Eine Familie wandert auf dem Weg der Sinne

Brilon..  Anfangs war es nur so eine fixe Idee. Aber als bei Familie Schmidt die Frage aufkam, „Was machen wir im nächsten Urlaub?“, da war klar: Sie erwandern den kompletten Rothaarsteig. Vom 6. bis 14. August 2013 haben die Briloner Peter, Martina, Sönke und Mikkel Schmidt samt Hund Filou die 154 Kilometer (und auch ein paar mehr) unter die Füße bzw. unter die Pfoten genommen. Und weil alle der Ansicht sind, dass so eine Art von Urlaub für Familien durchaus empfehlens- und nachahmenswert ist, haben die Schmidts ihre Wander-Erfahrungen in einem Buch festgehalten: „Die Rothaarsteiger“. Eine unterhaltsame und informative Etappen-Beschreibung mit vielen Infos und wertvollen Insider-Tipps.

Immer in Häppchen wandern

Wer sich als Familie auf diese Tour einlässt, sollte von vornherein zwei Dinge beherzigen. Die Route muss in familienfreundliche Häppchen unterteilt und gut organisiert werden. „Wir hatten Tagesetappen von 18 bis 20 Kilometern eingeplant, mussten aber wegen zum Teil geänderter Streckenführungen hier und da ein paar Meter mehr machen“, sagt Peter Schmidt. Und: So eine Wanderwoche ist kein Billig-Urlaub. „Je nach Güte des Quartiers kostet allein eine Übernachtung plus Lunchpaket für zwei Erwachsene, zwei Kinder und einen Hund zwischen 100 und 160 Euro“, so Schmidt. Rechnet man dann noch das Mittagessen und den Gepäcktransport (bis zu 40 Euro pro Einsatz) dazu, dann ist der Urlaub auf den Balearen preislich in gar nicht mehr so weiter Ferne. „Wir haben zwischendurch bei den Planungen sogar überlegt, ob wir uns so einen teuren Urlaub überhaupt leisten können“, sagt Peter Schmidt. Aber was ist die Playa de Palma schon gegen den Weg der Sinne…

Die Schmidts – die beiden Jungs sind jetzt 11 bzw. 13 und gehen noch zur Schule, Peter Schmidt ist bei der Brilon Wirtschaft und Tourismus beschäftigt, seine Frau Martina ist Lehrerin und bildet Grundschul-Pädagogen aus – wollten nach Hause laufen. Deshalb begann ihre Wanderung auch ganz bewusst in Dillenburg. „Dort ein Quartier zu finden, war recht abenteuerlich. Entweder zu teuer, in den Sommerferien geschlossen oder die Vermieter haben sich gar nicht erst zurückgemeldet“, sind die Erfahrungen der Familienwanderer. Deshalb ging es dann auch ohne erste Übernachtung frühmorgens von Dillenburg aus los. Opa Hans sei Dank für den Transportdienst dorthin. „Es gab generell ein Nord-Süd-Gefälle. In NRW war es leichter mit der Quartiersuche“, so die Erfahrung.

Viele Dinge sind bei der Rothaarsteig-Familienwanderung zu beachten. Es gibt unterwegs nicht überall Gelegenheiten zur Einkehr oder zum Einkaufen. Daher ist ausreichender Proviant nicht zu unterschätzen. Außerdem sollte man immer wieder mal kurze Pausen einlegen. Denn Kinder sehen den Weg oft mit ganz anderen Augen. Bei Sonne, Wind und Regen sind die Briloner unterwegs gewesen. Nicht einen Moment haben sie daran gedacht, die Wanderung vorzeitig abzubrechen.

Aufeinander verlassen

Es gab auch nur ein, zwei ganz kleine Blasen am Fuß. Und die Erwartung, jeden Abend in einem anderen Quartier zu schlafen, war für die Kinder spannend. Selten hängt man – auch beim Familienurlaub – 24 Stunden lang so eng aufeinander wie bei einer Wanderung. Aber alle haben dasselbe Ziel. Jeder sagt sich: Wir schaffen das! Und Peter Schmidt ist überzeugt: „Daran werden wir als Eltern und die Kinder sicherlich auch später immer wieder gerne zurückdenken.“

Die Idee zum Buch kam übrigens schon unterwegs beim Wandern, wo die Schmidts sogar jeden Tag einen Rothaarsteig-Blog im Internet führten. Der Briloner Verleger Walter Podszun fand das Thema interessant. Und so setzten sich alle Schmidts zusammen. Aus 600 Fotos wurden die besten ausgesucht, Peter Schmidt kümmerte sich um die Service-Parts wie Streckenführungen und Infokästen im Buch, während Martina Schmidt den Großteil des eigentlichen Schreibens übernahm.

Herausgekommen ist ein Buch mit ganz konkreten Anleitungen und vielen spannenden Hinweisen. Es ist aber auch ein Buch, das zeigt, wie Kinder (selbst mit Internet-Utensilien im Rucksack) Natur erleben und Respekt vor ihr entwickeln können. Und es ist ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich in der Familie aufeinander einzulassen und aufeinander verlassen zu können.