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Räuber

Ein raffinierter Räuber, der immer dreister vorgeht

06.04.2011 | 15:49 Uhr
Ein raffinierter Räuber, der immer dreister vorgeht
So schön und stattlich dieser Rabenvogel auch aussehen mag, unbestritten ist, dass die Elster als einer der gefährlichsten Nesträuber gilt.

Wittgenstein.Immer wenn einzelne Personen oder kleinere Gesellschaftsgruppen geschädigt werden, sind wir mit der vorwurfsvollen Einschätzung „Plage“ sehr schnell zur Hand. So z.B. wenn Wildschweine Wiesen umdrehen; Maulwürfe für Haufen im Rasen sorgen; Rehe „Terminaltriebe“ von zukünftigen Weihnachtsbäumen anknabbern; Steinmarder Autokabel mit Kaugummi verwechseln. Wenn jedoch die Allgemeinheit geschädigt wird, nehmen wir dies anscheinend hin wie schlechtes Wetter.

So haben sich die Elstern in den letzten Jahren derart gravierend vermehrt, dass sie mangels Verfolgung (Bejagung) in den Ortschaften immer dreister und unverfrorener werden. Kaum eine Ortschaft, kaum eine Allee, in denen in den hohen und zur Frühjahrszeit noch kahlen Bäumen nicht ihre markanten, großen und immer „überdachten“ Kugelnester zu entdecken sind.

Man könnte – oberflächlich betrachtet - ihr dreistes Verhalten noch dulden, zumal ihr durchaus attraktives Aussehen das räuberische Unwesen bei vielen Menschen zu überlagern scheint. Wie alle Rabenvögel, sind auch die Elstern äußerst intelligent, anpassungs- und lernfähig. Schon seit langem ist bekannt und bewiesen, dass sie zu den effektivsten Nesträubern zählen und somit auch dafür verantwortlich sind, dass in unseren Ortschaften, Gärten und Hecken immer weniger Singvögel nisten, immer weniger Singvögel ihre Jungen großziehen können.

Dabei gehen Elstern beim Nesträubern äußerst schlau, ja geradezu raffiniert vor. Wenn sie nicht schon die Eier der Singvögel in den Nestern entdecken und diese dann „klauen“, so scheinen sie sich geradezu auf fleischliche Nahrung in Form von Jungvögeln spezialisiert zu haben. So warten sie zum Beispiel bei den Höhlenbrütern wie Meisen oder Staren, an deren Brut sie nicht ohne weiteres herankommen, exakt den Zeitpunkt ab, da die Jungen kurz vor dem Ausfliegen sind, sie also schon so groß sind, um aus dem Guck- oder Einflugloch herausschauen zu können. Dann fliegt die Elster vorzugsweise in den frühen Morgenstunden ans Nest, imitiert den Lockruf des Elternvogels, schaut dann ein Junges heraus, wird es flugs mit dem großen, kräftigen Rabenvogelschnabel am Kopf gepackt, herausgezogen und unter lautem Geschrei der verfolgenden Elterntiere davongetragen und verspeist.

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Natur- und Tierfotograf und der daraus resultierenden ständigen Beobachtung insbesondere der gefiederten Tierwelt meine ich erkannt zu haben, dass Elstern noch schlauer sind als bisher angenommen. Denn bereits im zeitigen Frühjahr, wenn Meise, Kleiber oder Star entweder noch balzen, einen Partner und damit auch ein Brutrevier suchen, oder schon vorhandene Nester in Form von künstlichen Nistkästen inspizieren, beobachten und erkunden die schlauen Elstern diese Brutreviere und Brutvorbereitungen, „speichern“ die Örtlichkeiten (und möglicherweise den Zeitpunkt?) ab, um sie zu gegebener Zeit für einen späteren Raubzug schnell und überfallartig wieder aufsuchen können.

Elstern dürfen in NRW vom 1. August. bis 28. Februar bejagt werden. Somit böte sich zur Reduzierung dieser Nesträuber - ähnlich den so genannten „Wittgensteiner Fuchsjagdwochen“ - auch alljährlich eine konzertierte Aktion der heimischen Jägerschaft an mit dem Ziel, gegen ein Überhandnehmen der Elstern vorzugehen. Dies käme allen Singvögeln zugute und wäre eine geeignete Maßnahme, sich nicht resignierend mit einem „stummen Frühling“ abzufinden.

Wolfram Martin

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