Erndtebrück liegt im Granatenhagel

Wittgenstein..  Für die Deutschen Verteidiger ist die Lage Anfang April 1945 aussichtslos; nicht nur weil Amerikaner und Briten am 1. April 1945 den Ruhrkessel bei Lippstadt geschlossen haben. General Fritz Bayerlein lässt befehlsgemäß eine starke Verteidigungsstellung bei Winterberg errichten.

Im Norden sind Züschen, Neuastenberg, Berleburg und Berghausen bereits in der Hand der Amerikaner. Bayerlein soll aber den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Winterberg halten, obwohl dadurch die in fünf großen Lazaretten untergebrachten zahlreichen Verwundeten gefährdet werden.

An ein Durchbrechen der Einkesselung, wie es Generalfeldmarschall Walter Model noch am 29. März geplant hatte, ist nicht mehr zu denken: „Mit Rücksicht auf unsere viel zu schwachen Kräfte (...) waren die Durchbruchsbemühungen nur improvisiert und ein Erfolg nicht zu erwarten.“ Im Gegenteil, nach Informationen der deutschen Aufklärung sammeln sich seit dem 1. April zwischen Hallenberg und Wunderthausen über 60 amerikanische Panzer zum Angriff auf Winterberg. Über Berleburg gelingt es der US-Armee auch die wichtige Straßenkreuzung am Albrechtsplatz zu nehmen. Damit ist auch Schmallenberg auf lange Sicht nicht zu halten. Zwischen Züschen und Girkhausen wird Mollseifen im Handstreich erobert. Dabei wird sogar ein gesamter Regimentsstab überrascht und gefangen genommen. Die Deutsche Verteidigungslinie verläuft jetzt von Langewiese über Winterberg nach Küstelberg. Wegen der Lazarette überlassen die Deutschen das Dorf Winterberg aber kampflos den Amerikanern. Den Befehl des Oberkommandierenden Model, Winterberg wieder einzunehmen, können die schwachen deutschen Verbände gar nicht leisten. Am 3. April fällt schließlich auch Oberkirchen.

Das Edertal rückt ins Zentrum

Am sechsten Tag der Kämpfe um Wittgenstein schweigen die Waffen bereits an Lahn und Oderborn. Umso heftiger wird heute vor 70 Jahren, am 3. April, um Erndtebrück und Aue gekämpft. Dabei sterben viele amerikanischen und deutschen Soldaten aber auch viele Zivilisten.

Im Wehrmachtsbericht der 15. Armee, den Peter Schneider in seinem Buch „Spione am Himmel“ zitiert heißt es: „In Schameder eingedrungener Feind wurde im Gegenstoß geworfen. Von Süden drang der Feind in Berghausen und Berleburg ein.“

Erndtebrück, wo sich starke deutsche Kräfte verschanzt haben, liegt seit zwei Tagen unter Dauerbeschuss durch Artillerie der Amerikanischen 8. Division. Deutsche Kanonen, die in Erndtebrück aber auch in Röspe stehen, feuern zurück. Benfe ist von den Deutschen aufgegeben worden, so dass die US-Armee mit Panzern bis Ludwigseck vordringen kann.

Birkefehl unter Beschuss

Nachdem der „Ami“ nach Birkefehl vordringt, muss er sich in Richtung Forstbach wieder zurückziehen. Birkefehl wird jetzt mit US-Artillerie aus Feudingen beschossen. Schameder war seit Ostersamstag fest in amerikanischer Hand. Jetzt zieht sich der Kreis immer enger um den Abwehrschwerpunkt Erndtebrück.

Auch Berghausen ist inzwischen jetzt „amerikanisch“. Die Wehrmacht zieht sich Richtung Aue zurück und lässt acht Verwundete, von denen einer kurze Zeit später stirbt, im Gasthof Grünewald zurück. In Aue, hinter der Firma Busch-Jaeger, werden Geschütze und am Kapplerstein Granatwerfer in Stellung gebracht. Gleichzeitig werden die Ederbrücken an der Preisdorf, am Heilbach und am Guten Wasser gesprengt. Die Zerstörung einer weiteren Brücke am damaligen Sägewerk Schlenkhoff verhinderten die Anwohner. Für die US-Armee gibt es vor Aue und Wingeshausen kein weiterkommen. Erste US-Granaten schlagen dort ein. Sie sollen den Widerstand brechen. Die Wehrmacht feuert aus sechs Geschützen zurück.

Doch das Schlimmste steht den Auern noch bevor: Der Häuserkampf. Die Straßen sind wie leer gefegt. Die Zivilisten suchen in den Wäldern, Luftschutzkeller oder den Stollen am Abzweig der Straße nach Wingeshausen Zuflucht.