Enkeltrick: „Ganz unglücklich gelaufen“

Erndtebrück..  Die Betrüger sind dreist, gut „geschult“ und in der Regel sogar darauf vorbereitet, dass die Polizei informiert wird. Wenn überhaupt, dann werden nur die „Laufburschen“ gefasst, die nach einem „Enkeltrick“ das Geld abholen wollen. Oft aber ist es von vornherein zu spät. Wenn die Polizei eingeschaltet wird, sind die vermeintlichen „Verwandten“ mit ihrer Beute längst über alle Berge. Auch ein 85-jähriger Senior, der in dieser Woche einem „Neffen“ aus einer finanziellen Notlage helfen wollte, wird wohl seine 30 000 Euro nie wieder sehen.

Hätte das verhindert werden können? Diese Frage stellt sich im aktuellen Fall, in dem eine nicht unbeträchtliche Summe an einen Sparkassen-Kunden ausgezahlt wurde. Und das, obwohl die Polizei über die Medien gewarnt hatte, dass die Enkeltrick-Betrüger im Kreis schon mehrere – glücklicherweise erfolglose – Versuche gestartet hatten, an das Geld von Senioren zu kommen. Zumindest die Polizei hatte in Erndtebrück keine Chance mehr zum Eingreifen. „Wir haben erst am Folgetag davon erfahren“, bedauerte Pressesprecher Georg Baum, der über aktuell zehn ähnliche Betrugsversuche in Siegen-Wittgenstein informiert ist.

Auf ganz dünnem Eis

Von einem „zweischneidigen Schwert“ spricht Andreas Droese als Pressesprecher der Sparkasse über die Möglichkeit der Geldinstitute, in solchen Fällen aktiv zu werden. „Es ist das Geld der Kunden und wir bewegen uns auf ganz dünnem Eis, wenn wir es ihnen nicht aushändigen.“ Im Grunde gehe es ein Kreditinstitut nichts an, wofür ein Kunde sein Geld verwenden wolle. Im Regelfall suche man das Gespräch mit dem Kunden. Wenn der sich aber nicht darauf einlasse, habe man kaum mehr Handlungsmöglichkeiten. Im vorliegenden Fall allerdings handele es sich auf Seiten seines Instituts um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Der Senior sei nicht sofort und ausführlich nach den Umständen für seinen erheblichen Geldbedarf gefragt worden, der für ihn zuständige Berater sei erst seit kurzem für seine Betreuung zuständig. Dennoch habe der Mitarbeiter sich anschließend Gedanken über die Situation gemacht und am nächsten Tag seinen Filialleiter informiert. Ein Rückruf beim Kunden habe dann die tatsächlichen Umstände der Abhebung zu Tage gefördert. Der sei immer noch im Glauben gewesen, sein Geld von seinem Verwandten zurückzubekommen. Dann habe man die Polizei informiert.

„Das ist ganz unglücklich gelaufen, weil das weitere Nachfragen erst im Nachhinein erfolgt ist““, bedauert Droese. Die Kollegen vor Ort ärgerten sich sehr darüber, zumal es ihnen im vergangenen Jahr in zwei Fällen geglückt sei, eine Geldübergabe an Enkeltrick-Betrüger zu verhindern, indem sie mit dem möglichen Geschädigten bei der Abhebung ins Gespräch gekommen seien. Droese: „Rechtlich gesehen haben wir natürlich keine Verantwortung für den Vorfall, aber natürlich ist es unser Anspruch, dass uns ungewöhnliche Begleitumstände auffallen und wir Kunden auf Gefahren hinweisen.“

Nicht nur in Wittgenstein kam es es trotz öffentlicher Warnungen und Schulungen bei den Geldinstituten zu Fällen, in denen die Banden ans Ziel kamen. Auch im Siegerland funktionierte der hinterhältige Trick noch im Oktober vergangenen Jahres. Ein 94-jähriger Senior aus Weidenau wurde dabei um 25 000 Euro betrogen.