Ein unverbesserlicher (Um-)Weltverbesserer

Würdinghausen..  Das eigentliche Geschehen fand Ende 2013 statt, doch die Folgen von gemeindlichem Baumfrevel, Graffiti-Schmierereien und dem zwangsläufigen strafrechtlichen Verfahren reichten bis tief ins Jahr 2014 hinein. Und setzen die kommunalen „Streitkräfte“ auch andernorts wie zuletzt im Lennestädter Ortsteil Oberelspe ihre Motorsägen an Bäume und Sträucher, dann fällt im Kreis der oftmals verärgerten und erbosten Bürgerinnen und Bürger ein Name: Dieter Mennekes. Und stets in einem Atemzug mit den Worten „Zivilcourage“ und „bürgerlicher Ungehorsam“.

Die Abholzaktion der Gemeinde Kirchhundem, der am 28. November 2013 fast 100 stattliche Birken am Verbindungsweg zwischen Würdinghausen und Vierlinden zum Opfer fielen, löste massive Bürgerproteste und ein landesweites Presseecho aus.

Monatelang hatten - vereinzelte - Kommunalpolitiker und Bürger versucht, die mehr als 50 Jahre alte stattliche Halballee zu retten. Vergeblich. Die Verwaltung beauftragte ein Unternehmen, nachdem sie sich durch einen Bilsteiner Baumgutachter für 430 Euro den Rücken frei gehalten bzw. sich selbst in Zugzwang gebracht hatte.

Denn der Experte hatte attestiert, von einem Teil der mächtigen Bäume ginge eine Gefahr aus. Verkehrsicherungspflicht, argumentierte die Gemeinde. Die Holzfäller rückten an – und säbelten sämtliche Birken ab.

An vorderster Front der Birken-Aktivisten hatte sich Anlieger und Umweltschützer Dieter Mennekes gestellt. Der überschlief damals noch einige Tage nach dem Kahlschlag seine Entscheidung – und schritt dann am späten Nachmittag des 7. Dezember 2013 zur Tat. Heißt: zur „Beschriftung“ des Kirchhundemer Rathauses. Mit dem Wort „Birkentöter“, das er in roter Farbe an die Rathausfront sprühte. Bereit, alle – auch die strafrechtliche Konsequenzen – seines Tuns zu tragen.

Ganz schön teuer

Reaktionen gab’s massenhaft. Von Unverständnis über die Handlungsweise des 71-jährigen Würdinghauseners bis zum Jubel und zur Bewunderung über ein dermaßen gerüttelt Ausmaß an Zivilcourage und bürgerlichem Ungehorsam.

Die Birken-Halballee steht inzwischen wieder. Mehr als 100 Bäume wurden mit erheblichen Kostenaufwand – auch für die Gemeinde, die doch pleite ist und in der Haushaltssicherung dahin dümpelt – neue gepflanzt. Mit 2500 Euro war die Gemeinde dabei. Der Preis von 45 Birken wurde von Baumpaten gesponsert. Den Rest übernahm Dieter Mennekes.

Der räumte jetzt im Rückblick ein, dass das Ganze eine ganz schön teure Chose gewesen sei. Und eine eigentlich völlig überflüssige, hätte die Verwaltungs nicht auf stur geschaltet. Und dabei ganz bewusst den Bürgerwillen missachtet. Und dadurch nicht nur dem Image, sondern auch finanziell der Gemeinde Kirchhundem Schaden zugefügt habe.

Würde er seine umstrittene „Birkentöter-Aktion“ im Falle eines Falles wiederholen? „Bei gleicher Sachlage würde ich genauso wieder handeln“, bestätigte der Umweltschützer auf Nachfrage. Die ganze Chose habe ihn (ebenso wie die Gemeinde) rund 15 000 Euro gekostet.

Strafbefehl

Die Hälfte gingen für die Anschaffung neuer Bäume drauf. Mennekes: „Und per Strafbefehl, der mich dann im Jahre 2014 erreichte, wurde ich wegen Sachbeschädigung (am Rathaus) zu einer Geldstrafe von 7500 Euro verdonnert.“

Den Richterspruch akzeptierte Mennekes, das Rathaus hatte er natürlich damals schon wenige Tage nach dem „Attentat“ durch einen Maler von der Beschriftung befreien lassen.

Mennekes: „Ich würde das immer wieder so machen.Für meine Heimat stehe ich immer wieder ein.“ Während andere durch Patenschaften oder andere Spenden versucht hätten, den von der Gemeinde angerichteten Schaden wieder gut zu machen, sei er maßlos enttäuscht davon, dass der damals Hauptverantwortliche, Beigeordneter Middelhoff, es nicht für nötig befundne habe, sich an der Wiedergutmachung z. B. durch eine Patenschaft für eine neue Birke, persönlich zu beteiligen.

Dass sich Mennekes nicht so schnell den Mund verbieten lässt und gleichzeitig für Zivilcourage, Menschen- und Bürgerrechte eintritt, zeigt sein erhebliches Engagement im Rahmen des Alternativen Nobelpreises.

Der ging in diesem Jahr an Edward Snowden und den Guardian-Herausgeber Alan Rusbridge. Die beiden hatten Amerika als Überwachungsstaat und den amerikanischen Geheimdienst als Schnüffler-Agentur gebrandmarkt.

Prinzipientreue

Der alternative Nobelpreis - „Right Livelihood Award – wurde am 1. Dezember im schwedischen Parlament in Stockholm überreicht. Und ob mit weltweiter Beachtung oder – wie im Falle der Birkenallee – mit regionaler: Dieter Mennekes bleibt seinen Prinzipien treu.

„Der alternative Nobelpreis ehrt Menschen und Initiativen, die Lösungen für die dringendsten Probleme unsere Zeit finden und erfolgreich umsetzen. Diese Menschen sollten die eigentlichen Stars unserer Zeit sein“, vertritt Mennekes die Ideale dieses Nobelpreises. Und charakterisiert sich und seine Arbeit selbst: „Ich bin und bleibe eben ein unverbesserlicher (Um-)Weltverbesserer.“