Fünf Jahre Verspätung

Eigentlich ist es ja höchste Eisenbahn, den hoffnungslos verkanteten Bahnübergang „Zum Heilbach“ ins Industriegebiet Aue bautechnisch auf ein funktionierendes Gleis zu setzen. Doch die Zeitschiene bei der Bahn als Bauherr ist lang. Und nicht nur aus meiner Sicht viel zu lang.


Wenn die DB-Anlagenplaner ihr Versprechen vom Info-Abend am Donnerstag halten, ist das Provisorium 2017 Geschichte. Dann wird man wohl in zwei Jahren die finale Inbetriebnahme mit dem fünfjährigen Baustellen-Jubiläum zusammenlegen können.


Im Übrigen wird das Gefälle laut Neuplanung wohl so ausfallen, wie es früher einmal war. Anders ausgedrückt: Hätte man am Übergang selbst nichts verändert und nur die Schranken-Technik erneuert, würde wohl heute niemand über ihn reden. Und schon gar nicht über die angeschwollenen Baukosten.


Für CDU-Fraktionschef Eberhard Friedrich aus Wingeshausen ist es ganz klar: „Das Projekt ist mit gepflegter Arroganz angegangen worden“ – das sagte er beim Info-Abend den beiden Planern der Bahn direkt ins Gesicht. Die entschuldigen sich zwar, reichen die Schuld aber gleich weiter an das beauftragte Ingenieur-Büro.


Beispiele für die zeitlichen Dimensionen, in denen die Bahn-Planer denken, gibt’s genug. Beispiel Finnentrop: Hier stand die DB jahrelang auf der Bremse – und verhinderte so die zeitnahe Verlegung einer Landstraße auf eine Brücke über die Gleise, um einen Bahnübergang in Höhe des Finnentroper Bahnhofs überflüssig zu machen. Wiederholt stieg dabei Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß die Zornesröte ins Gesicht.


Oder Siegen, Weiterbau der Hüttentalstraße in Richtung Süden. Auch hier ein Kampf, bis die Bahn bereit war, ein Zeitfenster für die Überbauung der Sieg-Strecke bei Niederschelderhütte zu öffnen – Verzögerung: ein Jahr. Wesentliche Begründung der DB in beiden Beispiel-Fällen: Man könne den Zugverkehr eben nicht „mal eben so“ kurzfristig stilllegen.


Das es auch anders geht, um den Zugverkehr ruhen zu lassen, beweist eindrucksvoll die Lokführer-Gewerkschaft GDL mit ihren Streiks. Nicht ganz ernst gemeinter Tipp an Baulast-Träger wie Städte oder den Landesbetrieb Straßen: Arbeitskämpfe und Bauarbeiten einfach zeitlich zusammenlegen!