Gegenwind aus der Nachbarschaft

Windräder in Bromskirchen bei Wunderthausen an der Grenze zu Hessen im Vordergrund,
Windräder in Bromskirchen bei Wunderthausen an der Grenze zu Hessen im Vordergrund,
Foto: Tobias Treude
Was wir bereits wissen
Zu den neuen Bromskirchener Windkraftplänen gibt es reichlich Stellungnahmen. Das Projekt „Windpark Ost“, das auch von Wunderthausen zu sehen ist, schreitet voran.

Wunderthausen/Bromskirchen..  Zahlreiche Stellungnahmen zu den geplanten Windparks sind bei der Gemeinde Bromskirchen eingegangen. Während der Investor für die Fläche beim Feriendorf optimistisch ist, liegen die Pläne für neue Anlagen bei Wunderthausen wohl vorerst auf Eis.

In Bromskirchen schreiten die Planungen für den Windpark in der Nähe des Feriendorfs voran. „Die Fachleute auf der Planungsseite gehen davon aus, dass der Windpark Bromskirchen-Ost beplant werden kann“, erklärte Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. Stand jetzt, rechnen die Investoren von MLK Consulting damit, dass der Flächennutzungsplan wie vorgesehen geändert werden kann.

Zwar sei die Aussage noch mit Vorsicht zu genießen, doch nach grober Sichtung der eingegangenen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange – wie Nachbarkommunen und Naturschutzverbänden – seien die Planer optimistisch. Allerdings fehlen noch die wichtigen Stellungnahmen von Landkreis und Regierungspräsidium.

Bis zu 220 Meter hoch

Nach Vorstellung der Investoren soll an der Grenze zu Hallenberg ein Windpark mit sieben Windrädern entstehen (siehe Grafik). Diese sollen eine Nabenhöhe von 140 bis 160 Meter haben und können insgesamt bis zu 220 Meter groß sein.

Laut Frese will der Investor nun die nächsten Schritte einleiten. So sollen gezieltere Windmessungen für die Suche des genauen Standorts vorgenommen werden. Zudem müsse Klarheit in Bezug auf die Erschließung geschaffen werden. Eine weitere Frage ist, wie der Strom am besten in das Umspannwerk in Battenfeld eingespeist werden kann. Noch ist das alles sehr theoretisch – und abhängig vom übergeordneten Teilregionalplan Energie Nordhessen. Dieser wird voraussichtlich im Februar offengelegt.

Bestandteil des Plans ist auch die Fläche für den Windpark Bromskirchen-Ost. „Bevor der Regionalplan nicht genehmigt ist, wird das Regierungspräsidium auch nicht unseren Flächennutzungsplan genehmigen“, glaubt Frese. Dennoch würden die Arbeiten parallel vorangetrieben.

Repowering

Das sieht im Fall des Windparks Bromskirchen-West anders aus. Die bestehenden fünf Anlagen bei Wunderthausen sollten nach Möglichkeit im Zuge von Repowering durch größere Anlagen ersetzt werden. „Hier haben wir sehr viele Stellungnahmen erhalten“, sagt Frese. Diese würden zum einen von Privatpersonen aus dem Bad Berleburger Ortsteil kommen, aber auch fachliche Stellungnahmen stünden einer Umsetzung im Wege. Das heißt konkret: „Die Investoren überlegen, die Planungen dort zu stoppen. Dann würden wir uns im Flächennutzungsplan vorerst auf die Ost-Fläche konzentrieren“, sagt Frese.

Das dürfte zunächst manchen Kritiker aus Wunderthausen erleichtern. Allerdings hieße das auch, dass die bestehenden Anlagen weiter betrieben würden. „Es gibt für die Windräder einen Bestandsschutz“, erklärt Frese. Der Betreiber habe deutlich gemacht, die Anlagen aufrechterhalten zu wollen, sollte aus den Repowering-Plänen nichts werden.

Widerstand im Dorf groß

Gegen die Verwirklichung von mindestens einem der beiden Windparks sprechen sich verschiedene Träger öffentlicher Belange und Privatpersonen in ihren Stellungnahmen aus:

Martin Schneider ist Ortsvorsteher von Wunderthausen und Parlamentarier in der Odebornstadt. Seit 1997 stehen fünf Anlagen in der Nähe des Dorfes, allerdings auf Bromskirchener Gemarkung. Einige wenige Einwohner profitieren davon, weil sie Geld für die verpachteten Flächen erhalten. Laut Schneider ist der Widerstand im Dorf groß. Er fordert den schnellstmöglichen Abbau der Windräder. Als Gründe nennt er unter anderem veraltete Abstandsregeln, Lärmbelästigung, Gesundheitsgefährdung durch Infraschall und Artenschutz. „Die fünf Anlagen machen bei Ostwind jetzt schon richtig Zirkus“, sagt Schneider, „das wird durch größere Anlagen bestimmt nicht besser.“ Pfeifende und heulende Geräusche würden die Einwohner belasten. Er glaubt, die Aussagen Freses, der Windpark West stehe auf tönernen Füßen, seien lediglich zur Besänftigung der Gemüter.

Seiner Einschätzung nach seien die Anlagen zu keiner Zeit zulässig gewesen – die Entfernung zu einem Gebäude betrage nur 220 Meter. Mit der Verlagerung der Windräder sollte dem von Seiten der Planer Rechnung getragen werden. Doch eine Entschärfung des Konflikts sieht Martin Schneider dadurch nicht.

Des Weiteren kritisiert er, dass für Berechnungen zur Immissionsbelastung falsche Zahlen herangezogen worden seien. Es werde von einer Gesamthöhe der neuen Windkraftanlagen von 200 Metern ausgegangen, diese liege aber bei 220 Metern. Somit müsste der Mindestabstand erhöht werden. „Für die Ortschaft Wunderthausen ist nicht verständlich, warum die Nachbargemeinde mit unablässiger Vehemenz die K-Fläche West (...) verwirklichen will“, heißt es in der Stellungnahme. Schneider wünscht sich, dass Investor und Gemeinde auf den Windpark verzichten, „aber daran glaube ich nicht“.

Massive optische Wirkung

Unterstützung erhält Schneider von der Stadt Bad Berleburg. „Wir sehen den Westbereich kritisch“, sagt Wolfgang Acker-Marx, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Wohnen. Es sei „von einer massiven optischen bedrängenden Wirkung“ auszugehen, heißt es in der Stellungnahme der Stadt, die ebenfalls den Abbau der bestehenden Anlagen fordert. Und weiter: „Auf die Etablierung des Windparks West sollte verzichtet werden.“ Sowohl die Stadt Bad Berleburg als auch Martin Schneider kritisieren, dass die bestehenden Anlagen als positives Kriterium für die weitere Planung aufgelistet werden. Dort steht: „Die Landschaft der K-Fläche West ist durch bisherige Windkraftanlagen erheblich vorbelastet. Nach Abbau der bestehenden Anlagen entsteht für die Siedlung Wunderthausen keine wesentliche Verschlechterung durch das Repowering.“

Ein Satz, für den es auf nordrhein-westfälischer Seite kein Verständnis gibt. Acker-Marx schreibt, dass die Belange der Bürger von Bad Berleburg nicht ausreichend ernst genommen würden. Er fordert zudem, dass sich die Planer mit einem Wasserschutzgebiet in Grenznähe beschäftigen. Von dort wird Trinkwasser für Anwohner der Hallenberger Straße gewonnen. Auch verweist er auf einen Schwarzstorch-Brutplatz im Streitwald in Wunderthausen, der in den Planungen nicht berücksichtigt worden sei. Gegen den Windpark Ost gibt es aus Bad Berleburg und Wunderthausen keine Einwände.

Mit dieser Fläche wiederum kann sich die Stadt Hallenberg nicht anfreunden. „Das würde uns überhaupt nicht gefallen. Wenn die Dinger gebaut werden, ragen sie weit über den Kreuzberg hinaus“, sagt Bürgermeister Michael Kronauge. Er sieht eine Gefahr für den Tourismus – auch mit Blick auf die Pastorenwiese, wo Wanderer und im Winter Langläufer die Natur zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen genießen. Allerdings würden ihm greifbare Gegenargumente fehlen, da etwa die Abstandsregeln eingehalten würden.

Urlaub unterm Windrad

Gegenwind gibt es auch von Privatpersonen. Martin und Marion Spies vermieten auf dem Hof Trambach zwischen Hallenberg und Wundert­hausen eine Ferienwohnung. Der Blick der Gäste würde künftig auf den Windpark-Ost fallen. „Es kommt keiner in den Urlaub, um Windräder zu sehen. Das ist das Gegenteil von Erholung“, beklagt Marion Spies. Für sie wäre das Standbein „Urlaub auf dem Bauernhof“ zum Scheitern verurteilt. Auch gehe es darum, die Lebensqualität auf dem Hof für folgende Generationen zu erhalten.

Sie und ihr Mann haben eine Stellungnahme bei der Gemeinde Bromskirchen abgegeben. Zunächst würden sie beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Klar ist aber: „Wir werden nicht untätig zusehen. Wir werden wie David gegen Goliath gegen die Windräder vorgehen.“ Marion Spies stört sich zudem an einem moralischen Aspekt. Die Windräder an der Gemeindegrenze zu errichten, trage nicht zu einer guten Nachbarschaft bei. Karl-Friedrich Frese verweist in diesem Zusammenhang auf Windmessungen und Planungen des Landes Hessen, wonach diese Flächen für Windkraft geeignet sind. In Bromskirchen steht erst einmal die Sichtung aller Stellungnahmen an. Allein das dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.