Gefährlicher Mix: Hitze und Alkohol

Bei der lang anhaltenden Hitze muss der Notarzt öfter als sonst rausfahren – aktuell am Donnerstagnachmittag zu einem internistischen Notfall auf dem Ederradweg zwischen Meckhausen und Arfeld.
Bei der lang anhaltenden Hitze muss der Notarzt öfter als sonst rausfahren – aktuell am Donnerstagnachmittag zu einem internistischen Notfall auf dem Ederradweg zwischen Meckhausen und Arfeld.
Foto: Matthias Böhl
Was wir bereits wissen
Die tropische Hitze in den letzten Tagen soll sich in Wittgenstein auch in der kommenden Woche noch fortsetzen. Temperaturen diesen Ausmaßes ist man in Wittgenstein und auch in ganz Mitteleuropa nicht gewöhnt. Gibt es Gefahren für die Gesundheit der Menschen und wie kann man vorbeugen?

Wittgenstein..  Die tropische Hitze in den letzten Tagen soll sich in Wittgenstein auch in der kommenden Woche noch fortsetzen. Temperaturen diesen Ausmaßes ist man in Wittgenstein und auch in ganz Mitteleuropa nicht gewöhnt. Gibt es Gefahren für die Gesundheit der Menschen und wie kann man vorbeugen? Dazu der Chefarzt der Kardiologie am Helios Klinikum Bad Berleburg und Notarzt des Rettungsdienstes, Dr. Frank Melz.

Stellen die hohen Temperaturen unseren Körper vor ernsthafte Gefahren?

Dr. Frank Melz: Natürlich sind diese Temperaturen für uns Mitteleuropäer sehr extrem. Insbesondere die lang anhaltende Hitze sind wir hier nicht gewöhnt, und das stellt unseren Körper schon vor erhebliche Probleme. Aber das ist überlebbar, wenn man sich an wichtige Spielregeln hält.

Welche Spielregeln können Sie unseren Lesern an die Hand geben?

Wichtig ist es, ausreichend zu trinken. Normal soll man am Tag bis zu zwei Litern trinken. Hier würde ich – je nach Tätigkeit – bis hin zu der vierfachen Menge raten. Man muss sich auch ein wenig dazu zwingen und nicht warten, bis das Durstgefühl kommt. Körperliche Arbeit und der Aufenthalt in der prallen Sonne sollten sehr stark eingeschränkt, am besten vermieden werden. Bewegung und leichter Sport sind ok, aber nur morgens oder abends, wenn es kühler ist. Und auch die Ernährung sollte man entsprechend anpassen. Leichte Mittelmeerkost ist ideal, auf fettreiches Essen eher verzichten, aber natürlich kann man auch mal grillen bei dem Wetter. Und wenn man trinkt, sind Fruchtsäfte, Wasser oder Tees am besten geeignet.

Wie sieht das aus mit Alkohol, gerade im Hinblick auf das Schützenfest in Bad Berleburg am Wochenende?

Hitze, Sonne, Alkohol und Feststimmung. Das sind gleich mehrere Faktoren, die gefährlich sind und es schwer machen, auf das Alkohol trinken zu verzichten. Aber man muss einfach trotz der Hitze einen kühlen Kopf bewahren und es nicht übertreiben. Auch bei den verlockenden Freibierangeboten muss man sehr vorsichtig sein, sonst kann es schnell ein böses Erwachen geben.

Welche Folgen kann ein Missbrauch mit Alkohol oder die Hitze im Allgemeinen für die Menschen haben?

Die Menschen fallen in der Regel erst einmal um. Hinzu kommen durch den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten Herzrhythmusstörungen, oder ein akutes Nierenversagen. Gerade die Niere reagiert sehr sensibel auf Flüssigkeitsmangel. Die erhöhten Ozonwerte im Zusammenhang mit der Hitze reizen die Atemwege und auch die Sonneneinstrahlung ist natürlich auf Dauer schädlich und bringt Langzeitfolgen mit sich. Ein direktes Herzinfarktwetter ist das eigentlich nicht, die Gefäße stellen sich eher weit. Es liegt auch sicher daran, dass viele Menschen vernünftig sind und sich schon entsprechend schonen. Wenn das Wetter plötzlich wieder kälter wird oder in Schmuddelwetter umschlägt, dann sind Herzinfarkte ein größeres Risiko.

Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind?

Insbesondere alte Menschen und kleine Kinder sind besonders gefährdet. Im Alter lässt das Durstgefühl nach und das Bewusstsein, ausreichend trinken zu müssen, sinkt. Hier empfehle ich, die Trinkmengen streng nach zu halten und gegebenenfalls aufzuschreiben. Nicht auf ein Durstgefühl warten, sondern unbedingt vorher trinken. Viele Menschen sind Herzschwach oder müssen zu Dialyse. Da gibt es oft vorgeschriebene Resttrinkmengen, die diese Menschen trinken dürfen, um die Organe nicht zu belasten. Patienten dieser Risikogruppen sollten ihre Trinkmengen unbedingt mit ihrem Hausarzt besprechen. Kinder sind ebenfalls besonders gefährdet, da sie nur einen sehr kleinen Wasserspeicher in ihrem Körper haben. Auch hier müssen die Eltern akribisch auf die Trinkmenge und die anderen Spielregeln achten.

Gab es schon viele „Hitzenotfälle“ in den vergangenen Tagen?

Es sind bereits sehr viele Patienten mit Niereneinschränkungen gekommen. Aber am Wochenende rechnen wir mit deutlich erhöhten Patientenzahlen und Einsätzen.