Gefahren für Kinder im Internet sind nicht zu unterschätzen

Knapp ein Zehntel der Jugendlichen werde von Medienpädagogen bereits als suchtgefährdet eingestuft. Das Problem liege vor allem darin, dass Smartphones eine zunehmend unübersichtlichere Nutzungsoberfläche bekämen und Eltern sich oft nicht mit der neuen Technik auskennen. Jugendliche bewegten sich dadurch in einem abgeschlossenen Raum, können im Internet unbeobachtet machen, was sie wollen.
Knapp ein Zehntel der Jugendlichen werde von Medienpädagogen bereits als suchtgefährdet eingestuft. Das Problem liege vor allem darin, dass Smartphones eine zunehmend unübersichtlichere Nutzungsoberfläche bekämen und Eltern sich oft nicht mit der neuen Technik auskennen. Jugendliche bewegten sich dadurch in einem abgeschlossenen Raum, können im Internet unbeobachtet machen, was sie wollen.
Foto: WAZ FotoPool

Bad Berleburg..  „Kinder finden Privatsphäre-Eintellungen nicht gut. Die setzen sich absichtlich aus, um Zuspruch zu bekommen“, sagte Susanne Bald, Berleburger Kriminalbeamtin vom Kommissariat für Vorbeugung der Polizei NRW. „Neue Medien, Handy und Internet - Risiken für Kinder und Jugendliche!?“ war das Thema der Infoveranstaltung für Eltern in der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule, zu dem die Landfrauen Bad Berleburg eingeladen hatten. Die Kriminalbeamtin erklärte, Kinder besäßen heute schon im Grundschulalter ein Handy. In den weiterführenden Schulen seien Smartphones mit Internetzugang flächendeckend bei den Kindern zu finden.

Zahlen und Fakten

Knapp ein Zehntel der Jugendlichen werde von Medienpädagogen bereits als suchtgefährdet eingestuft.

Das Problem liege vor allem darin, dass Smartphones eine zunehmend unübersichtlichere Nutzungsoberfläche bekämen und Eltern sich oft nicht mit der neuen Technik auskennen. Jugendliche bewegten sich dadurch in einem abgeschlossenen Raum, können im Internet unbeobachtet machen, was sie wollen.

Doch genau dort bestehe die Gefahr. Apps seien oft nicht jugendfrei und noch dazu richtige Datenschleudern. Nutzungsbedingungen ständen oft im Kleingedruckten, würden überlesen und akzeptiert - oft ohne nachzudenken.

Cybermobbing ist wie Mobbing in der Schule, nur online. Gerade die Kommunikations-App WhatsApp biete dafür Raum in unüberschaubaren Gruppenchats. Sexting, „das sind die heutigen Liebesbriefe“, erklärt Susanne Bald. Junge Paare schickten sich gegenseitig anzügliche Bilder, die spätestens, wenn eine junge Beziehung endet, zum Druckmittel werden können. Kinder seien experimentierfreudig und so etwas lande dann häufig in den falschen Händen, so die Kriminalbeamtin. „Seelische Schäden, die dadurch entstehen, sind gewaltig!“

Hoher Anpassungsdruck

Jugendliche empfinden einen hohen Anpassungsdruck, der von der Gruppendynamik im Freundeskreis und der Position des Einzelnen abhängig ist. Je schlechter der Stand eines Kindes in der Klassengemeinschaft ist, desto höher könne der Druck empfunden werden, durch neueste Technik, Erreichbarkeit und verbotene Inhalte zu punkten.

„Man sollte nur das schreiben, was man dem anderen auch ins Gesicht sagen würde“, so die Kriminalbeamtin. Das werde oft vergessen und nicht selten komme es dadurch zu Straftaten. Die Palette reicht von Beleidigung, übler Nachrede, Nötigung, Bedrohung, Erpressung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen bis hin zu illegalen Downloads.

Auch im Internet gelten Regeln

Genauso können Jugendliche aber auch Ziel unangemessener Inhalte wie zum Beispiel verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung oder Gewaltdarstellungen werden.

„Das Handy unter den Weihnachtsbaum legen und nicht mehr drum kümmern, geht gar nicht“, so Susanne Bald. Für App-Stores gibt es Jugendschutzeinstellungen, besonders Apps und Gruppenchats sollten im Auge behalten werden. Reden sei das Wichtigste: „Man sollte mit dem Kind aushandeln, gemeinsam aufs Handy zu schauen – anders bekommt man das nicht in den Griff.“