Familienpaten derzeit dringend gesucht

Sucht derzeit dringend Familienpaten: Diplom-Psychologin Birgit Saßmannshausen.
Sucht derzeit dringend Familienpaten: Diplom-Psychologin Birgit Saßmannshausen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Bad Berleburger Psychologin Birgit Saßmannshausen organisiert unter dem Dach der Diakonie „Hilfe zur Selbsthilfe“ für Familien. Der Bedarf ist jedenfalls da.

Wittgenstein.. Drei Kinder hat Susanne D. (alle Namen geändert) mit ihrem Mann – einem Fernfahrer, der oft wochenlang unterwegs ist. Sven und Lisa sind schon in der Schule, Lotte soll nächstes Jahr eingeschult werden. Svens Probleme in der Schule machen der Mutter Sorgen. Um die Jüngste müsste sie sich eigentlich mehr kümmern, mit ihr spielen und lernen – doch dafür hat Susanne D. kaum Zeit. Und nun ist auch noch das erwartete Weihnachtsgeld ihres Mannes weggefallen. Die Mutter ist ratlos: Wie soll ich das bloß alles schaffen?

In so einem Fall könnte einer der Familienpaten helfen, die seit sechs Jahren in ganz Wittgenstein unterwegs sind. Mehr als 35 Familien haben sie bislang ehrenamtlich mit Rat und Tat begleitet, im Durchschnitt über zwei Jahre. Hilfe zur Selbsthilfe, darum geht es.

Lebenswelten im Wandel

„Die Lebenswelten von Eltern und deren Kindern sind einem starken Wandel unterworfen“, hat die Bad Berleburger Diplom-Psychologin Birgit Saßmannshausen gerade in den letzten Jahren festgestellt – und das „kann zu einer deutlichen Überbeanspruchung von Familien führen“. Also startet Saßmannshausen, die auch Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin ist, 2009 nach dem Vorbild vieler anderer deutscher Städte in der Region das Projekt „Familienpatenschaften Wittgenstein“. Gemeinsam mit einer pädagogischen Kollegin kümmert sie sich um die Paten, stellt den Kontakt zu den hilfesuchenden Familien her.

Lebenserfahrung – das sollten interessierte Paten auf jeden Fall mitbringen. Wobei Alter und Beruf keine Rolle spiele, so Saßmannshausen. Gute Erfahrungen habe man bisher in der Altersspanne zwischen 30 und 65 Jahren gemacht. Oft melden sich Menschen aus Pflegeberufen, Pädagogen, Sekretärinnen.

Neue Familienpaten sucht der Initiativkreis derzeit ganz dringend. Weil sie fehlen, stehen vier Familien im Moment noch auf einer Warteliste. Was Saßmannshausen ganz wichtig ist: „Die Paten ersetzen nicht die Profi-Kräfte, sondern leisten gewissermaßen Nachbarschaftshilfe.“ Dabei achtet der Beirat darauf, dass Paten und Familie gut zusammenpassen. Der erste Kontakt – für Psychologin Birgit Saßmannshausen ein spannender Moment. Hier spielt das Gespräch zum Kennenlernen eine wichtige Rolle.

Zuhause bei Susanne D.: Die Chemie stimmt. Jetzt kommt der Pate öfter ins Haus. Im Moment ein- bis zweimal pro Woche – das hilft der Mutter schon sehr. Und so langsam entsteht Vertrauen, schöpft sie neuen Mut. Gemeinsam mit dem Paten nimmt sie seit längerer Zeit wieder einen Elternsprechtag in der Schule wahr – und findet tatsächlich eine Lösung für Svens Schulprobleme.

Schulungen bieten Sicherheit

Die Kontakte zur Familie gestalte der Pate im Wesentlichen selbst, erklärt Psychologin Birgit Saßmannshausen. Er könne ebenso wie die Familie selbst auf die Experten aus dem Beirat zurückgreifen, sollte es einmal unlösbare Probleme geben.

Inzwischen geht Susanne D. auch der eigene Alltag wieder leichter von der Hand. Die Tipps vom Familienpaten waren da wirklich wertvoll. Dank seiner Hilfe kann sich die Mutter auch Lotte, der Jüngsten, stärker zuwenden, findet passende Förderangebote für sie.

Sicher: Die Paten sind ehrenamtlich im Einsatz, sollen das aber keinesfalls umsonst tun. Der Initiativkreis ersetzt zu einem großen Teil den Aufwand, der den Paten bei ihren Autofahrten zu den Familien in Wittgenstein entsteht. Er bietet gerade neuen Paten vor allem aber Schulungen an.

Dafür sorgt ein Beirat mit Pädagogen, Sozialarbeitern und Fachleuten aus der Jugendhilfe, aber auch einem Juristen. In regelmäßigen Treffen tauschen die Paten ihre Erfahrungen aus. Und: Die Paten sind für ihre Tätigkeit über die Diakonie versichert.

Familienpaten können im Übrigen für ihr Engagement unter bestimmten Voraussetzungen die kostenlose Ehrenamtskarte erwerben, die in den Kommunen Wittgensteins attraktive Ermäßigungen ermöglicht – in Bad Berleburg zum Beispiel im Rothaarbad und in der Stadtbücherei, aber auch in Geschäften, Banken oder Gaststätten.

Einige Monate später. Das Leben in der Familie von Susanne D. hat sich deutlich verändert. „Wenn der Pate da ist, wird mein Alltag irgendwie zu einem Sonntag“, strahlt die Mutter. Bald schon soll die Patenschaft beendet sein. Erfolgreich. Doch Susanne D. ist nicht traurig, denn: Aus dem Kontakt mit dem Paten und seiner Frau ist längst eine Freundschaft zweier Wittgensteiner Familien geworden.

Der Initiativkreis „Familienpatenschaften Wittgenstein“ sucht derzeit dringend weitere Personen, die ehrenamtlich Familien in der Region unterstützen wollen – um ihnen durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ eine Chance auf mehr Lebensqualität zu verschaffen. Aber auch interessierte Familien aus Wittgenstein können sich weiterhin melden.

Kontakt für Familien und Paten: Diakonisches Werk Wittgenstein, Stichwort „Familienpatenschaften“, Tel. 02751/9213.

Unterstützen kann man das Familienpaten-Projekt auch durch Spenden: Sparkasse Wittgenstein (BLZ 46053480), Spendenkonto-Nr. 35972 des Diakonischen Werks, Stichwort „Familienpatenschaften“