Eine Nacht mit dem besten Freund des Mannes

Hilchenbach..  Die Hände wandern in den Schritt. Michael Gaedt und Michael Schulig schaukeln das zwischen ihren zehn Fingern, was beide von Michaela unterscheidet. Keine Angst: Im Gegensatz zum ersten Auftritt von „Die Kleine Tierschau“ bei der Kultur-Pur-Premiere 1991 bleiben die Hosen diesmal oben. Dennoch spielt der oftmals beste Freund am Montagmorgen um 0.30 Uhr die Rolle, die ihm angemessen erscheint: „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, zitieren die beiden singend die Nilson Brothers. Er ist einzigartig.


ZIch bin Kunstfurzer. Neulich habe ich Rembrandts Nachtwache gefurzt.

weiß, was er macht, wenn er nicht mehr auf der Bühne steht.


Die Kleine Tierschau hat so etwas wie Bühnen-Geschichte geschrieben. 35 Jahre tourten Gaedt und Schulig durch Deutschland. Vor einigen Jahren noch zu dritt mit Ernst Mantel. Stark sind die beiden, wenn es anarchisch wird, wenn Michael Gaedt das zitiert, was er für indische Philosophie hält: „Wer die Hände in den Schoß legt, muss nicht untätig sein.“ Oder wenn Kollege Schulig vom harten Winter in Russland erzählt: „Es geht ein Wind in Leningrad, der pustet kalt; wer da nicht einen Mantel hat, der hustet bald.“


ZSchlimm ist es, auf der Welt zu sein.

mag Heintje und singt die fröhlichsten Lieder der Welt in Moll.


Musik ist wichtig. Aber Musik ist nicht immer schön. „Herr Doktor, mein Kollege hat Jazz.“ Statt in St. Tropez – oder Schtroppez, wie der Schwabe sagt– ist Michael Schulig beim Jazz-Festival in Montreux gelandet. Furchtbar. Schon die alten Römer wussten doch, klärt Kollege Gaedt auf und rammt den Zeigefinger in die Zeltluft, Sexus, Drugus et Rockus et Rollus. Aus Judas Priests „Breaking the Law“ muss also „Auf den Popo“ der Kleinen Tierschau werden. „Smoke on the Water“ klingt in der schwäbischen Version wie eine zugefrorene Wasserpumpe im Gartenteich, bietet aber gesundheitlichen Mehrwert: Rauchen Sie auf dem Wasser. Wunderbar.


ZZufällig habe ich einen 2,3-Liter-Ford-Granada-Motor dabei.

ist auch auf das Unerwartete vorbereitet.


Michael Schulig braucht ein C. Er stimmt seine Ultraschall-Zahnbürste. Soniccare Pearl White. Ein Spitzenmodell. Das hohe C schafft Gaedts Motor bei 4000 Umdrehungen. „Grauguss“, sagt er. Zuverlässig. Der Block kann Musik, Haare fönen, Kissen zerfetzen und Spritwolken durch das Zelt schicken. Come on, feel the noise. Wieder einer dieser Anarcho-Momente, die den Abschied von den beiden Schwaben so schwer macht. Auch für Markus, Christine und Jens. Michael Gaedt holt die drei auf die Bühne, um mit ihnen Rock-Klassiker zu hupen, auf Golf-I-Lenkrädern. Jens wird zwar zu Markus und Markus zu Jens und die Geschichten über den besten Freund des Mannes sind noch Zukunftsmusik. Dennoch ahnen alle im Zelt, wissen alle im Zelt, dass sie Zeugen einer zwei Stunden langen Sternstunde von Kultur Pur sind.