Endlich weht am Girkhäuser Kirchturm die weiße Fahne

Girkhausen..  Günter Eckhardt erinnert sich noch gut an diesen Tag: Am 1. April 1945, kommen die Amerikaner aus dem Dambach nach Girkhausen. Deutsche Artillerie nimmt die Eroberer vom Albrechtsplatz aus unter Feuer. Eine Granate trifft Bau Haus und eine schlägt daneben ein. Ein US-Soldat wird durch Granatsplitter verwundet und stirbt kurze Zeit später. In Hansjörges Saal haben die Amerikaner ein Notlazarett eingerichtet.

Weitere Geschosse schlagen unterm Damberg ein und verletzen eine Kuh des Bauern Leye-Schumacher, die notgeschlachtet werden muss. Der Beschuss hört erst auf, als ein Spähtrupp der Amerikaner den deutschen Artilleriebeobachter oberhalb des Dorfes gefangen nehmen kann. Als Zeichen dafür, dass sich keine deutschen Soldaten mehr im Dorf befinden, wird am Kirchturm die weiße Fahne gehisst.

Amerikanisch oder „deitsch“

Günter Eckhardts Vater Fritz ist damals für die Wasserversorgung zuständig. Er bedient abends und morgens ein Regelventil neben Überste Backhaus. Als er am 1. April 1945 dorthin kommt, habe die Legeres Oma, ein Original, aus dem Fenster gerufen: „Fritz, mer sein schon Amerikaner!“ Daraufhin soll Fritz Eckhardt geantwortet haben: „Jo, Miele, mer sein noch deitsch!“

Kurze Zeit später kommen die US-Truppen die Landstraße in Richtung Schmelzhütte herauf. Beim Vormarsch wird das Dorf nach versteckten Soldaten durchkämmt. Dabei soll ein GI zu Günter Eckhardts Mutter gesagt haben: „Mutter, musst nix Angst haben, is Krieg, mein Großvater war aus Germany!“

„Nach einigen Stunden führten die Amerikaner die ersten deutschen Gefangenen mit erhobenen Händen durch den Ort. Dieses Bild habe ich bis heute nicht vergessen“, so Günter Eckhardt. Damit ist der Krieg für das Dorf noch nicht aus. Denn von Girkhausen aus beschießen US-Geschütze noch zwei bis drei Tage lang Oberkirchen und Westfeld. Um Girkhausen herum sterben in diesen ersten Apriltagen sieben Wehrmachtssoldaten. Sie wurden in Girkhausen begraben.