Erinnerung an schreckliche Zeiten

Bad Laasphe. Auch nach 70 Jahren, als der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende und eine der schrecklichsten Zeiten der deutschen Geschichte zu Ende ging, hat Ruth Bayer aus Bad Laasphe ihre ganz persönlichen Gedanken dazu notiert. Diese möchte sie unseren Leserinnen und Lesern zur Verfügung stellen; denn, so schreibt sie, „bald werden die letzten Zeitzeugen nicht mehr leben und die Erinnerungen immer mehr verblassen“.

„Erinnerungen an das Frühjahr in Waldenburg/ Schlesien: Züge kommen mit Flüchtlingen aus Ostpreußen und Pommern. Schulen sind schon geschlossen, „Hitler Kinder“ sollen Panzergräben mitaufbauen helfen. Die meisten tun dies mit Begeisterung, muss doch das Vaterland bis zum letzten Blutstropfen verteidigt werden.

Kinder und Erwachsene irregeleitet

Die Indoktrinierung in unseren Herzen hatte große Wirkung gezeigt. Und ich hätte mir wohl auch einen Sprengstoffgürtel um den Bauch binden lassen, um für das Vaterland zu sterben. Mein Bruder war doch schon für Führer, Volk und Vaterland den Heldentod gestorben – warum da nicht ich auch? Ich war 14 Jahre alt. Erst sehr viel später, ich war dann schon 32 Jahre alt, begann ich nachzudenken und mich über die Zeit zu informieren. Dann kam die Zeit der Scham, wie konnte ich mich und Millionen Jugendlicher und Erwachsener so irreleiten lassen? Wie konnte es sein, dass von unserem Volk soviel Leid über andere Völker gebracht wurde?

Heute frage ich mich: Hat die Menschheit aus dem 20. Jahrhundert mit zwei furchtbaren Weltkriegen eine Lehre gezogen? 8. Mai 1945: „Die Hand soll verdorren, die jemals wieder ein Gewehr in die Hand nimmt!“ so damals. Gewiss, heute stelle ich fest, wir haben in Europa 70 Jahre Frieden und dass die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands gewaltlos überwunden werden konnte, ist einmalig in der Geschichte.

Aber die Kriege in der Welt hören nicht auf, weil auf die Ursachenbekämpfung viel zu wenig oder gar kein Wert gelegt wird. Viel zu schnell werden die Waffen geliefert. Und Deutschland ist der drittgrößte Waffenlieferant der Welt. Vielleicht sollten wir uns an Worte von Dr. Gustav Heinemann erinnern, die er in seiner Antrittsrede zum Präsidentenamt am 30. Jahrestag des Kriegsbeginns sagte: „Müsste nicht längst in aller Welt und besonders dringlich auch bei uns die wissenschaftliche Erforschung des Friedens, das heißt seiner Voraussetzung einschließlich der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen sowie der psychologischen Faktoren die Grundlage aller Grundlagenforschung sein?“

Konflikte gewaltlos lösen

Aber wie ist es damit in der Welt und bei uns bestellt? So mahnte auch Carl Friedrich von Weizsäcker im Mai 2007: „Das Wichtigste ist der Bewusstseinswandel, die unauslöschliche Erkenntnis, dass die Institution des Krieges überwunden werden muss.“ So rufe ich als Frau, Mutter und Großmutter mit Bertha von Suttner „Die Waffen nieder!“ Ich denke, viel zu wenige Mütter rufen dies. Dies ist mein Wunsch für die Nachgeborenen, dass sie lernen mögen in Frieden zu leben und Konflikte, die es immer geben wird, gewaltlos zu lösen.“