus geflogen. Dort entscheidet ein Notärzteteam, dass beide Beine nicht mehr zu rekonstruieren sind und etwas unterhalb des Kniegelenkes amputiert werden müssen. Nur so können sie sein Leben retten. Kukovec hat Glück und überlebt, doch wird sein Leben nie mehr so sein wie vor dem Unfall.

Mediziner voller Zuversicht

Am 18. November wird der junge Mann zur Rehabilitation in das Helios-Rehazentrum Bad Berleburg - Baumrainklinik überwiesen. Chefarzt Dr. Ralf-Achim Grünther ist auf Amputationspatienten spezialisiert und kennt die speziellen Therapieanforderungen und Erfolgsaussichten: „Herr Kukovec ist jung und motiviert, daher sind seine Genesungschancen gut. Ich bin zuversichtlich, dass er mit den Prothesen zukünftig sehr gut laufen kann.“ Und tatsächlich, als er seine ersten Unterschenkelprothesen erhält, steht Kukovec wieder auf - nur 4 Wochen nach der Notamputation. „Es fühlt sich komisch an, klappt aber eigentlich schon ganz gut“, sagt Dejan Kukovec.

Es liegt jedoch noch ein weiter Weg vor ihm. Mit den Unterschenkelprothesen laufen ist ganz anders, als man es von den eigenen Beinen gewohnt ist. „Beinamputierten Menschen fehlt der Kontakt zwischen Boden und Fußsohle – dort sitzen ca. 20.000 Nervenzellen, die bei gesunden Menschen den Boden erfühlen und die richtigen Bewegungen auslösen - beispielsweise beim Sport oder beim Treppensteigen“, sagt Dr. Grünther. Bis Dejan Kucovec diesen Verlust ausgleichen kann, wird es noch ein wenig dauern.

Blick zurück blockiert nur

Derzeit übt er fleißig mit seinen ersten Unterschenkelprothesen, die Bleibenden erhält er in sechs bis acht Monaten. „Momentan sind die Beinstümpfe noch angeschwollen. Da jede Prothese eine individuelle Anfertigung ist, warten wir diese Zeit der biologischen Stumpfformung ab“, erklärt Dr. Grünther das Verfahren.

Bis auf einen leichten Druck, spüre er keine Schmerzen, erklärt Kukovec. Ob sich sein Körper für ihn anders anfühle, als vor dem Unfall? „Nein“, sagt Kukovec und ergänzt „damit möchte ich mich gar nicht so sehr beschäftigen. Es muss weitergehen. Ein Blick zurück blockiert nur meine Genesung.“ Einen derartigen Willen gesund zu werden, haben nicht alle Patienten, weiß Dr. Grünther: „Viele Patienten haben nicht die Energie, die oft körperlich anstrengenden Rehamaßnahmen und Übungen regelmäßig und akribisch durchzuführen. Am Ende bewirkt jedoch genau diese „Verbissenheit“, dass Menschen wieder laufen lernen.“

Ungewisse berufliche Zukunft

Etwas schwer fällt es Kukovec dann doch: Die Erinnerungen an den Unfall kann er nicht ausblenden und auch die Angst vor der Zukunft macht ihm zu schaffen. „Wie es beruflich weitergeht, weiß ich noch nicht. Mein Chef sagte, dass ich eine Umschulung machen muss. Aber richtig konkret haben wir noch nicht gesprochen.“ Bis zum Jahresende wird Kukovec im Helios Rehazentrum Bad Berleburg - Baumrainklinik bleiben. Doch hat er den Wunsch in 6 bis 8 Monaten zurückzukommen, um seine endgültigen Prothesen in Empfang zu nehmen. „Ich werde hier sehr gut beraten und versorgt – ich würde mich freuen, wenn die Ärzte und Therapeuten mich auch bei meinen ersten Gehversuchen mit den neuen Prothesen unterstützen.“