Erfahrung in Therapie und Knast

Bad Berleburg..  Seine kriminelle Karriere beginnt im Jahr 1989, als er vom Amtsgericht Kirchheim wegen Diebstahls verurteilt wird. Anschließend muss sich über Jahre das Amtsgericht in Offenbach mit dem heute 40-Jährigen beschäftigen, der sich außerdem in Friedberg wegen Gefangenenmeuterei verantworten musste. Am Dienstag stand der drogenabhängige Hesse das zweite Mal vor Richter Torsten Hoffmann.

Folgendes hatte sich Ende November vergangenen Jahres in einem Wohnhaus in Bad Berleburg zugetragen: Der Beschuldigte drang in den Keller des Privathauses ein und entwendete einige Schraubendreher, diverses Werkzeug und vier Flaschen Spirituosen. Wie der gelernte Buchbinder anschließend geschnappt wurde, war am Dienstag nicht Bestandteil der Beweisaufnahme. Die war übrigens überschaubar – der Beschuldigte machte sofort reinen Tisch. Zur Tatzeit will der 40-Jährige angeblich kein Methadon zur Substitution erhalten haben. „Da habe ich einfach Beruhigungsmittel genommen. Außerdem war schon der 26. November, und ich hatte kein Geld mehr“, machte der Arbeitslose deutlich, der sich nach eigenen Angaben für „austherapiert“ hält.

Langes Vorstrafenregister

Genauso lang wie sein Vorstrafenregister fiel auch der Bericht von Bewährungshelfer Reinhold Vater aus, der ihn seit 2009 unter Führungsaufsicht hat. Aufgrund seines langjährigen Drogenkonsums hat er mit erheblichen Herzproblemen zu kämpfen. „Er hat einen Behindertenausweis mit 80 Prozent“, führte Reinhold Vater aus, der noch anfügte: „Er hat eine hohe Therapieerfahrung und viel Erfahrung im Verbüßen von Freiheitsstrafen.“ Da kommen jetzt noch einige Monate hinzu – allerdings deutlich mehr als die sechs Monate, die das Amtsgericht unter Leitung von Strafrichter Torsten Hoffmann verhängte. Zwei noch laufende Bewährungen werden wohl widerrufen.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel hatte zwar dem Angeklagten zwar die Reue und das umfassende Geständnis zugute gehalten, allerdings sprach eine Tatsache gegen eine niedrige Sanktion: „Sie haben seit 1989 keine einzige Bewährung straffrei überstanden. Dazu fällt mir nichts mehr ein.“

Auch die Delikte lassen aufhorchen. Bei vielen seiner zahlreichen Diebstähle trug er eine Waffe, und straffällig ist er jetzt seit 25 Jahren.

Rechtsanwalt Fritz Bosch (Bad Laasphe) hatte in seinem Plädoyer auf die „lange Phase der funktionierenden Substitution“ verwiesen und deshalb für eine Freiheitsstrafe mit Bewährung oder zumindest für die Maßnahme „Therapie statt Knast“ geworben. Der Laaspher Verteidiger hat jetzt noch eine Woche Zeit, um gegen das Urteil Berufung einzulegen.