Freundeskreis Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit ein Jahrzehnt lang geprägt

Die Wahlen im Vorstand des Laaspher Freundeskreises für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit brachten wenige Änderungen, hier stehen nochmal alle gemeinsam: Klaus-Peter Wolff, Christel Düsberg, Gisela Weissinger, Rainer Becker, Jens Gesper, Walburga Heinze, Werner Dürr, Marie-Luise Nier und Heinrich Höse (von links).
Die Wahlen im Vorstand des Laaspher Freundeskreises für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit brachten wenige Änderungen, hier stehen nochmal alle gemeinsam: Klaus-Peter Wolff, Christel Düsberg, Gisela Weissinger, Rainer Becker, Jens Gesper, Walburga Heinze, Werner Dürr, Marie-Luise Nier und Heinrich Höse (von links).
Foto: WP

Bad Laasphe..  Eine Ära ging jetzt beim Laaspher Freundeskreis für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Ende. Nach etwas mehr als zehn Jahren verabschiedete sich die Vorsitzende Gisela Weissinger aus ihrem Amt. Ihr Vorgänger ist jetzt auch ihr Nachfolger: Rainer Becker, der den Posten einst aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte, wurde einstimmig von der Versammlung zum Vorsitzenden gewählt. 15 Besucher zählte die Jahreshauptversammlung im Haus des Gastes.

Brücken zwischen Menschen gebaut

Wie Gisela Weissinger das Jahrzehnt geprägt hatte, das machten zu Beginn der Versammlung ein paar Sätze klar: Die Pfarrerin fand erstens deutliche, kritische Worte zum Umgang mit der Schändung des Mahnmals am Berleburger Berlebach und zum anschließenden Prozess in Dillenburg. Gisela Weissinger analysierte die Veränderungen in der Arbeit während der vergangenen zehn Jahre: Die Zeitzeugen werden weniger; die Erinnerung an den Holocaust besteht in immer weniger Familien in Deutschland und zwar nicht nur bei muslimischen oder russlanddeutschen Familien; die früheren Sowjetrepubliken Ukraine und Weißrussland sind als selbstständige Staaten ganz neu in den Blick geraten, der Freundeskreis hat hier eine Brückenbauer-Funktion; überall in Europa sind neue Nazis auf dem Vormarsch.

Bewegt dankte Gisela Weissinger allen Menschen, die sie in ihrer Arbeit unterstützt hätten, und versicherte den Zuhörern, dass ihre Jahre als Vorsitzende für sie „reiche Jahre“ gewesen seien.

Die stellvertretende Vorsitzende Christel Düsberg dankte ihrerseits Gisela Weissinger und ordnete im kurzen Rückblick deren Engagement ein. Es gebe viele Beweggründe, sich in der christlich-jüdischen Arbeit zu engagieren, in Gisela Weissinger vereinigten sich alle. Besonders würdigte Christel Düsberg die Leidenschaft in der Arbeit und die „große Hinwendung zu den Überlebenden des Holocausts und ihrer Nachkommen“. Mit regelmäßigen Briefen in die unterschiedlichsten Ecken der Welt, aber auch dem einen oder anderen Besuch informierte Gisela Weissinger die Nachfahren von Wittgensteinern über deren alte Heimat.

Pfarrer-Paar kündigt Weggang an

Die Ergebnisse der Arbeit blieben in Wittgenstein sichtbar und greifbar, war sich die stellvertretende Vorsitzende sicher: an den in Bad Laasphe verlegten Stolpersteinen und in dem geplanten Gedenkbuch an die Opfer, die nach Meinung der Nazis keine Wittgensteiner mehr sein sollten.

Bei dem Thema bremste der frisch gewählte neue Vorsitzende. Für das Buch sei schon viel recherchiert, aber das Ganze brauche noch Zeit. Auch er dankte seiner Vorgängerin, ihm sei bewusst, dass er in großen Fußstapfen unterwegs sei. So einstimmig wie seine Wahl fielen auch die übrigen aus.

Pfarrer Johannes Weissinger wird bis zum angekündigten Weggang des Ehepaars aus Wittgenstein den Vorstand weiter beraten, er hat im Wittgensteiner Kirchenkreis die entsprechende Beauftragung inne. Auch wenn die Gruppe Laaspher Freundeskreis für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit heißt, so gehören doch seit der jüngsten Wahl zwei Hinterländer zum Vorstand.