Für Berleburgs Senioren macht’s die Mischung

Bad Berleburg..  Seit der Kommunalwahl Ende Mai 2014 ist die gebürtige Berleburgerin Ursula Belz Ortsvorsteherin für die Kernstadt ihres Heimatortes. Aber die Hauptschul-Lehrerin ist außerdem aktiv im Stadtsportverband, im Kreissportbund, im Jugendförderverein, in der CDU. Und bekannt wie ein bunter Hund ist sie sowieso in der Stadt. Im Gespräch mit unserer Zeitung plaudert die 62-Jährige über ihre ganz alltäglichen Erfahrungen – und kündigt auch einen Rückzug an.

Frage: Wie war eigentlich der 5. Dezember vor Ihrer Haustür im Rahmen der Aktion „Lebendiger Adventskalender“? Ist die Aktion ein guter Ansatz der evangelischen Kirche vor Ort, „im Gespräch“ zu bleiben? Oder könnte da noch mehr, noch anderes geschehen?

Ursula Belz: Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass viele Zuhörer da waren und auch noch ein Weilchen zum Gespräch blieben. Bereits zum ersten Adventsfenster vor einigen Jahren habe ich einige Veranstaltungen besucht. Die Idee, die Gestaltung der Vorweihnachtszeit in mehrere Hände zu legen, ist für mich ein wunderbarer Ansatz, unsere weihnachtlichen Traditionen auch zu leben. Ob noch mehr geschehen könnte, hängt dann auch davon ab, welche Ideen sich noch umsetzen lassen. All das braucht ja Organisation und Menschen, die das auch wollen und machen.

Im Mai haben Sie als Ortsvorsteherin Kernstadt die Nachfolge von Hermann Kaiser angetreten. Wie waren die ersten Monate im neuen Amt?

Da waren zunächst ganz viele Fragen an die Stadtverwaltung und an meinen Vorgänger, Hermann Kaiser, mit immerhin 20 Jahren Erfahrung im Amt. Auf einer kleinen Stadtrundfahrt und bei einem Besuch im Bauhof konnte er mir vieles gut erklären: Wie die Arbeit auf dem Friedhöfen läuft, wer die Blumenkübel pflegt. Da war ganz viel Hilfsbereitschaft, in diese unbekannte Aufgabe langsam hineinzuwachsen. Und da ist vor allem der Wunsch, den vielfältigen Aufgaben als Ortvorsteherin für Jung bis Alt einigermaßen gerecht zu werden. Gerade für junge Leute könnte man die Angebote der Vereine vor Ort womöglich noch besser vernetzen.

Wie begegnen Ihnen die Menschen? Anders als früher? Wie treten Sie selbst diesen Menschen gegenüber?

Ich war ja vor der Wahl nicht ganz unbekannt in der Stadt. Aber man merkt schon, dass die „Rolle“ Ortsvorsteher eine Bedeutung hat. Oft nehmen Gespräche eine Richtung, die mit aktuellen Fragen zu Verwaltung und Politik zu tun haben und die die Menschen bewegen. Es gibt Hinweise auf Mängel oder auf Dinge, die man als Ortsvorsteher anstoßen oder in politischen Gremien zur Sprache bringen könnte.

Wo sind aus Ihrer Sicht die „Baustellen“ in der Kernstadt, für die es sich als Ortsvorsteherin besonders einzusetzen gilt?

Ganz wichtig wird es in der nächsten Zeit meiner Ansicht nach sein, dass wir miteinander einen sachlichen und gut praktikablen Umgang mit den Flüchtlingen der Unterkunft am Spielacker zu erarbeiten.

Wörtlich genommen finde ich: Der Zustand vieler Straßen und Bürgersteige in der Kernstadt ist schon bedenklich. In dem Zusammenhang steckt in meinem Kopf auch die Idee, einen Bürgerbus einzurichten – etwa für Senioren, die in der Oberstadt wohnen und in der Unterstadt einkaufen wollen.

Ich denke, dass man auch über den Wochenmarkt nachdenken sollte. Ihn könnte man attraktiver gestalten, würde man zum Beispiel mehr regionale Produkte anbieten.

Aktiv sind Sie außerdem im Jugendförderverein und im Stadtsportverband. Wie bekommen Sie Ihr vielfältiges Engagement unter einen Hut?

Das ist vom Zeitaufwand und zum Beispiel durch Terminüberschneidungen schon schwierig. Mit aus diesem Grund werde ich zur nächsten Wahl als Vorsitzende im Stadtsportverband auch nicht mehr kandidieren. Allerdings ist da für mich der Hauptbeweggrund sicher der, dass ich dieses Amt nun 20 Jahre innehatte – und der Meinung bin, dass vor dem Hintergrund vieler Neuerungen, die anstehen, es der Sache gut tut, wenn nun ein neuer Besen kehren kann.

Sie sind Lehrerin an der Bad Berleburger Hauptschule. Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Was hat Ihre Schüler da besonders bewegt, außer dem Lernstoff natürlich? Bleibt im Unterricht Zeit, darüber zu diskutieren?

Neben dem Lernstoff sind es oft sehr persönliche Dinge, die Schüler bewegen – etwa die Frage nach der beruflichen Zukunft. Nicht immer kann man sich dann nur auf die Vermittlung von Lernstoff beschränken. In der Schule hat man mit ganzen Menschen zu tun und muss sich Zeit nehmen für die Sorgen, die die Schüler haben – sonst kann auch das Lernen nicht funktionieren.

Stichwort Schulsport-Austausch mit Berlin-Spandau: Welchen Eindruck macht auf Sie als Mitreisende die Entwicklung der Hauptstadt im Vergleich zu unserer Region Wittgenstein? Lassen sich da womöglich auch Erfahrungen austauschen?

Wenn jemand wie ich Gelegenheit hat, jährlich in Berlin die Entwicklungen zu sehen, die einem Besucher ins Auge fallen, bin ich vor allen Dingen von den baulichen Veränderungen im Bereich Mitte beeindruckt. Die Hauptstadt mit unserer ländlichen Region zu vergleichen, ist ja gar nicht möglich. Interessant für mich war aber ein Gespräch, das unsere Schüler vor zwei Jahren mit unserem Bundestagsabgeordneten Willi Brase und dem Berliner Abgeordneten Sven Schulz geführt haben. Dort stellten sie das Konzept der Schule zur Berufsorientierung vor, das Schulz hochinteressant fand – und in dieser intensiven Art nicht von Berlin kannte.

Unsere Schüler und auch wir begleitenden Lehrer finden dann auch immer wieder spannend, die Unterschiede des Land- und Stadt-Lebens kennenzulernen. Das fängt bei den Verkehrssystemen an und geht weiter bis hin zu Feststellungen, dass Vorurteile zu Jugendlichen keinen Bestand mehr haben, wenn man sich erst einmal ein wenig kennengelernt hat.

Ihr Vorgänger als Ortsvorsteher hat sich intensiv gerade um die Senioren in der Kernstadt gekümmert – und dafür viel Lob geerntet. Wie haben Sie als seine Nachfolgerin diesen Faden aufgenommen?

Im Team der Seniorenbegegnungsstätte, das die Veranstaltungen hauptsächlich organisiert, sind tatkräftige Frauen, die mich freundlich als Nachfolgerin von Hermann Kaiser unterstützt haben. Ich bin ihnen ja auch nicht unbekannt gewesen, da ich in den letzten Jahren schon an einigen Veranstaltungen teilgenommen habe. Die Weihnachtsfeier ist in der bisherigen Tradition so fortgeführt worden und war gut besucht. Der bayerische Nachmittag im Herbst auf dem Kriegerplatz war in dieser Form neu und ist gut angekommen. So hoffe ich, dass wir miteinander die richtige Mischung finden, Bewährtes fortzuführen und das ein oder andere auch neu zu gestalten.

Ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr?

Vorsätze habe ich eigentlich nicht – aber Pläne, was im nächsten Jahr alles erledigt werden sollte, schon. Wenn das bei guter Gesundheit und mit Freude umgesetzt werden kann, bin ich sehr zufrieden. Außerdem würde ich nach 40 Dienstjahren als Lehrerin mein letztes Jahr an der Schule mit der Antwort abschließen, die ich immer geben konnte, wenn ich gefragt wurde: „Ich war immer gern Lehrerin.“