Ganz gefährliche Lieb- und Liedschaften

Fräulein Lenz (Ulrike Wesely) reichte mal Herrn Nieß die virtuelle Hand, von Frau zu Mann, mal erstach sie ihn, erwürgte oder erschoss den Mann an ihrer Seite.
Fräulein Lenz (Ulrike Wesely) reichte mal Herrn Nieß die virtuelle Hand, von Frau zu Mann, mal erstach sie ihn, erwürgte oder erschoss den Mann an ihrer Seite.
Foto: Christiane Sandkuhl
Was wir bereits wissen
Ein verbaler Schlagabtausch der besonderen Art war’s – um Liebe, Ehe, Eifersucht, Wahnsinn, Hass und Mord. Passende Kulisse dafür: die Bad Berleburger Schloss-Schänke.

Bad Berleburg..  Gefährliche Liedschaften? Gefährliche Liebschaften? Es ist beides richtig, mit dem sich Fräulein Lenz alias Ulrike Wesely und Herr Nieß (Wolfgang Nieß) einen selten dagewesenen verbalen Schlagabtausch in der Berleburger Schloss-Schänke lieferten. Doch worum ging es eigentlich bei der „Cool-Tour“-Posse, welche die Kulturgemeinde diesmal für ihr Publikum zu Gehör und von Angesicht zu Angesicht aufs Tapet brachte?

Natürlich um unser aller Lieblingsthema: Liebe, Ehe, Eifersucht, Wahnsinn, Hass und schließlich Mord. Und das drapierten die beiden Vollblutmusiker – sie Cellistin, Sängerin und Theaterpädagogin, er Pianist und Instrumental-Pädagoge – in feinsten „Singsang“, in edelsten Zwirn der Chansons von Kreisler, hin zu Hollaender. Und auch Bertold Brecht kam nicht zu kurz.

Eines sei mit Ausrufezeichen bemerkt: Die Blondine und der drahtige Herr an ihrer Seite schenkten sich nichts – außer den gesamten Abend über verstohlene Blicke, bissige Pointen und spitze Hacken. Da muss Frau beziehungsweise Mann erst mal mit zurecht kommen. Für beide Zungen-Artisten, Geräusch-Künstler und Instrumente-Beherrscher überhaupt kein Thema.

Bissige Pointen, spitze Hacken

Wird von Fräulein Lenz der Aufsitzrasenmäher als „Verkehrsgerät“ deklariert und als Lustspender für den Hobbygärtner, liefert Herr Nieß sogleich die Gegendarstellung mit singender Säge und der Hollywood-Schnulze für „True Love“ schlechthin. Über diese Frotzelei zum weiblichen schmachtenden Geschlecht hätten sich Bing Crosby und Grace Kelly köstlich amüsiert. Doch auch hier gilt: aller Mannfang ist schwer.

Und schnell weiß dann Fräulein Lenz zu kontern. Der Löwenzahn ist männlich? Ja! Und er ist schon als Einzelexemplar für die begeisterte Hobbygärtnerin mit großem Grundstück und Aussicht übers Siegerland ein unerträglicher Anblick. Vermehrt er sich auch noch rasend schnell und wächst seine Anzahl ins Unermessliche, so gibt es einen Trost: Er verblüht, verwelkt genau so schnell, wie er den Garten der Chansonette „bevölkerte“. Und schon ist der Ärger mit solch einem „Mann“ vorbei.

Der Neandertaler als Opfer

Nur ein toter Mann ist ein guter Mann. So krass kann auch nur Fräulein Lenz argumentieren. Wir haben sie ja jetzt kennengelernt. Gleich zu Beginn stellte sich natürlich die Frage, wie sie mit gut 95 Prozent Frauen im Lokal umgeht, sie hat eigentlich nur sehr vereinzelt Angriffsfläche auf maskulines Fleisch. Doch da saß er, der „Neandertaler“, das Opfer im Publikum. Nennen wir ihn Herrn Engels. Allein, aber nicht hilflos war er der „Walküre“ ausgeliefert. Mit gewinnendem Lächeln und hier und da eigenen leisen Pointen wand sich der mittig sitzende Herr aus seiner misslichen Lage heraus. Wäre doch gelacht, wenn der gestandene Mann der Kopf-Kino-Mörderin (sie träumt sich Menschen, die sie nicht mag einfach tot), nichts entgegenzusetzen hätte.

Schließlich ließ sie von ihm ab, konzentrierte sich mit klavierspielendem Herrn Nieß im Rücken und Georg Kreisler auf der Zunge, auf sich selbst und besann sich auf ihre Unwiderstehlichkeit, auf ihren Charme mit dem sie jeden Ehemann in die Kiste unter die Erde oder anderweitig ins Jenseits katapultierte.

Edith Piaf gab der Blondine mit der kessen Klappe aus Silberg bei Kirchhundem Hilfestellung. „Je ne regrette rien“ – bloß keinen Mord bereuen und immer weiter so. Schließlich ist Frau ja wer.

Und Herr Nieß? Er nahm das Thema Gattenmord unter Berücksichtigung der Gutmütigkeit des Mannes allgemein unter die Lupe und resümierte alle Männer in die Opferecke. Der Mann windet sich halt anders aus dem Ungeliebtsein heraus. Mit List als Dracula oder tierisch verunstaltet als Wolf im leicht abgeänderten „Rotkäppchen“ schlüpft er durch das Schlüsselloch des „Psychos“, wenn er schließlich zum Mörder wird. Das entschuldigt fast alles und würde für ihn vor Gericht maximal mildernde Umstände bringen. So ist das mit den Männern. Am Ende sind sie alle Verbrecher, aber lieb sind sie doch.