Fleisch und Wurst sind seine Leidenschaft

Bad Laasphe..  Es riecht nach Fleisch, nach Wurst, nach Deftigem im Hause Reuter. Im Verkaufsraum noch recht dezent, hinten, in der Wurstküche sowieso, aber auch in Günter Jansons kleinem Büro, in das der Herr des Hauses zum Gespräch bittet. Auf seiner opulenten weißen Metzgerschürze klebt ein Stück Brät, er legt sie ab. So, startklar. Ob er den Geruch, der in jeden Winkel zu kriechen scheint, überhaupt noch wahrnimmt? „Aber sicher“, antwortet der 62-Jährige mit dem Brustton der Überzeugung, „sehr gerne sogar!“ Er streichelt über seinen kleinen Bauchansatz und lacht. „Und schmecken tut’s mir auch, manchmal muss ich mich bremsen.“

34 Mitarbeiter

Günter Janson ist gebürtiger Laaspher, seit 1987 ist er Chef, 34 Mitarbeiter beschäftigt er heute. Die Produktion teilt er sich mit einer Meisterin und drei Gesellen, die übrige Belegschaft arbeitet im Verkauf und für den Partyservice. Dass er den Namen und damit die Tradition seines Schwiegervaters Erich Reuter weiter führt: für ihn selbstverständlich. „Fleischerei Janson? Das kennt doch dann kein Mensch mehr.“ Als er das Geschäft übernahm, erinnert sich der Obermeister der Fleischerinnung Siegen, gab es im Kreis 117 Metzgereien. Heute sind es noch 33. Natürlich bekommt auch Janson den Konkurrenzdruck zu spüren. Umso wichtiger ist ihm, dass der Name Reuter eine Marke bleibt. „Haben Sie den Adler auf dem Dach gesehen? Das ist noch der alte Postadler. Vor dem Schwiegervater war hier die Post drin.“

Im Alter von 15 Jahren ging er in die Lehre. „Wie lange ich schon im Beruf bin? Rechnen Sie selbst!“ Janson grinst. Wie er dazu gekommen ist, weiß er aber noch ganz genau: Ein Freund seines Bruders hatte ihm damals vom Fleischerberuf vorgeschwärmt. „Lange Arbeitszeiten – und trotzdem macht’s so viel Spaß.“ Ein Satz, der auch jetzt noch – nach im Übrigen 47 Berufsjahren – eins zu eins auf Günter Janson übertragbar ist. Sein Wecker klingelt um 3.15 Uhr in der Frühe, Kaffeetrinken, Westfalenpost lesen, um 4 Uhr wandert das erste Fleisch in die Theke. Wenn um 13.30 Uhr die Produktion endet, nimmt er den Papierkram in Angriff. Sechs-Tage-Wochen sind Standard, „und manchmal kommt auch noch ein halber Sonntag dazu.“ Aber wo bleibt denn da die Entspannung? „Ich kann ganz gut loslassen“, sagt Janson. Dann schnappt er sich seine Frau Helga, setzt sich hinters Steuer und raus geht’s. Gerne nach Italien, an den Gardasee. Springt der Motor an, ist die Arbeit vergessen. „Da kann die Bude abbrennen“, sagt er. Was er meint, ist: vollstes Vertrauen in seine Angestellten und darauf, dass die den Chef auch mal entbehren können. 34 Mitarbeiter machen ebenso viele Familien, die ernährt werden wollen, gibt Janson zu bedenken. Allein aus diesem Grund läuft der Laden, jeder sei sich seiner Pflicht bewusst.

Im Flur, der zum Büro führt, knallt ein Blech auf den Boden, dann klingelt das Telefon. Nicht zum ersten Mal. „Sehen Sie, hier ist immer was los. Kein Tag ist wie der andere.“ An den Wänden im Büro hängen Bilder: Günter Janson mit Johann Lafer („Immer ein freundliches Wort für jeden!“), Günter Janson mit den Kastelruther Spatzen („Die haben sich mit diesem Foto für ein Catering bedankt. Ganz kurz vor Konzertbeginn!“), Günter Janson mit Stefan Marquard, bekannt aus der Fernsehserie „Die Kochprofis“.

Mit dem habe er sich einmal ganz wunderbar über die Unterschiede zwischen argentinischem und deutschem Rind unterhalten. Fazit: „Wir lassen das deutsche Steakfleisch die ersten zehn Tage am Knochen an der Luft reifen, bevor es zurechtgeschnitten wird und in der Folie noch etwa drei Wochen bis zur perfekten Reife lagert.“ Hört sich schmackhaft an. Was ihm gar nicht schmeckt: Ziege, „damit können sie mich den Baum hochjagen.“

Janson erzählt schnell, viel, fröhlich. Er strahlt echte Gelassenheit aus. Sein Credo: nur die Dinge ändern, die auch wirklich zu ändern sind. „Ich kann das Wetter nicht beeinflussen“, weiß er. „Aber ich kann entscheiden, was ich anziehe.“