Fütterungsverbot - Prinz Richard will für Ansichten kämpfen

Der Direktor der Wittgenstein Berleburg'schen Rentkammer, Johannes Röhl, schaut auf Fotos, die einen Verstoß gegen das Winterfütterungsverbot zeigen sollen.
Der Direktor der Wittgenstein Berleburg'schen Rentkammer, Johannes Röhl, schaut auf Fotos, die einen Verstoß gegen das Winterfütterungsverbot zeigen sollen.
Foto: WP
Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein ist bereit, für seine Ansichten zu kämpfen. Er will bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Bad Berleburg.. Der Bad Berleburger Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein sieht seine Eigentumsrechte durch die Wildfütterungsverbote nicht nur im geplanten Ökologischen Landesjagdgesetz eingeschränkt. Dabei hofft Prinz Richard auf die Unterstützung des Landesjagdverbandes NRW. Doch ausgerechent mit diesem mächtigen Verband liegt der Prinz zurzeit im Clinch.

Hintergrund ist, dass der Justiziar des LJV, Hans-Jürgen Thies, Fotobeweise für eine verbotswidrige Fütterungspraxis in den Wittgenstein-Berleburg’schen Wäldern an die Behörden weitergeleitet hat. Unabhängig vom rechtlich einwandfreien Bußgeldverfahren findet Rentkammerleiter Johannes Röhl, dass der Verband auch in Berleburg hätte anrufen können: „Das ist ungefähr so, als wenn sie der ADAC wegen zu schnellem Fahrens anzeigt. Dann würden sie doch austreten?“

Fütterung schade niemandem

Röhl lässt die Frage im Raum stehen und packt das generellere Problem an: Die Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg lebt von ihren rund 13.000 Hektar Wald. „Wir müssen mit dem Forst Gewinn machen“, erläutert Röhl. Aus forstwirtschaftlicher Sicht stört Wild dabei, weil es die jungen Triebe zertrampelt oder frisst. Aber für Prinz Richard gehört Wild zum Wald. „Er möchte das haben. Deshalb füttern wir mit artgerechtem Futter, um Tiere und die Artenvielfalt zu erhalten. Und damit fügen wir niemandem Schaden zu“, erläutert Röhl seine Sicht.

Für den Forstdirektor ist das vergleichbar mit dem Recht eines Landwirts, auf seinen Flächen Kühe zu halten. Nur bei Wild ist es etwas komplizierter, weil es offiziell herrenlos ist. Allerdings verfügt die Rentkammer über enorme und zusammenhängende Flächen. Sie zählt zu den fünf größten Waldbesitzern in Deutschland. Mit der Fütterung kann man Wild relativ standorttreu halten und so auch Schäden in der Nachbarschaft verhindern.

Mit Jagd ist kein Profit zu machen

Die Jagd, zum Beispiel auf kapitale Hirsche oder Muffeltrophäen, spiele dabei für die Rentkammer wirtschaftlich eine untergeordnete Rolle, auch wenn bis zu 15 Tonnen Wildbret pro Jahr verkauft werden. „Wir machen mit der Jagd keinen Profit“, so Röhl.

Gegendarstellung Neben dem Ärger über das geplante generelle Fütterungsverbot für Schwarzwild und der Reduktion der Zufütterung bei Rotwild auf Heu und Grassilage hat Großgrundbesitzer zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg auch anderen Ärger. Mit seiner Fütterungspraxis hat er Gegner aus der Dickung geholt. Das beweisen die Fotos, die sich Johannes Röhl an seinem Rechner im Bad Berleburger Schloss anschaut. Ein anonymer, aber wohl ortskundiger, Fotograf hat sie an den Landesjagdverband geschickt.

Für den Laien unspektakulär

Die Bilder wirken für den Laien unspektakulär. Die meisten zeigen Maiskörner im Schnee und Matsch, einige aber Muffel an einer Futterstelle mit Rüben. Damit ist der Verstoß gegen das Winter-Fütterungsverbot bewiesen. Die von Röhl angeführte Ausnahme der Notzeitfütterung, die für Grundbesitzer oder Jagdpächter sogar verpflichtend ist, durfte nicht eigenmächtig ohne Erlaubnis des Kreisveterinärs geschehen. Die Anzeige ist zwar rechtlich einwandfrei, dennoch hätte sich Prinz Richard gerade wegen der anonymen Informanten, doch einen Anruf vom LJV gewünscht.