Erndtebrücker Eisenwerke feuern Betriebsratsvorsitzenden

Über 530 Mitarbeiter beschäftigen die Eisenwerke in ihrer Produktion in Erndtebrück. Dort war der 59-jährige Betriebsratsvorsitzende Vertreter für die Interessen der internationalen Belegschaft.
Über 530 Mitarbeiter beschäftigen die Eisenwerke in ihrer Produktion in Erndtebrück. Dort war der 59-jährige Betriebsratsvorsitzende Vertreter für die Interessen der internationalen Belegschaft.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die öffentliche Internet-Hetze des 59-Jährigen gegen Ausländer ist für die Geschäftsleitung „absolut untragbar“. Der elfköpfige Betriebsrat und die IG Metall stehen geschlossen hinter der Entscheidung.

Erndtebrück.. Der Betriebsratsvorsitzende der Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) ist von der Geschäftsleitung fristlos freigestellt worden. Der Bad Berleburger habe „in Internetforen öffentlich massiv gegen Ausländer gehetzt“, begründete EEW-Geschäftsführer Christoph Schorge diesen Schritt. „So etwas wird von unserer Firma nicht geduldet, egal, ob extrem nach rechts oder extrem nach links.“

Verstoß gegen betriebsverfassungsrechtliche Vorschriften

Nach Informationen der Westfalenpost basiert die Kündigung auf Eintragungen im öffentlichen Facebook-Profil des 59-Jährigen, datiert vom 2. Mai. Der von ihm um 21.51 Uhr gepostete Aufkleber „Islamisierung? Nein Danke“ ist inhaltlich noch harmlos gegen darauf folgende Beiträge des Ex-Betriebsrates zu Einträgen anderer Nutzer der Plattform. Unmissverständlich ruft er in einem Chat zu Gewalt gegen Ausländer auf.

„Ein klarer Verstoß gegen die betriebsverfassungsrechtlichen Vorschriften,“ sagt Hartwig Durt, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Siegen, die „inhaltlich voll hinter der Kündigung steht“. Gerade ein Betriebsrat müsse „dafür sorgen“, so Durt, „dass in einem Unternehmen die Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft gut miteinander auskommen.“

Entschuldigung bei der Belegschaft

Insbesondere aus der antifaschistischen Position der Gewerkschaft heraus, sei „das Verhalten von ihm untragbar“. Das habe Durt dem Betroffenen auch selbst telefonisch mitgeteilt, verriet der Bevollmächtigte unserer Zeitung.

In dem Telefonat habe der Freigestellte seine „Entschuldigung bei der gesamten Belegschaft“ angekündigt, worauf Durt entgegnet habe: „Dafür kann man sich nicht entschuldigen. Das kann niemand annehmen.“ Auch habe er deutlich gemacht, dass die Facebook-Eintragungen „keine Privatangelegenheit“ seien, sondern „für jeden öffentlich einsehbar“, so Durt.

Entsetzen bei der IG Metall

Im Siegener Gewerkschaftsbüro „sind wir alle entsetzt darüber, was da hoch geblubbert ist. Ein mitteleuropäischer, zivilisierter Mensch kann so nicht denken. Eigentlich dürfte er auch kein Mitglied der IG Metall sein.“ Abschließend fragt Durt: „Was soll EEW denn seinen Kunden erzählen, wie der Betriebsratsvorsitzende denkt?“

EEW-Geschäftsführer Christoph Schorge bestätigte die Recherchen unserer Zeitung, haben ausländische Mitarbeiter der Eisenwerke aus Protest gegen das Verhalten des Betriebsratsvorsitzenden eine Samstagsschicht im Unternehmen verweigert haben. „Wir haben das toleriert und akzeptiert, dass sie nicht gekommen sind. Ich verstehe, dass sich Mitarbeiter verletzt fühlen.“ Schorge betonte, dass Gesellschafter, Geschäftsführung und der Betriebsrat der Erndtebrücker Eisenwerke sich „vollumfänglich von diesen Äußerungen des ehemaligen Mitarbeiters distanzieren. Deswegen haben wir so gehandelt.“

Anke Möllers leitet kommissarisch Betriebsrat in Erndtebrück

Anke Möllers leitet nun kommissarisch den elfköpfigen Betriebsrat in Erndtebrück. Sie erklärt, dass nach der Einhaltung gesetzlicher Fristen der Betriebsrat einstimmig der Kündigung zustimmen werde. „Wir stehen geschlossen hinter der Geschäftsleitung und tragen die Entscheidung mit“.

Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.