Erndtebrücker Kinder kennen ihre Rechte

Erndtebrück..  Jedes Kind hat Rechte. Welche, das wissen die Mädchen und Jungen an der Realschule Erndtebrück sehr genau. Am Freitag diskutierten sie mit dem heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein und Ludger Gruß von der UNICEF-Arbeitsgruppe Siegen ihr Wissen, denn die Erndtebrücker Realschule ist die einzige im Kreis Siegen-Wittgenstein, die sich für die Mitarbeit beim bundesweiten Aktionstag Kinderrechte beworben hat.

Anlässlich des 25. Jahrestages der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen am 20. November haben sich die Realschüler eine Woche lang quer durch Jahrgangsstufen und Schulfächer intensiv mit den Kinderrechten befasst, berichtete Religionslehrern Darjana Sorg. Der Hintergrund ist einfach: „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte kennen und einfordern können.“

Armut ist ein wesentliches Problem

Dabei kam auch ein Spannungsfeld heraus, das die Schüler beim Präsentationstag am Freitag in der Aula anschaulich und begreifbar machten. Sie hatten sich mit der Situation von Kindern in Peru beschäftigt, die in einer Ziegelei Schwerstarbeit leisten müssen und von der Schule und einem besseren Leben durch Bildung nur träumen können. Dem gegenüber stehen im Rollenbild deutsche Kinde mit dem Luxusproblem, „keinen Bock auf Schule zu haben“. In die Zeit der Vorbereitung Ende November Anfang Dezember fiel auch die Vergabe des Friedensnobelpreises an den Inder Kailash Satyarthi und die Pakistanerin Malala Yousafzai, die selbst noch Jugendliche ist. Beide setzen sich für Kinderrechte – z.B, für Bildung und gegen Kinderarbeit ein. Das gab dem Projekt Schub.

Am Freitag konnten die Schüler den Kinderrechtsaktivisten Ludger Gruß und den Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein mit ihren Fragen konfrontieren: Zum Beispiel, ob es in Deutschland nicht auch verbotene Kinderarbeit gebe. „Offiziell nicht, aber inoffiziell ja“, antwortet Ludger Gruß. Das Problem sei die Grauzone, wenn Kinder Zeitungen austragen oder aber dem Vater im Handwerksbetrieb helfen. Aber anders als in vielen anderen Ländern gebe es in Deutschland Jugendschutzgesetze und Aufsichtsbehörden, an die man sich wenden könne.

Das übrigens ist laut Gruß auch ein Problem. Sich an Amnesty International oder die UNICEF zu wenden, gelinge Menschen in ärmeren Ländern oft nicht, weil sie nicht schreiben könnten. Bildung ist also auch ein Schlüssel, um Kinderrechte einzufordern und Armut ist dann das Hauptproblem: „Viele Eltern in armen Ländern möchten ihre Kinder zur Schule schicken, können es aber nicht, weil diese zum Überleben der Familie beitragen müssen.“

Eine Frage war auch, warum die Kinderrechte in Deutschland – anders als in anderen Ländern – nicht in der Verfassung verankert sind. Für Volkmar Klein ist die Antwort klar: „Kinder sind Menschen. Und deshalb müssen diese Rechte nicht extra im Grundgesetz stehen“, das ja die Menschenrechte schütze. Klein zielte bei seinen Argumenten für die Stärkung der Kinderrechte auf die Armut ab und machte den Jugendlichen klar, dass Menschen in reichen Ländern Mitverantwortung tragen und jeder einzelne auch etwas verändern können: „Wer in einem Laden eine Jeans für 8,70 Euro kauft, muss wissen, dass die nicht mit vernünftigen Löhnen herzustellen ist.“ Verbraucher könnten sich aber vor dem Kauf über Herkunft und Produktionsbedingungen der Waren informieren oder Fragen stellen. Von der Veranstaltung mit den Realschülern nehme er viele Anregungen für seine Arbeit mit nach Berlin, sagte Klein.