Flüchtlinge brauchen ein Dach über dem Kopf

Die ehemalige Turnhalle des Christlichen Jugenddorfes in Birkelbach könnte zur Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut werden. Die Gemeinde Erndtebrück sieht dort eine von mehreren Möglichkeiten
Die ehemalige Turnhalle des Christlichen Jugenddorfes in Birkelbach könnte zur Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut werden. Die Gemeinde Erndtebrück sieht dort eine von mehreren Möglichkeiten
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Über 700 000 Euro investieren die Wittgensteiner Kommunen Bad Laasphe und Erndtebrück noch in diesem Jahr in die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge. Jetzt muss gekauft, gebaut und gemietet werden.

Bad Laasphe/Erndtebrück..  Über 700 000 Euro investieren die Wittgensteiner Kommunen Bad Laasphe und Erndtebrück noch in diesem Jahr in die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge. Die Haushaltspläne wurden entsprechend angepasst. Jetzt muss gekauft, gebaut und angepasst werden. Mit den erheblichen Kosten fühlen sich die Wittgensteiner aber von Bund und Land alleingelassen: „In Berlin wird die schwarze Null beim Bundeshaushalt gefeiert wie der Tanz ums goldene Kalb und wir Kommunen pfeifen aus dem letzten Loch“, wettert Erndtebrücks Bürgermeister Karl Ludwig Völkel.

Allein seine Gemeinde muss in diesem Jahr 255 000 Euro ausgeben. Die Arbeiten an leerstehenden Räumen in der Rothaarsteigschule, die für eine kurzfristige Aufnahme von Flüchtlingen umgebaut werden, sind so gut wie abgeschlossen. Doch dieses Provisorium reicht nicht aus. Deshalb plant die Gemeinde den Kauf und anschließenden Umbau leerstehender Gebäude, erläuterte Bürgermeister Völkel. Was gekauft wird entscheide aber die Politik.

Nach bislang unbestätigten Informationen dieser Zeitung könnte die leerstehende, ehemalige Turnhalle des Christlichen Jugenddorfes in Birkelbach auf der Liste der potenziellen Wohnheimstandorte stehen.

Hauptschulgebäude in Laasphe tabu

Auch in Bad Laasphe reist der Zustrom von Asylsuchenden nicht ab. Der Laaspher Beigeordnete Dieter Kasper erläutert, dass Stadtverwaltung und Politik auf der Suche nach einem „für alle tragbaren Kompromiss“ sind. Da die im Haushalt frei gemachte Summe von 453 000 Euro für den Neubau von Gebäuden eher knapp bemessen ist, favorisiert Kasper die Beschaffung von vorgefertigten Containerlösungen. Eine Anmietung schloss Kasper wegen der Erfahrungen, die die Kommune in den 1990er Jahren mit langfristig genutzten Mietgegenständen gemacht habe aus. „Wir wollen einfach Herr unseres Handels sein“.

Den Ausbau von leerstehenden Gebäuden wie der Hauptschule schloss Kasper aus. Auch den dortigen Schulhof als Platz für die Container hält er für ungeeignet. Was den Standort angeht, werde noch gesucht und mit der Politik diskutiert. Eine Entscheidung fällt frühestens in der nächsten Ratssitzung Anfang Mai.

Bad Laasphe setzt auf Container

Zur Disposition steht auch, ob es einen oder mehrere Standorte für eine Container-Siedlung geben kann. Bei einem einzelnen Ort wären aber die Erschließungs und Versorgungseinrichtungen günstiger.

Für Erndtebrück kommen laut Bürgermeister Völkel weitere Container nicht infrage. Neben dem für Flüchtlinge genutzten früheren Klärwärterhaus verfügt die Gemeinde an diesem Standort über sechs angemietet Wohncontainer. Völkel hält diese Unterbringung nicht für ausreichend. „Diese Menschen wollen hier bleiben, wollen sich integrieren. Wir müssen sie menschenwürdig unterbringen und nicht zusammenpferchen wie Vieh.“